TIERSCHUTZ-THEMEN JAGD DISKUSSION
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Diskussion zur Jagd

Grob kann man die Probleme, welche die Jagd in der heutigen Gesellschaft aufwirft, in 4 Grundbereiche einteilen. Erstens der Konflikt zwischen Jägern und anderen Naturnutzern um denselben Nutzungsbereich, zweitens der Konflikt zwischen Jagd und Ökologie bzw. Naturschutz, drittens der Konflikt zwischen Jagd und Individualtierschutz und viertens der Konflikt zwischen Jagd und Tierrechten.

Naturnutzungskonflikte

Nicht nur Jäger wollen die Natur zu ihrem Vorteil nutzen. Einerseits gibt es auch andere Wirtschaftszweige, wie die Forstwirtschaft, die oft mit der Jagd wie sie heute betrieben wird, in Konflikt geraten. Die Hege der Jäger hält die Wilddichte künstlich weit über der Kapazität der Natur, und zwar durch Winterfütterung, medikamentöse Prophylaxe und Kraftfutter. Oft werden auch Tiere regelmäßig für die Jagdsaison in großer Zahl ausgesetzt, obwohl diese Tiere weder indigen sind, noch in freier Wildbahn aufgewachsen und damit wirklich überlebensfähig sind. Die Folge dieser Faunaverfälschung ist nicht selten eine Schädigung des Waldes oder der Landwirtschaft.

Wanderer stellen die weitaus größte Zahl aller die Natur nutzender Menschen. Das freie Wegerecht in Österreich, zusammen mit einem gut ausgebauten Wegenetz und einer entsprechenden Infrastruktur alpiner Unterkünfte, lockt jedes Jahr Millionen von Menschen in die Natur. Da sich Jäger offensichtlich durch die Präsenz von Wanderern schon gestört fühlen, reagieren sie oft sehr aggressiv, vertreiben manchmal auf illegale Weise Wanderer aus ihrem Revier, de-markieren Wege oder beantragen und erhalten jagdliche Sperrgebiete. Auf diese Weise entsteht ein sehr ernster Nutzungskonflikt zwischen Jägern und Wanderern, und zwar auch in innerstädtischen Gärten oder Parks, und sogar auf Friedhöfen. Der Alpenverein hat dieses Problem erkannt und wurde deshalb zu einem der schärfsten Kritiker der Jagd.

Ein Aspekt dieses Naturnutzungskonflikts ist das Problem Jagd im Nationalpark. Nach internationalen Richtlinien sollte die Jagd zumindest in den Kernzonen von Nationalparks verboten sein. Außer im Nationalpark Neusiedler See/Seewinkel ist diese Vorschrift durch den Widerstand der Jägerschaft in keinem österreichischen Nationalpark umgesetzt worden. Deshalb sind die österreichischen Nationalparks auch nicht international anerkannt worden. So sind aus gewissen Gebieten harmlose Wanderer ausgesperrt, um die Natur zu schonen, während Jäger dort immer noch ihrem Hobby nachgehen dürfen.

Ein weiterer Nutzungskonflikt innerhalb der menschlichen Gesellschaft ist der zwischen Jägern und Haustierbesitzern, deren Hunde und Katzen frei herumlaufen dürfen. Jäger schießen mit fragwürdigen Begründungen jährlich tausende Hunde und Katzen tot, und fügen damit u.a. den Haustierbesitzern ungestraft oft großen emotionalen Schaden zu. Obwohl die Gesetze hier rigoros den tötenden Jäger ins Recht setzen, gibt es sogar Fälle, wo trotz allem die Haustiere illegal getötet worden sind, wie z.B. wenn sie viel zu nahe an menschlichen Behausungen, oder während sie direkt unter menschlicher Obhut und Kontrolle waren, geschossen wurden.

