Fakten
Tierheime in Österreich - gesetzliche Rahmenbedingungen
Wurde früher auch juristisch zwischen Gnadenhöfen, Tierasylen
und Tierheimen unterschieden, sind mit dem Bundestierschutzgesetz
alle diese Einrichtungen unter dem Begriff „Tierheim“
zusammengefasst worden. TSchG §4 (9) definiert:
„Tierheim: eine nicht auf Gewinn gerichtete Einrichtung,
einschließlich Tierasyl oder Gnadenhof, die die Verwahrung
herrenloser oder fremder Tiere anbietet“
Eine Einrichtung gilt also unabhängig von der Anzahl
der untergebrachten Tiere und unabhängig davon, ob darauf
abgezielt wird, die Tiere zu vermitteln oder sie bis zu
ihrem Tod zu versorgen (Gnadenhof), juristisch als Tierheim.
Einzige Bedingung ist der nicht auf Gewinn gerichtete
Betrieb.
Tierheime unterliegen grundsätzlich einer Bewilligungspflicht.
Diese ist im Wesentlichen davon abhängig, dass „mindestens
eine Person mit einschlägiger Fachausbildung ständig
bei
der Leitung des Tierheimes mitarbeitet“ und dass „die
regelmäßige veterinärmedizinische Betreuung der Tiere
sichergestellt ist“. Außerdem sind Aufzeichnungen über
die Tiere zu führen und es sind Mindestanforderungen
bei der
Tierhaltung einzuhalten, die in einer eigenen Verordnung
definiert wurden („Tierheim-Verordnung“).
Untersuchung zu Tierheimen - SCHLAGER 2003
Im Jahr 2003 führte die Diplom Tierärztin Angelika Schlager
im Rahmen ihrer augural-Dissertation eine Untersuchung
in Tierheimen durch („Erhebungen über den Status von
Tierheimen,
Tierasylen
und Gandenhöfen in Österreich“).
Verarbeitet wurden die Angaben von 134 Tierheimen, insgesamt
wurden 165 Tierheime kontaktiert.
Insgesamt waren 19.639 Tiere in den 134 Tierheimen untergebracht,
also durchschnittlich 146 Tiere pro Tierheim.
Welche Tiere sind in Tierheimen?
Überraschend ist das Ergebnis der Aufschlüsselung der
in Tierheimen untergebrachten Tiere nach Tierarten:

Exoten: Affen,
Elefanten, Strauße, Nandus, Nasenbären, Skunks, Waschbären, Raubkatzen, Zwergflugbeutler, Reptilien und Amphibien.
Andere Tiere: Greifvögel,
Störche, Tauben, Raben, Krähen, Pfaue, Graureiher, Grünfinken, Schwäne, Amseln, Igel, Rehe, Eichhörnchen, Füchse, Esel, Maultiere und Frettchen.
Ein Drittel aller Tiere in den untersuchten Tierheimen
waren Katzen (34%). Überraschend an zweiter Stelle die
hohe Zahl an „Exoten“, also im wesentlichen Reptilien
und Amphibien (21%) und an dritter Stelle die Gruppe
„Andere“,
im wesentlichen Krähen, Tauben, Greifvögel, Störche,
Igel, Frettchen, etc. (11%). Hunde stellen 11% der Tierheimtiere.
Erwartungsgemäß ist die Anzahl der großen Nutztiere,
wie Rinder, Schweine, Schafe, Pferde, Ziegen sehr gering
(3%).
Wie kommen die Tiere ins Tierheim?

54,5% der Tiere werden von den BesitzerInnen im Tierheim
abgegeben, 38,1% werden herrenlos gefunden und dann ins
Tierheim gebracht, 7,4% werden von den Besitzern als
Pensionstiere
ins Tierheim gebracht, die aber in weiterer Folge die
finanzielle Unterstützung beenden und die Tiere auch
nicht
mehr abholen.
Abgabegründe
Die von den Tierheimen am häufigsten erwähnten Abgabegründe
waren in absteigender Reihenfolge: Allergie, „Tod, Dummheit,
Überdruss“, Kostengründe, Urlaub, „Scheidung, Kinder,
Umzug“, „Tiere entsprechen nicht“.
Durchlauf: Wieviele Tiere können vermittelt werden?
In Summe wurden im Jahr 2002 von den 134 untersuchten
Tierheimen 38.402 Tiere an neue BesitzerInnen abgegeben,
sind verstorben oder wurden euthanasiert. Das ist fast
das doppelte der Bestandszahl zum Zeitpunkt der Untersuchung.
In Wien, Niederösterreich und Oberösterreich ist der jährliche Durchlauf im Durchschnitt
mit jeweils über 5000 Tieren am höchsten.
Zitat Schlager:
"Die durchschnittliche Verweildauer betrug für Katzen
etwa 3 Monate, für Hunde etwa 6 Monate. Jungtiere und
kleine Rassen finden in der Regel schneller einen Neubesitzer."
Auslastung
Die Untersuchung ergab, dass alle Tierheime voll, also
zu 100%, ausgelastet waren. Ein deutlicher Hinweis darauf,
dass der Bedarf an solchen Einrichtung nicht gedeckt
ist, bzw. dass überschüssige Tiere – insbesondere wenn
Aufnahmestopps in den Tierheimen herrschen – offenbar
auf andere Weisen „verschwinden“. Denkbar sind hier illegale
Einschläferungen durch Tierärzte, Erschießen durch Jäger,
oder wohl insbesondere bei Kleintieren das Töten durch
die Halter selbst.
Zitat Schlager:
"In der Regel werden
in allen Bundesländern mehr Tiere aufgenommen, als Plätze
vorhanden sind, ehe Hilfe
verweigert wird, Institutionen im Osten sind deutlich
überlastet. Die Bedarfsdeckung ist hier nicht gegeben."
Euthanasiegründe

