Die Ergebnisse der Recherche
bzgl. der Stallungen
Im Frühjahr 2006 wurde der VGT auf Missstände
im Bereich der Pferdehaltung von Fiakerunternehmen in
Wien aufmerksam gemacht. Das uns zugespielte Fotomaterial
zeigte Pferde in dunklen, muffigen Stallungen in Anbindehaltung.
Einige der Ställe waren sogar in Kellern mitten im
Wiener Wohngebiet untergebracht. Es fehlten Tränkevorrichtungen,
die Pferde sahen abgearbeitet aus und wiesen zum Teil
Fellabschürfungen von Geschirr und Kutsche auf. Auf
den Liegeflächen einiger Pferde fehlte sogar Einstreu.
In den darauffolgenden Wochen wurden 14 von 34 Fiakerunternehmen
in Wien besucht. Es gelang ein recht umfassendes Bild
von der Situation der Pferde in Wiener Fiakerunternehmen
zu gewinnen. So konnte die Unterbringung von etwa 142
Pferden der insgesamt 320 zugelassenen Fiakerpferde begutachtet
werden, was 44% entspricht.
Erschreckend war vor allem, dass nach wie vor die Anbindehaltung
von Pferden weit verbreitet ist. Gleichzeitig verfügen
aber die wenigsten Unternehmen über Koppeln, die
den Pferden einen freien Auslauf ermöglichen würden.
79% der besuchten Betriebe haben keine Koppeln und 71%
der besuchten Unternehmen hielten Pferde in Anbindehaltung.
Es muss also davon ausgegangen werden, dass diesen Pferden
der nach dem Bundestierschutzgesetz vorgeschriebene tägliche
freie Auslauf vorenthalten wird.
Insgesamt liegen dem VGT Daten über 14 Fiakerunternehmen
vor. Hier die zusammengefassten Ergebnisse:
- 11 von 14 Fiakerunternehmen (79%) verfügen über
keinen Freiauslauf (also keine Koppel)
- 10 von 14 Fiakerunternehmen (71%) wurden vom VGT angezeigt
- 10 von 14 Fiakerunternehmen (71%) halten Pferde in
Anbindehaltung
- Bei 6 von 14 Fiakerunternehmen (43%) kam zuwenig
natürliches Licht in die Stallung
- 4 von 14 Fiakerunternehmen (29%) sind im Keller untergebracht
- 4 von 14 Fiakerunternehmen (29%) verfügten über
keine Tränkevorrichtungen
- Bei 4 von 14 Fiakerunternehmen (29%) wurden an den
Pferden Fellabschürfungen oder leichte Verletzungen
festgestellt
- 3 von 14 Fiakerunternehmen (21%) hielten Pferde ohne
Einstreu
Angesichts der von uns festgestellten Übertretungen
des Tierschutzgesetzes überrascht es, dass eine im
April 2006 durchgeführte Kontrolle der Stadt Wien,
wie in den Medien berichtet wurde, nichts an den Stallungen
zu bemängeln hatte. Das kann nur durch enormes Entgegenkommen
der kontrollierenden Behördenvertreter erklärt
werden. Hier wird offenbar schnell einmal ein Auge zugedrückt.
Der VGT hat jedenfalls 10 der 14 besuchten Betriebe nach
dem Tierschutzgesetz angezeigt. Die meisten Übertretungen
bezogen sich auf Anbindehaltung in Kombination mit fehlender
Auslaufmöglichkeit (8 Betriebe bzw. 57% der untersuchten
Fiakerunternehmen), zuwenig Licht im Stall (6 Betriebe
bzw. 43% der untersuchten Fiakerunternehmen), fehlende
Tränkevorrichtungen (4 Betriebe bzw. 29% der untersuchten
Fiakerunternehmen) und mangelhafte Betreuung, wie fehlende
Einstreu oder Fellabschürfungen von schlecht angepasstem
Kutschengeschirr (6 Betriebe bzw. 43% der untersuchten
Fiakerunternehmen).
Aber auch die Situation der Pferde in den nicht angezeigten
Fiakerunternehmen ist aus Sicht des Tierschutzes kritisch
zu betrachten. Denn auch im Falle einer Boxenhaltung sollte
den Pferden täglicher Auslauf auf einer Koppel möglich
sein, was aufgrund fehlender Einrichtungen aber nicht
immer gegeben ist. Inwieferne Betriebe die über Auslaufmöglichkeiten
verfügen, diese den Pferden auch regelmäßig
zur Verfügung stellen, könnte nur eine Kontrolle
der laufenden Betriebsgepflogenheiten ergeben.
Für alle Pferde gilt aber die Kritik von Seiten
des Tierschutzes am Fahrbetrieb in der Stadt. (siehe Tierschutzrelevante
Probleme)
Der Alltag der Fiakerpferde
Der Arbeitstag eines Kutschenpferdes darf 14 Stunden
betragen, 14 Stunden ununterbrochenes Stehen im Kutschengeschirr,
keine Möglichkeit auch nur einen freien Schritt zu
setzen. Wenn sie sich endlich im Rahmen einer Stadtrundfahrt
bewegen dürfen, müssen die Pferde immer auf
Asphalt gehen, sie sind dem ständigen Straßenlärm
und den Auspuffabgasen ausgesetzt, keine Chance zu fliehen.
Den Pferden (Fluchttiere) werden die Ohren mit Ohrenstöpsel
verschlossen und ihr Gesichtsfeld wird durch Scheuklappen
eingeschränkt, um ihrem natürlichen Verhalten
entgegenzutreten. Dies ist ein Versuch ihr Leben zwischen
den Autos auch nur einigermaßen erträglich
zu machen. Jedes Pferd würde sonst die Flucht ergreifen.
Nach Betriebsschluss kommen die meisten Pferde in Stallungen
mit Anbindehaltung, die sich mitten im Wohngebiet in Wien
befinden. Aufgrund fehlender Auslaufmöglichkeiten
(Koppeln) bedeutet das, dass die Pferde sich auch in ihrer
Freizeit nicht frei bewegen können. Kein lockeres
gehen auf einer Koppel, geschweige auf einer grünen
Wiese. Es gibt keine Erholung für diese Tiere nach
anstrengender Arbeit. Zusätzlich darf man nicht vergessen,
dass im Winter die Fiaker weniger unterwegs sind und daher
viele Pferde lange Zeit fast gänzlich ohne Tageslicht
in den Stallungen stehen müssen.
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