Käfighaltung
Kommerziell hat sich in Österreich die Käfighaltung
etabliert, wenn auch nicht im großen Stil. Im Moment
gibt es 3 größere Käfighaltungsbetriebe, die jeweils
einige tausend Mastkaninchen halten.
Die Haltungsform orientiert sich an den Minimalanforderungen
des Gesetzes.
Für die Zucht werden die weiblichen Tiere in Einzelkäfigen
gehalten, ohne Einstreu und mit Drahtgitterböden.
Zusätzlich ist an jeden Käfig eine Nestbox angeschlossen, die
eingestreut ist und
in der die
Häsinnen ihre Kinder gebären. Allerdings haben die
Käfige ansonsten keinerlei Struktur und auch keine
Etagen, sodass sich die Mutter den zudringlichen
Kindern nicht entziehen kann.
In der Masthaltung werden ebenfalls Käfige mit Drahtgitterboden
verwendet. Eine Gruppe gleichaltriger Jungkaninchen
wird in jeweils einen Gitterkäfig gegeben, der keinerlei
Einstreu oder Struktur enthält. Die
Räume sind allerdings beheizbar, wie es das Gesetz
vorschreibt.
Kaninchen haben eine Reihe von grundsätzlichen Bedürfnissen,
die in der Käfighaltung auf Drahtgitterboden nicht
befriedigt werden:
- Rückzugsmöglichkeit
In der freien Wildbahn leben Kaninchen in Kolonien, die Wächter abstellen,
die bei Gefahr mit den Hinterbeinen trommeln. Die Tiere flüchten dann in
Erdhöhlen oder andere Verstecke. Entsprechend ist das Bedürfnis jederzeit
in ein Versteck flüchten zu können, oder sich auch vorübergehend dort aufzuhalten,
sehr groß. Ohne Strukturen und Rückzugsmöglichkeiten im Käfig, können die
Tiere dieses Bedürfnis nicht ausleben.
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- Pfoten verletzlich
Die Pfoten der Kaninchen sind leicht verletzbar. Sind die Tiere, wie in der Käfigbatterie,
gezwungen, ununterbrochen auf einem Drahtgitterboden zu stehen, so verletzen
sie sich häufig, wie bereits aus der Pelztierfarmhaltung bekannt.
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- Bewegung: Hoppeln, Aufrichten
Kaninchen sind sehr bewegungsaktiv. Zu den arttypischen Bewegungen gehören hoppeln,
rennen, rutschen, wenden, Haken schlagen, springen, springlaufen, Kapriolen
schlagen, scharrgraben, schaufeln und sich aufrichten. Im Käfig ist durch den
eklatant eingeengten Platz keine Möglichkeit für die Tiere gegeben, ihr Bewegungsbedürfnis
auszuleben. Für das Aufrichten wäre eine entsprechende Gehegehöhe notwendig.
Durch den Bewegungsmangel ergeben sich eine Reihe gesundheitlicher Probleme
wie Wirbelsäulenverkrümmungen und Knochenveränderungen, aber auch psychische
Störungen, die sich in Stereotypien äußern.
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- Sozialleben
Wildkaninchen leben in Kolonien von 1-3 Männern und 1-6 Frauen und deren Nachwuchs.
Die Tiere kennen sich persönlich und entwickeln enge Beziehungen. Der Kolonie
ist ein gewisser Geruch eigen, der erhöhte Freundlichkeit und verminderte Aggression
hervorruft. In den Käfigen, vor allem in der Einzelhaltung der Häsinnen in
der Zucht, können die Tiere keine ihnen so wichtigen Sozialkontakte pflegen.
In den Mastkäfigen befinden sich nur Jungtiere ohne soziale Struktur. Die Käfighaltung
macht ein Sozialleben unmöglich.
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- Mutter möchte sich vor Kindern zurückziehen
Die Neugeborenen kommen zwar unbehaart, blind und zur Vorwärtsbewegung nicht
fähig zur Welt, aber im Vergleich zu anderen Säugetieren ist die Mutter-Kind
Bindung sehr locker. Die Mutter sucht das Nest nur 1-2 Mal pro Tag zum Säugen
auf, ansonsten zieht sie sich von ihren Kindern zurück und möchte ihre Ruhe.
Im Käfig ist das ab einem Alter, ab dem die Kinder die Nestboxen verlassen
können, nicht mehr möglich. Die Unmöglichkeit sich zurückzuziehen setzt die
Mutter einem starken Stress aus.
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- Graben und wühlen
In der freien Wildbahn graben sich Kaninchen Wohnhöhlen. Graben und Wühlen ist
ihnen daher ein wichtiges angeborenes Bedürfnis. Im Käfig ohne Einstreu mit
Drahtgitterboden kann dieses Bedürfnis nicht befriedigt werden.
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- Problemlösen, Beschäftigungsmöglichkeit
Als hochgradig intelligentes Säugetier haben auch Kaninchen das Bedürfnis, ihre
geistigen Kapazitäten einzusetzen. Die Reizarmut und der Mangel an Beschäftigung
in den Käfigen, lässt sie aber diesbezüglich verkümmern. Sie zeigen Stereotypien
und Unruhe.
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- Möglichkeit vor aggressiven Individuen
zu flüchten
Innerhalb der sozialen Kaninchengruppe kommt es natürlich auch zu Rangkämpfen
und innerartlicher Aggression. Auch in den Jungtiergruppen in den Käfigen der
Kaninchenmast brechen derartige Kämpfe aus. Ohne genügend Platz, um sich aus
dem Weg zu gehen, können untergeordnete Tiere unter sehr starkem Stress leiden.
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