Die meisten Tierheime schläfern Tiere nur wegen Krankheit
ein. Keines der Tierheime gab an, Tiere wegen Platzmangel
oder langer Aufenthaltsdauer einzuschläfern. Ein Tierheim
schläferte routinemäßig Neugeborene Katzen ein, ein anderes
Tierheim schläferte Hunde auch aufgrund psychischer
Störungen
ein. Die Hunde wurden aber vor dieser Entscheidung drei
Monate lang geführt, trainiert und beobachtet.
Routinemäßige Kastrationen

In 88,6% der Tierheime die Katzen betreuen, werden die
Katzen routinemäßig kastriert. Nur in 65,3% der Tierheime
die Hunde betreuen, werden die Hunde routinemäßig kastriert.
Zu beachten ist aber auch, dass manche Tierheime, die
Kastrationen aufgrund der erheblichen damit verbundenen
Kosten mittels Vertrag den zukünftigen
Besitzern überantworten.
Zitat Schlager:
"Die tierärztliche
Betreuung ist prinzipiell gewährleistet, doch Kastrationen
von Hunden und Katzen müssten in weit
größerem Ausmaß durchgeführt werden, um die Population
stabil zu halten."
Kosten - Tiererhaltungskosten, Tierarzt, Personal und Betriebskosten
Tiererhaltungskosten
Diese Kosten betreffen im wesentlichen die Aufbringung der Futterkosten.

Extrapoliert auf alle in der Untersuchung erfassten Tiere ergibt sich folgendes Bild:

Das entspricht Gesamtjahreskosten von 7,736 Mio Euro.
Tierarztkosten
Dr. Schlager ermittelt in ihrer Untersuchung durchschnittliche Tierarztkosten
pro Tier und Jahr von € 106,93. Auffallend dabei sind allerdings die großen Abweichungen je Tierheim. Es gab mindestens ein Tierheim das angab, dass überhaupt keine Tierarztkosten auftreten würden, die maximalen Tierarztkosten
in einem anderen Tierheim betrugen € 931 pro Tier.
Auf alle in der Untersuchung erfassten Tiere extrapoliert ergibt das Gesamtjahreskosten
von 2,1 Mio Euro
Personalkosten
Dr. Schlager konnte ermitteln, dass etwa 73,2% des Personals in Tierheimen Tierpflegeaufgaben übernimmt. Im Durchschnitt hatte jedeR PflegerIn 45,29 Tiere zu betreuen.
Auf alle in der Untersuchung erfassten Tiere extrapoliert ergibt das etwa Gesamtjahreskosten
von 13 Mio Euro.
Gesamtkostenabschätzung
In einer groben Abschätzung ergeben sich für alle in der Untersuchung erfassten Tiere auf folgende Gesamtjahreskosten:
| Gebäuderhaltungs- und Betriebskosten, ca. |
€ 2.000.000 |
| Tiererhaltungskosten |
€ 7.736.000 |
| Tierarztkosten |
€ 2.100.000 |
| Personalkosten |
€ 13.000.000 |
| Gesamt |
€ 24.836.000 |
Beurteilung der finanziellen Situation der Tierheime

