Kaninchen
Das domestizierte Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus
domesticus) stammt vom europäischen Wildkaninchen ab,
das vor der letzten Eiszeit über ganz Europa und Teile
Nordafrikas verbreitet war. Zoologisch gehört das Kaninchen
zur Familie der Hasenartigen (Leporidae), bildet aber
eine andere Gattung (Oryctolagus) als der Feldhase
(Lepus). Domestiziert wurde das Wildkaninchen etwa
im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Römern. Im christlichen
Mittelalter galt Kaninchenfleisch als Fastenspeise
und fand deswegen in den Klöstern Verbreitung. Ab dem
16. Jahrhundert wurden Kaninchen auch für die Jagd
gezüchtet. Erst Ende des 19. Jahrhunderts, vor 130
Jahren, fanden Kaninchenzuchten in Österreich weitere
Verbreitung. Ein Niederösterreicher brachte 2000 Kaninchen
aus der Normandie nach Hause mit und gründete 1875
den Österreichischen Kaninchenzuchtverein. Da die Domestizierung
von Kaninchen im Vergleich zu evolutionären Zeitskalen
erst kürzlich geschah, ist davon auszugehen, dass sich
Haus- und Wildkaninchen von Verhalten und
Bedürfnissen her nicht wesentlich unterscheiden.
Kaninchen entstammen den
mediterran gemäßigten Breiten und sind daher für das
Klima und die Wetterverhältnisse
in Österreich als Nutztier nicht geeignet, im Gegensatz
zu z.B. Schaf, Rind oder Huhn. Die evolutionäre Fortpflanzungsstrategie
der Kaninchen ist, möglichst viel und oft Nachwuchs zu
gebären, aber wenig an elterlicher Fürsorge in diesen
Nachwuchs zu investieren. Entsprechend sind die Mortalitätsraten
in der Natur bei Wildkaninchen oft 95%. Die Kindersterblichkeit
ist enorm. War es zwar die hohe Reproduktionsrate, die
das Kaninchen für die Landwirtschaft interessant gemacht
hat, so muss man aber sagen, dass hohe Verlustraten beim
Nachwuchs natürlich sind. Wenn sich diese Tiere also
in einem Land mit einem Klima wie in Österreich nur durch
tierquälerische Methoden in die kommerzielle Produktion
pressen lassen, dann muss die Grundsatzfrage gestellt
werden, ob diese Vorgangsweise richtig und ethisch vertretbar
ist. Vielleicht ist das Kaninchen eine Tiergattung, die
in einem feuchten und kalten Klima wie in
Österreich einfach nicht als Nutztier geeignet ist. Entsprechend
ist die Konsequenz zu ziehen, keine großen kommerziellen
Produktionen durchzuführen, anstelle die Tiere mit tierquälerischen
Methoden wie den Käfigbatterien und hohem Medikamenteneinsatz
mit Gewalt nutzbar zu machen. Auch bei Pelzfarmen hat
sich herausgestellt, dass die Pelztiere wie Nerz und
Fuchs nicht in einer Weise kommerziell genutzt werden
können, die nicht tierquälerisch ist. Entsprechend nimmt
man in immer mehr Ländern in Europa davon Abstand, überhaupt
Pelzfarmen zu erlauben. Es spräche aus dieser Sichtweise
heraus nichts dagegen, in Österreich auch die kommerzielle
Kaninchenproduktion zu beenden.
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