Große
bundesweite, repräsentative Detailstudie.
Die Situation der Schweine in Österreich
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85,5% der Mastschweine leben auf Vollspaltenböden!
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98,7% der Mastschweine leben ohne Stroheinstreu!
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98,1% aller Zuchtsauen müssen ins Abferkelgitter!
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72,1% aller Zuchtsauen leben ununterbrochen im
Kastenstand!
Im August und September 2006 waren TierschützerInnen
bundesweit unterwegs, um die größte jemals
durchgeführte Detailstudie über die Haltungsbedingungen
der Schweine in Österreich zu erstellen. 125 der
größten Betriebe mit insgesamt 120.675 Schweinen
wurden im ganzen Land dokumentiert, das sind 3,82% aller
Schweine Österreichs. Der VGT präsentiert nun
die erschütternden Ergebnisse dieser Studie.
In den letzten Jahrzehnten wurde die Struktur der Schweineproduktion
in Österreich dramatisch hin zu großen industriellen
Betrieben verschoben. Die Anzahl der Schweinebetriebe
hat sich seit dem EU-Beitritt 1995 bei praktisch gleichbleibender
Gesamtanzahl von Schweinen (3,1 Millionen) halbiert. Es
gibt bereits 125 Betriebe mit über 1000 Schweinen,
die meisten davon wurden besucht und dokumentiert. Die
Schweineindustrie ist der wichtigste „Nutztier“industriezweig.
Mit einem Produktionswert von rund 700 Millionen Euro
pro Jahr fallen auf den Schweinesektor mehr als 25% der
tierlichen Produktion in Österreich. Fast 2 Drittel
des in Österreich konsumierten Fleisches ist vom
Schwein.
Aber die Schweine sind die großen Verlierer des
Bundestierschutzgesetzes. Die Schweinehaltung ist im wesentlichen
im Rahmen der 1. Tierhaltungsverordnung dieses Gesetzes
geregelt und orientiert sich ausschließlich an den
EU-Mindestrichtlinien. Mit anderen Worten, in Österreich
ist der Schutz der Schweine auf das von der EU vorgegebene
absolute Mindestmaß reduziert. Im Vergleich zu den
Landestierschutzgesetzen bedeutete das bei Einführung
des Bundestierschutzgesetzes eine Reihe von Verschlechterungen.
Für die Schweine ist der tägliche Alltag in
Österreichs Ställen eine einzige Katastrophe.
Wörterbuch
Vollspaltenboden
Ein Spaltenboden stellt einen Bodenbelag dar, bei dem
die Auftrittsfläche von Spalten durchzogen wird.
Diese Spalten dienen dazu, dass die Tiere den Kot durchtreten
und der Harn abläuft. Bei einem Vollspaltenboden
sind alle Flächen der Box von Spalten überzogen
(vgl. Teilspaltenboden). In einem Haltungssystem mit Spaltenboden
ist der Einsatz von Stroh als Einstreu und/oder Beschäftigungsmaterial
problematisch, da das Stroh in den Spalten hängen
bleibt und diese blockiert. Bei Haltung auf Vollspaltenböden
ist daher eine Stroheinstreu vollkommen ausgeschlossen,
bei Systemen mit Teilspaltenböden ist diese dann
möglich wenn eine klare bauliche Trennung (etwa durch
eine Stufe) zwischen eingestreutem Bereich und Spaltenbereich
existiert.
Teilspaltenboden
Ein Spaltenboden stellt einen Bodenbelag dar, bei dem
die Auftrittsfläche von Spalten durchzogen wird.
Diese Spalten dienen dazu, dass die Tiere den Kot durchtreten
und der Harn abläuft. Bei einem Teilspaltenboden
ist der Bereich mit Spalten ausgestattet an dem der meiste
Kot und Harn anfällt (vgl. Vollspaltenboden).
Mast
Nach etwa 4 Wochen werden die Ferkel von der Mutter getrennt
und kommen in die Vormast. Ab einem Lebendgewicht von
30kg, das mit etwa 3 Monaten erreicht wird kommen die
Jungschweine von der Vormast in die Mast. Mit einem Alter
von sechs Monaten haben sie ein Gewicht von etwa 100kg
erreicht und werden getötet. Die Schweine sind zu
diesem Zeitpunkt noch lange nicht erwachsen. Meist findet
Zucht und Vormast an ein und demselben Betrieb statt.
Zucht
In der Zucht von Schweinen gibt es zwei Betriebsformen:
Reinzuchtbetriebe liefern Elterntiere für die Züchtung.
Zulieferbetriebe liefern Ferkel für die Mastbetriebe.