Zuletzt muß hier auch noch der Aspekt berücksichtigt werden, daß immer wieder Jagdunfälle auftreten, bei denen Menschen zu Schaden kommen. Das betrifft nicht nur Jagdunfälle mit den freiwillig partizipierenden Jägern als Opfer, die um die Gefahr wußten und das Risiko bewußt eingingen. Manchmal werden auch unschuldige Wanderer oder Anrainer verletzt oder gar getötet.

Naturschutzkonflikte

Das jagdliche und das ökologische Ideal eines Tierbestandes sind oft diametral entgegengesetzt. Das jagdliche Ideal beinhaltet eine möglichst hohe Anzahl jagdbarer Tiere, eine möglichst niedrige Anzahl nicht-jagdbarer Tiere, und möglichst viele Tiere mit sogenannten grossen Trophäen. Keiner dieser Aspekte ist mit dem ökologischen Ideal verträglich.

Eine möglichst hohe Anzahl von Individuen einer gewissen Tierart ist oft sehr schlecht für diese Art, weil sie keine natürliche Altersstruktur zuläßt, die Populationen menschenabhängig macht, zur „Verhausschweinung“ beiträgt, die Sozialstruktur der Tiergruppen dieser Art total zerstört, und oft ihr natürliches Verhalten stark beeinträchtigt (z.B. Nachtaktivität eigentlich tagaktiver Tierarten). Manche nicht-indigenen Tierarten wurden und werden nur der Jagd wegen ausgesetzt, was ökologisch in jeder Hinsicht äußerst fragwürdig ist.

Eine möglichst geringe Anzahl nicht-jagdbarer Tiere bringt das ökologische Gleichgewicht empfindlich durcheinander. So werden die großen Raubtiere und manche Vögel als Jagdkonkurrenten von den Jägern bis heute nicht toleriert, obwohl sie für ein ökologisches Gleichgewicht äußerst wichtig sein können.

Zusammenfassend lassen sich die folgenden ökologischen Problempunkte aufzählen:

  1. Jagd verändert das natürliche Verhalten und das soziale Zusammenleben von Tieren in extrem negativer Weise, was für das Individuum unnatürliche Streßsituationen nach sich zieht (z.B. unnatürlich hohe Wilddichte, viel mehr weibliche als männliche Tiere, keine alten weisen Tiere, die die Herde sicher führen können, immer frühere Geschlechtsreife).
  2. Jagd drängt Tiere in artuntypische Verhaltensweisen (z.B. Nachtaktivität).
  3. Jagd setzt durch intensiven Raubwildabschuß im Zusammenwirken mit der Hege die natürliche Selektion außer Kraft, was der Gesamtkonstitution der betroffenen Beuteart abträglich ist.
  4. Jagd – speziell auf Füchse – begünstigt maßgeblich die Ausbreitung der Tollwut!
  5. Jagd macht Tiere weit über Gebühr menschenscheu.
  6. Jäger betreiben durch unnatürliche Selektions- und Regulationsmechanismen eine zwangsläufige Falschauslese (z.B. große Trophäen).
  7. Jagd trägt/trug maßgeblich zur Ausrottung und/oder Gefährdung verschiedener Arten bei (z.B. Auerhahn, Nerz, Bär, Wolf, Luchs, Adler, Steinbock, etc.).
  8. Jagd führt durch Angststreß der Tiere zu erhöhtem Wildverbiß am ohnehin umweltbelasteten Wald.
  9. Hege von Reh- und Rotwild, insbesondere Fütterungen sowie medikamentöse Prophylaxe gegen Krankheiten und Parasiten, führt zu erhöhtem Wildbestand, der wiederum Wildverbiß verursacht.
  10. Hege hat mit natürlichen Gegebenheiten nichts zu tun und läuft diesen vielmehr zuwider.
  11. Hege degradiert die Natur zur Kulisse für die künstliche Heranzucht unnatürlich hoher, menschenabhängiger Reh-, Hirsch- und Fasanbestände.
  12. Hege setzt absichtlich die natürliche Selektion und Regulation vieler Tierbestände außer Kraft.
  13. Hege führt aufgrund ihrer Ausrichtung auf jagdbare Arten zur Verdrängung oder zumindest zur Verschlechterung der Lebensbedingungen nicht-jagdbarer Arten.
  14. Hege hat bei intensivem Gebrauch die genetische Degeneration sowie die „Verhausschweinung“ unmittelbar betroffener Tierarten zur Folge.
  15. Durch die Einbürgerung faunenfremder Arten kann es zur Verdrängung einheimischer Arten kommen (z.B. in der Wechselbeziehung Fasan-Birkhuhn).

