Hintergrund-Information
Was ist die ALF (Animal Liberation Front)?
Laut Beschuldigung durch die Staatsanwaltschaft soll eine
kriminelle Organisation vorliegen, die (hauptsächlich) unter
dem Akronym ALF aktiv sei. Eine kriminelle Organisation
ist dadurch charakterisiert, dass es sich um eine große,
unternehmensähnliche, hierarchische Organisation handelt.
Laut eigenen Polizeiangaben ist die ALF keine große, unternehmensähnliche,
hierarchische Organisation. Vielmehr charakterisiert die
Polizei die ALF folgendermaßen:
- „Die ALF besteht aus kleinen, anonymen Zellen ohne
zentrale Führung“
- „Die ALF ist keine Gruppe mit Mitgliedern, sondern
ein Beispiel nicht-hierarchischer Aktivität ohne Führung“
- „Jeder Veganer oder Vegetarier, der unter dem Namen
ALF eine Aktion machen will, kann das tun, solange die
Aktion unter die ALF-Prinzipien fällt.“
Die Richtlinien der A.L.F. sind:
- Die Befreiung von Tieren aus den Stätten, in denen sie
gequält werden, z.B. Laboratorien, Tierfabriken, Pelzfarmen
etc. Die Tiere müssen in ein gutes Zuhause übergeben werden,
wo sie frei von Leiden bis zu ihrem natürlichen Ende leben
dürfen.
- Das Zufügen ökonomischer Schäden für all jene, die von
der Not und der Ausbeutung der Tiere profitieren.
- Das Aufzeigen des Horrors und der Gräueltaten, denen
Tiere hinter verschlossen Türen ausgesetzt sind, mit Hilfe
von gewaltfreien, direkten Aktionen und Befreiungen.
- Das Ergreifen aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen,
damit weder Mensch noch Tier während der Aktionen Schaden
nehmen.
Personen die der VGT in den letzten
Jahren kritisierte
Im Weiteren eine willkürliche Auflistung von Personen,
Firmen und Organisationen die der VGT in den letzten Jahren
heftig kritisierte.
- Innenminister Günther Platter wurde vom VGT
als Lügner bezeichnet
Im März 2007 diffamierte Günther Platter im Rahmen der
Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage den VGT auf
der Basis falscher Fakten als gewaltbereite Organisation.
Der VGT wehrte sich mit einer Klage gegen den
ÖVP-Politiker. Diese Klage wurde allerdings vom
Gericht abgewiesen, weil der Innenminister Immunität genießt.
Falschaussagen eines Ministers sind auf dem Rechtsweg
nicht bekämpfbar. Der VGT richtete sich daher anschließend
mit einem öffentlichen Appell an den Minister (siehe auch
www.ministertaeuschtparlament.at).
In Anzeigen
in Presse und Standard bezeichnete der VGT die Aussagen
des Ministers als Lügen und forderte ihn auf diese richtig
zu stellen. Der Minister verweigerte zwar eine Richtigstellung,
bekämpfte aber auch nicht den gegen ihn erhobenen Vorwurf
der Lüge vor Gericht.
- Alfons Mensdorff Pouilly wurde wegen Fasanerien
kritisiert
Der VGT sammelte 2004 Informationen über die kommerzielle
Fasanjagd des Alfons Mensdorff Pouilly, Ehemann
der ÖVP-Politikerin Maria Rauch-Kallat. Tausende
Fasane und Enten wurden dort nur dafür künstlich in Massentierhaltungen
gezüchtet und bekamen ihre Schnäbel durchbohrt und mit
Metallklammern versehen, damit sie dann zahlenden Jagdgästen
vor die Flinten gescheucht werden konnten. Ein Fernsehsender
strahlte einen Beitrag darüber aus. Unmittelbar darauf
verlor der verantwortliche Redakteur seinen Job und der
Inhalt des Beitrags wurde öffentlich widerrufen. Nach
gerichtlichen Interventionen des VGT kam es zu einer Richtigstellung
der Richtigstellung in dieser Sache.
- Maria Rauch-Kallat verlor Klage gegen den VGT
Die damalige Tierschutzministerin klagte im Jahr 2005
den VGT wegen eines Flugblattes, in dem sie vehement kritisiert
wurde. Die
ÖVP-Politikerin verlor diese Klage.
- ÖVP-Abgeordneter Robert Lutschounig ohrfeigte
DDr. Martin Balluch
Am 5. März 2004 hielt der VGT in Klagenfurt eine friedliche
Tierschutz-Kundgebung ab. Der VGT kritisierte in diesem
Rahmen die ÖVP wegen des zahnlosen Entwurfs zum Bundestierschutzgesetz.
Plötzlich kamen ÖVP-Funktionäre von ihrer Abschlusskundgebung
zur Landtagswahl zur Tierschutzkundgebung herüber und
begannen die TierschützerInnen zu attackieren. Das Megaphon
wurde ihnen entrissen, Transparente beschädigt und der
ÖVP-Landtagsabgeordnete Robert Lutschounig schlug DDr.
Martin Balluch mit der flachen Hand ins Gesicht. Über
diese unrühmliche Attacke wurde in den wichtigsten Kärntner
Tageszeitungen einen Tag vor der Wahl prominent plaziert
berichtet. Die ÖVP musste bei dieser Wahl große Verluste
hinnehmen.
- UNIQA & Dr. Christian Konrad werden wegen
der Jagd bedemonstriert
Wenige Tage vor der Polizeiaktion gegen Tierschützer am
21.5.2008 startete der VGT eine Aktion gegen das Betreiben
einer Jagd durch die Versicherungsgesellschaft UNIQA.
