Wie Schweine
wirklich sind
Schweine sind ausgesprochen intelligente Tiere –
ihr IQ übertrifft den des beliebten Haushundes. Sie
können bis zu 100 Signalwörter erlernen. Donald
Broom von der Cambridge University beschreibt sie als
hoch entwickelte Tiere, deren geistige Leistungen in Tests
die von dreijährigen Kindern übertrafen. Ihre
Neugierde gilt allem Neuen und so werden unbekannte Gegenstände
sofort erkundet.
Ihrem Verhalten würde ein Leben in Kleingruppen
entsprechen. Schweine legen – entgegen ihres Rufs
– ausgesprochenen Wert auf Reinlichkeit. Sobald
sie genügend Raum vorfinden unterteilen Sie Ihren
Wohnbereich in drei Zimmer: Schlafraum, Essbereich und
Klo. Die Gruppe baut hierbei ein Schlafnest mit feinen
Ästen und trockenen Grasbüscheln. Das Klo wird
zumindest drei Meter entfernt vom Schlafplatz angelegt.
Freilebende Schweine findet man daher nie mit Kot verunreinigt
sondern bloß voll von Schlamm. Schlammbäder
werden von Schweinen deshalb genommen, weil sie über
keine Schweißdrüsen verfügen und der Schlamm
länger kühl hält als das schneller verdunstende
Wasser. Außerdem trocknen in dem Schlamm Parasiten
fest, die danach beim Reiben an Bäumen mitsamt des
Schlammes beseitigt werden. Gemeinsam gehen sie frühmorgens
aufs Klo und gehen danach die Gegend Erkunden und Essen
suchen, wobei sie auch die Erde durchwühlen. Als
Allesfresser vertilgen sie Eicheln, Gras, Blätter,
Beeren, Wurzeln, Käfer, Kräuter, Obst und vieles
mehr. Süßes wird bevorzugt, während Salziges
eher gemieden wird. Nach dem Essen gehen sie etwas Trinken
und Ruhen danach zu Mittag gemeinsam. Nachmittags werden
sie wieder aktiv. Das Erkunden und Essen nimmt somit über
70% ihrer Tagesaktivitätszeit in Anspruch. Dabei
werden immer wieder Signale ausgetauscht und man beschnuppert
einander.
Ortsveränderungen werden meist von den älteren
Sauen initiiert, die zusammen mit ihren Töchtern
und deren Ferkeln den Kern der Gruppe bilden, während
die Eber mit zunehmend Alter einzeln herumziehen und engen
Kontakt bloß zur Paarungszeit suchen.
Eine schwangere Sau entfernt sich für die Geburt
von der Gruppe, legt ein Nest an und verbringt dort die
ersten Tage mit ihren Ferkeln. Die Ferkel beginnen im
Alter von zwei Wochen ihrer Mutter zu folgen und die Umgebung
rund um das Nest zu erkunden. Am Ende der zweiten Wochen
kehren die Mütter mit ihnen zur Gruppe zurück.
Dort spielen die Ferkel verschiedener Würfe zusammen
indem sie Lauf- und Kampfspiele veranstalten. Ab dem dritten
Lebensmonat der Ferkel werden sie nur noch selten gesäugt
und schließlich entwöhnt.
Bei freilebenden Schweinen kommt Kannibalismus nicht
vor. Schweine sind ausgesprochen friedliche Lebewesen
und greifen Artgenossen niemals zum Verzehr an. Wohl vertreiben
sie gruppenfremde Schweine, wenn diese in ihr Revier kommen.
Allerdings verfügen sie über eine sehr komplexe
Kommunikation mit zahlreichen verschiedenen Grunzlauten
sowie körpersprachlichen und taktilen Signalen. Ähnlich
wie Hunde haben auch sie es nicht nötig sich auf
Ernstkämpfe einzulassen sondern begnügen sich
mit Drohgebärden und Rempeleien. Verhaltensweisen
wie das Anbeißen von Ohren und Schwänzen eigener
Gruppenmitglieder sind Störungen, die aus unnatürlichen
Lebensbedingungen erwachsen.
Bereits in den 80er Jahren stellte der Verhaltensforscher
Alex Stolba fest, dass auch Schweine, die in einer Intensivtierhaltung
aufwachsen mussten, bereits nach kürzester Zeit im
Freigehege wieder das volle Verhaltensrepertoire des Wildschweines
zeigten. Dass Schweine ihre natürlichen Verhaltensweisen
also verlieren, wenn sie nichts anderes kennen als das
Dasein in monotonen Stallungen ist ein Irrglaube –
sobald sie die Chance bekommen führen sie ein Leben,
dass ihren Bedürfnis nach Erkundungsverhalten und
freundlichem Sozialkontakt entspricht.
Schweine, die ähnlich wie Hunde aufwachsen verhalten
sich nicht nur ihren Gruppenmitgliedern sondern auch ihren
Bezugspersonen und anderen Tieren gegenüber verschmust
und zärtlich. Trotz ihrer immensen Kraft stupsen
und spielen sie vorsichtig und schließen jahrelang
anhaltende Freundschaften. |