Das Verlangen der Jägerschaft nach bequemen Jagdmöglichkeiten z.B. durch Bau und Erhalt von Forststraßen, Jagdständen, Futterstellen, Fasanerien usw. sind ebenso ein naturschutzrelevantes Problem. Jährlich werden auch tausende Tonnen von Blei in Form von Schrotkugeln durch die Jagd in der Umwelt abgelagert, obwohl Blei als gefährliches Umweltgift hinlänglich bekannt ist.

Tierschutzkonflikte

Der Tierschutz stellt die grundsätzliche Nutzung von Tieren zur menschlichen Unterhaltung bzw. zum menschlichen Vorteil nicht in Frage, fordert aber, daß dieser für das individuelle Tier in geringst möglichem Ausmaß zu erfolgen habe. Daß es hier bei der Jagd zu Konflikten kommt, folgt schon unmittelbar aus dem Umstand, daß aus vielen Tierschutzgesetzen die „weidgerechte“ Jagdausübung ausgenommen ist. Wenn ein gewisses Verhalten aus Gründen des Individualtierschutzes verboten wurde, ist schwer einzusehen, daß dasselbe Verhalten bei der Jagd zulässig sein sollte, solange es sich nicht um essentielle Bedürfnisse der Menschen oder um ökologische Notwendigkeiten handelt. Zur reinen Unterhaltung oder aus wirtschaftlichen Gründen ist die Übertretung von Tierschutzgesetzen jedenfalls zumindest fragwürdig.

Einige Konfliktpunkte im Bereich Tierschutz sind:

  1. Verletzungen durch Anschießen
  2. Fallenjagd
  3. Treibjagd
  4. Baujagd
  5. Gatterjagd
  6. Beizjagd
  7. Lebende Köder
  8. Jagdhundeabrichtung
  9. Tötung durch den Jagdhund
  10. „weidgerechte“ Traditionen wie Jagd nur auf fliegende Vögel und dgl.
  11. Jagd mit dem Schrotgewehr (verletzende, aber kaum tötende Wirkung)
  12. Giftköder

Tierrechtskonflikte

Die Jäger sehen die Jagd als „Ernte“ aus der Natur, also als Wirtschaftsfaktor. Dabei wird das Tier, ein Lebewesen mit Bewußtsein, Gefühlen, Individualität und Persönlichkeit, ein Subjekt also, der Pflanze gleichgesetzt und zu einem Nutzungsobjekt degradiert. Das empfindsame Lebewesen wird so als Mittel zum Zweck für den Jäger gesehen, anstelle als Zweck an sich selbst respektiert zu werden. Die ethische Rechtfertigung empfindsame, fühlende Andere zum Mittel für die eigenen Zwecke zu degradieren, und so zum Objekt zu machen, ist zumindest diskussionswürdig. Vor nicht viel mehr als 100 Jahren wurden noch verschiedene Menschengruppen regelrecht gejagt. Seitdem hat sich ein ethischer Wandel hin zu Menschenrechten vollzogen. Heute sind allgemeinere Tierrechte in der Diskussion. Ihnen zufolge wäre jedenfalls die Jagd grundsätzlich ausgeschlossen, weil auch den Tieren ein Recht auf Selbstentfaltung und Leben zuerkannt wird.