Die Anzahl der in Reinzuchtbetrieben gehaltenen Tiere
ist gering. In den Zulieferbetrieben verbringen die Sauen
ihr Leben in Kastenständen und Abferkelbuchten oder
in Gruppenhaltung.
Kastration
Nachdem in Österreich Schweine bis zu einem Gewicht
von etwa 100kg gemästet werden und der Ebergeruch,
der hormonbedingt davor eintritt, nicht gewünscht
wird, werden die männlichen Ferkel bereits in den
Zulieferbetrieben kastriert.
Zur gesetzlichen Regelung hier.
Kastenstand
Freilebende Schweinemütter sind beim Niederlegen
ausgesprochen vorsichtig, um ihre Jungen nicht zu erdrücken.
In der heutigen Schweinehaltung kommt es jedoch bedingt
durch die dauernde Benutzung als reine Gebärmaschinen,
in einer reizarmen Umgebung und bei mangelndem Platzangebot
häufig zu Ferkelverlusten. Anstatt die Haltung den
Bedürfnissen der Schweine anzupassen, wurden Kastenstände
entwickelt. Ein Kastenstand ist ein eiserner Käfig
in dem die Zuchtsauen im Abferkelstand fixiert werden.
Er erlaubt den Tieren lediglich ein Aufstehen und Niederlegen,
jedoch keinerlei Möglichkeit herumzugehen oder sich
zumindest herumzudrehen.
Kastenstände werden jedoch nicht nur in Abferkelstallungen
verwendet sondern auch zur dauernden Unterbringung von
Sauen. Hierbei liegt der Vorteil für die HalterInnen
in der einfacheren Befruchtung sowie dem geringen Platzaufwand:
Jede Sau hat gerade Mal ihre Körperlänge als
Lebensbereich.
Zur gesetzlichen Regelung hier.
Abferkelbucht
Die Sauen werden etwa eine Woche bevor sie ihre Jungen
bekommen in die Abferkelbucht gebracht und verbleiben
dort, bis die Ferkel im Alter von drei bis sechs Wochen
entwöhnt werden. Es gibt drei Arten von Abferkelbuchten:
Die häufigste Form von Abferkelbuchten sind jene,
in denen die Mütter dauernd in Kastenständen
fixiert sind, weniger oft kommen jene vor, in denen die
Sauen vorübergehend fixiert werden können (Kastenstand
zum Öffnen, in diesem wird die Sau in der Regel zumindest
zwischen dem dritten Tag vor der Geburt und dem zehnten
Tag nach der Geburt im Kastenstand fixiert). Nur die wenigsten
Betriebe haben Abferkelbuchten in denen die Sauen sich
frei bewegen können.
Abferkelgitter
Das Abferkelgitter ist ein Gitter, das so hoch ist, dass
die Muttersau es nicht übertreten kann. Beispielsweise
die Gitterbegrenzungen von Kastenständen. Vom Boden
weg verbleibt allerdings ein Abstand, der es den Ferkeln
ermöglicht darunter durchzuschlüpfen.
Vormast
Die Mast der Ferkel von einem Gewicht ab 25kg bis zu
40kg wird als Vormast bezeichnet. In dieser Phase nehmen
die Tiere besonders rasch zu und erhalten ein spezielles
Futter.
Ferkelnest
Ein Ferkelnest ist ein Bereich, der für die Ferkel
wärmer (bzw. leichter zu erwärmen ist) als der
restliche Bereich der Abferkelbucht. Die meisten Ferkelnester
sind schlicht aufgehängte Rotlichtlampen bzw. Bodenmatten.
Andere Varianten sind überdachte Boxen, die sich
durch die Körperwärme schneller erwärmen
oder Strohnester.
Fressgitter
Fressgitter sind eiserne Käfige, die in Gruppenhaltungen
verwendet werden, damit die Schweine einzeln essen. Betritt
ein Schwein den Käfig schließt sich dieser,
so dass kein weiteres Schwein mehr den Essbereich betreten
kann. Erst wenn das Schwein den Käfig wieder verlässt,
ist dem nächsten Schwein der Zutritt möglich.
Außenklimastall
Der Außenklimastall bezeichnet einen Stall, der
auf einer Seite große Fenster aufweist, die mit
Rollos geschlossen werden können. Im Prinzip ermöglicht
er eine bessere Durchlüftung allerdings ersetzt er
nicht einen Außenraum bzw. den Auslauf der Schweine.
Außenraum
Außenräume sind Bereiche für die Schweine,
die im Freien liegen. Es gibt auch überdachte Ausläufe,
deren Dach vor Sonneneinstrahlung und Witterung schützen
sollen. |