Vor der Aktionärshauptversammlung am 19. Mai 2008 hielt
der VGT eine Demonstration
ab. In der Hauptversammlung selbst wurde in einer längeren
Wortmeldung die Jagd zur Großkundenpflege scharf kritisiert
und zu bedenken gegeben, dass diese Geschäftspolitik bei
anhaltenden Protesten durch den Tierschutz zu einem ernsten
Imageproblem für die UNIQA werden könnte. Aufsichtsratsvorsitzender
der UNIQA ist Dr. Christian Konrad, der selbst
passionierter Jäger und Landesjägermeister von
Niederösterreich ist. Der UNIQA wird eine Nähe zur ÖVP
nachgesagt. Über Dr.
Konrad heißt es in der Wikipedia, dass er „dem Vernehmen
nach“ einen „nicht unbedeutenden Einfluss auf Politik
und Medien“ haben soll.
- Jäger im Allgemeinen
Der VGT und auch die anderen von der Polizeiaktion betroffenen
Vereine haben gemeinsam, dass sie sich mit vehementer
Kritik gegen die Jagd richten. Gerade in den
letzten Jahren ist die Jagd auch tatsächlich zunehmend
aufgrund dieser Tierschutzvereine ins Kreuzfeuer der Kritik
geraten. Fragwürdige Jagdpraktiken wie die Jagd auf extra
gezüchtete Tiere, wie Fasane, Enten, Wildschweine, Hirsche
und sogar Hasen, werden öffentlich kritisiert.
Die JägerInnen spüren zunehmend diesen Druck. Die diesjährige
14.
Jägertagung widmete sich extra diesem Thema. Dort
wurde allerdings auch lobend erwähnt, dass sich die
österreichische Bundesregierung international als eine
Speerspitze des Jagdschutzes präsentiere und
dass der Innenminister schon sicherstellen
würde, dass kein zu scharfes Waffengesetz die Waffenleidenschaft
der JägerInnen durch Einschränkung des Zugangs behindern
werde.
JägerInnen sitzen an vielen einflussreichen Knotenpunkten
des Staates. Das reicht von Bürgermeistern,
Polizeikommandanten und Bezirkshauptleuten
bis zu Richtern und Staatsanwälten.
Auch unter hohen Beamten und Politikern sind Jäger anzutreffen.
Das wurde beispielsweise auch wieder einmal öffentlich,
als Peter Pilz interne Emails aus dem Innenministerium
veröffentlichte aus denen hervorging, dass an
eine ganze Reihe von Beamten
aus dem Innenressort Jagdeinladungen ergangen sind.
Eine dieser Einladungen kam auch von Alfons Mensdorff
Pouilly. (siehe eigener Punkt oben)
- Kleider Bauer, Peter und Werner Graf, Kampagne
gegen den Pelzverkauf
Nach der Kampagne gegen den Pelzverkauf bei Peek&Cloppenburg,
die im August 2006 erfolgreich beendet werden konnte,
startete im Oktober 2006 der VGT eine Kampagne zur Beendigung
des Pelzverkaufs der Firma Kleider
Bauer.
Während die genau gleich geführte Kampagne gegen den Pelzverkauf
bei P&C mit der Polizei praktisch friktionsfrei verlief,
schlug die Polizei nach kürzester Zeit bei der Kampagne
gegen den Pelzverkauf bei Kleider Bauer eine andere Tonart
an. Demonstrationen wurden untersagt, anfangs mit dem
fragwürdigen Argument, dass diese Demos die öffentliche
Sicherheit gefährden würden, später wurde auch das
Argument der Geschäftschädigung
ins Treffen geführt. Die Verbote trieben interessante
Blüten, so wurde den DemonstrantInnen verboten die
Worte „Kleider Bauer“, „Pelz“ und „Tierquälerei“ zu verwenden.
- Tierversuchslobby
Auch Tierversuche werden vom VGT scharf kritisiert. Im
Dezember 2005 wurden Versuche an Menschenaffen in Österreich
verboten. Der VGT fordert schon seit Jahren eine Reform
des überalteten Tierversuchsgesetzes. Nach Demonstrationen
vor Pharmafirmen im Jahr 2006 suchten unbekannte
Männer das Büro des VGT auf und drohten, dass sich
die Pharmaindustrie derartige Aktivitäten nicht gefallen
lassen würde und dass sich der Verein und seine Angestellten
vorsehen sollten.
- Agrar-Lobby
Abgesehen von Größen in der Nutztierproduktion wie der
Liechtenstein’schen Gutsverwaltung und der Maximilian
Hardegg Gutsverwaltung, die wiederholt vom VGT kritisiert
und auch angezeigt wurden, sind im Agrarbereich vor allem
die gesetzlichen Fortschritte, die erzielt werden konnten,
bemerkenswert. Das
Legebatterieverbot von 2004 war wohl Überraschung
und Schock für die Agrarlobby gleichzeitig. Eigentlich
wurde bis zuletzt nicht mit einem echten Verbot gerechnet,
dass dann aber aufgrund des großen öffentlichen Drucks
doch durchgesetzt werden konnte. Ebenso überraschend für
die Agrar-Lobby kam das Verbot
der Käfighaltung bei der Kaninchenmast und –zucht
2007.
Der VGT konzentriert seine Aktivitäten derzeit auf die
Kritik an der Schweinehaltung in Österreich. 2006 präsentierte
der Verein eine umfangreiche
repräsentative Detailstudie zur Schweinehaltung, die
katastrophale Zustände ans Tageslicht brachte. Die Schweineproduktion
nimmt mit einem jährlichen Produktionswert von etwa 700
Mio Euro ein gutes Viertel des gesamten Produktionswertes
von Tierprodukten in Österreich ein.
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