Die eigentliche, persönliche Motivation zur Jagd ist allerdings die Jagdlust, der von Jägern selbst so benannte „Jagdtrieb“ oder „Tötungstrieb“ als vorgeblicher „Urtrieb des Menschen“. Es stellt sich die Frage, ob das Ausleben derartiger Gefühle tatsächlich legitim ist, oder im Rahmen unserer heutigen, aufgeklärten Gesellschaft nicht tieferer psychologischer Analysen bedarf. Die große Mehrheit der Menschen in Österreich sind keine Jäger. Während die große Mehrheit der Menschen angesichts eines Heidelbeerfeldes oder vieler Eierschwammerl im Wald begeistert zu sammeln beginnt, fühlen die allerwenigsten angesichts eines Kaninchens oder eines Rehs eine Tötungs- oder Jagdlust. Die Berufung auf steinzeitliche Notwendigkeiten können wohl kaum als Rechtfertigung für die Jagd dienen, zumal erstens dieselben Notwendigkeiten nicht mehr bestehen, und zweitens unser gesellschaftliches Zusammenleben in allen zwischenmenschlichen Bereichen heute ja vorsätzlich gerade so strukturiert ist, „steinzeitliches Verhalten“ hintan zu halten.

Ist die Jagd notwendig?

Die Konfliktbereiche der Jagd wie oben skizziert führen zwangsläufig zu einer Abwägung zwischen den Interessen der betroffenen Konfliktparteien. Als Interessen auf jagdlicher Seite werden oft der wirtschaftliche Faktor und die Befriedigung des „Jagdtriebes“ ins Treffen geführt. Ganz anders gelagert wäre allerdings die ganze Frage, wenn sich zeigen sollte, daß die Jagd in irgendeinem Sinne tatsächlich notwendig, also unumgänglich, wäre.

Niemand vertritt ernsthaft die Ansicht, dass die Jagd, wie sie heute praktiziert wird, notwendig ist, inklusive Fasanaufzucht und –freisetzung, Gatterjagd, Jagdtourismus, etc. Aber nicht nur diese Auswüchse scheinen nicht unumgänglich. So ist z.B. die Notwendigkeit der Jagd auf viele verschiedene Tierarten prinzipiell fragwürdig, wie z.B. die Jagd auf alle Vogelarten, auf Murmeltier und Dachs, aber auch auf sogenannte Raubtiere wie Marder und Fuchs. Füchse hatten nie natürliche Feinde, weshalb eine Bejagung nur dann notwendig sein könnte, wenn die heutige Kulturlandschaft ein unbeschränktes Populationswachstum begünstigen würde. Das scheint allerdings im Licht neuester wildbiologischer Forschungen der Arbeitsgruppe um Prof. David MacDonald an der Universität Oxford äußerst unwahrscheinlich.

Den Paarhufern wird nachgesagt, daß sie nicht nur den Wald schädigen (Rehe, Hirsche, Gemsen), sondern auch landwirtschaftlichen Schaden anrichten (Wildschweine) und sich ohne Bejagung unkontrolliert vermehren. Diese Frage kann aber keineswegs als geklärt gelten, sondern bedarf noch weiterer Forschung. So gibt es z.B. bis heute nur sehr wenige Feldversuche, welche die Auswirkungen eines Aussetzens der Jagd auf die Populationsdynamik von Paarhufern belegen. Eine Studie des WWF in gewissen Jagdrevieren im Nationalpark Hohe Tauern, sowie einige andere wissenschaftliche Arbeiten, scheinen eher darauf hinzudeuten, daß die Jagd, wenn überhaupt, dann zumindest in wesentlich geringerem Ausmaß notwendig ist. Solange Winterfütterung und Hege betrieben wird, und somit die Populationsdichten der Paarhufer wesentlich höher sind als das natürliche Gleichgewicht, solange ist jedenfalls auch das Potential für Schäden in der Land- und Forstwirtschaft größer.

Und selbst wenn es eine Übereinkunft gäbe, daß die Populationsdichten von Paarhufern künstlich kontrolliert werden müßten, so ist keineswegs gesagt, daß das durch die herkömmliche Jagd bewerkstelligt werden muß. Tierfreundlichere Alternativen wie Verhütungsmittel wurden in manchen Regionen außerhalb Österreichs schon erfolgreich angewandt.

 

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