Bei Interpretation dieser Zahlen muss beachtet werden,
dass 61,5% der offiziellen Tierheime, 83,3% der Tierasyle
und 82,4% der Gnadenhöfe auf Eigenmittel zurückgreifen
mussten. Das heißt, dass die BetreiberInnen nebenbei
Geld verdienen und mit diesem zusätzlich den Betrieb
des Tierheims
finanzieren.
Gerade unter jenen mit Eigenmitteln finanzierten Tierheimen
sind auch viele, die die eigene Situation als „gut“ oder
„ausreichend“
eingestuft
haben. Zitat Schlager: "Teilweise beurteilen Betreiber
ihre Situation mit gut, obwohl ihre Eigenmittel die Haupteinnahmequelle
darstellen. Bedenklich ist, dass mehr als die Hälfte
der
Tierheime und über 80% der Tierasyle und Gnadenhöfe auf
Eigenmittel, also durch persönliches Einkommen oder
Rente,
finanziert werden müssen."
Ebenfalls berücksichtigt werden muss, dass unverhältnismäßig
mehr Tiere von Institution betreut werden, die in der Untersuchung von Schlager in die Kategorie „[offizielles] Tierheim“
eingeordnet wurden. Das verdeutlicht die real noch dramatischere
chronische Geldnot von Tierheimen.
Bezogen auf die Tierzahlen ergibt sich folgendes Bild:
Wieviel Prozent der Tiere in Tierheimen sind in welcher
finanziellen Situation untergebracht?
Nur 5,9% der im Tierheim-Tiere befinden
sich in Tierheimen deren finanzielle Situation von den
BetreiberInnen als "gut" eingestuft
wurde.
Zitat Schlager:
"Die Betreiber stehen unter enormen Druck, die laufenden
Kosten aufzubringen. Die Abgabebeträge decken in den meisten
Fällen die Erhaltungskosten nicht ab, in keinem Fall sind
die Tierarztkosten gedeckt."
Abgabebeträge
Die Abgabebeträge für Hunde und Katzen variieren zwischen den einzelnen Institutionen sehr stark. Bei Hunden lag die Variation von einer gratis Abgabe bis zu € 250 pro abgegebenem Hund. Durchschnittlich waren es für einen Hund € 51,97.
Bei Katzen lag die Variation zwischen € 0 und € 110. Durchschnittlich waren es für eine Katze € 17,53.
Auftretende Problematiken

Die TierheimbetreiberInnen wurden nach dem jeweils von ihnen
am größten empfundenen Problem gefragt. 46,3% gaben die
schlechte finanzielle Situation als größtes Problem
an, 27,6% gaben organisatorische Probleme, wie Personalmangel
und das finden eines Nachfolgers als größtes Problem
an
und 14,2% nannten die Probleme mit Nachbarn und Behörden
als dringlichstes Problem.
Streuner
Die Anzahl verwilderter Katzen werden in der Arbeit von
Schlager in Österreich auf mindestens 300.000 geschätzt.
Markt ums Heimtier - KMU Forschung Austria 2004
Heimtierpopulation
In einer Pressemitteilung
des "Allgemeinen Gremiums des Handels der Wirtschaftskammer Wien" von 2004 (http://www.kmuforschung.ac.at/de/Presse/2004/Zoofachhandel.pdf), präsentierte diese Zahlen zur Heimtierpopulation.

Zitat KMU Forschung Austria: "Neben den insgesamt mehr als 1,3 Mio Katzen gibt es in Österreich mehr als 525.000 Hunde, 480.000 Kleinsäuger (z.B. Meerschweinchen, Kaninchen etc.) und 300.000 Ziervögel. Über 146.000 Aquarien und etwa 108.000 Reptilien vervollständigen die heimische Heimtierpopulation."
Nettoumsatz tieraffiner Produkte
Zitat KMU Forschung Austria:
"Im Jahr 2003 belief sich die Nachfrage nach tieraffinen Produkten und Heimtieren im Einzelhandel (nicht berücksichtigt sind hierbei Umsätze z.B. von ZüchterInnen, TiermedizinerInnen, Hundeschulen, die Hundesteuer, etc.) auf rd. € 408
Mio (Nettoumsatz)."
Faktor
Hund - KOTRSCHAL, BROMUNDT, FÖGER 2004
Hundebestand
Im Buch "Faktor Hund - Eine sozio-ökonomische Bestandsaufnahme der Hundehaltung in Österreich", Czernin Verlag 2004, sprechen die AutorInnen von 589.000 Hunden in Österreich. Am stärksten trägt dabei das Land Niederösterreich
mit 170.000 Hunden zur Gesamtanzahl bei.
Die Abschätzung der tatsächlichen Hundezahl sei allerdings sehr schwierig, da es eine große Zahl an nicht gemeldeten Hunden gäbe. Für Wien gelte beispielsweise, dass eine Umfrage des IEMT im Jahr 2003 ergeben
habe, dass insgesamt 140.000 Hunde in der Hauptstadt
leben. Für die Ermittlung der Hundezahl gingen die AutorInnen allerdings von 86.000 Hunden
in Wien aus, wobei sie sich bei dieser Zahl auf eine
Schätzung des Veterinäramt Wien berufen.
Die Gesamt-Einnahmen aus der Hundesteuer werden von den AutorInnen mit € 15,906 Mio geschätzt. Die durchschnittliche Höhe der Hundesteuer sei in den einzelnen Bundesländern extrem unterschiedlich, von € 16,93 für den ersten Hund in Kärnten bis zu € 110,18 für den dritten Hund in Tirol.
Umsatz bei Hundeernährung
Zitat "Faktor Hund":
"Der Umsatz an vorgefertigter Hundenahrung erreichte im Jahr 2003 ca. 250 Mio Euro"
Tierheime
Zitat "Faktor Hund"
"In Österreich gibt es rund 100 Tierschutzhäuser, -einrichtungen und -vereine, deren kostenintensivste Sparte die Betreuung und Haltung von Hunden ist. Geschätzte 10.000 Hunde durchlaufen pro Jahr die Betreuung durch ein Tierschutzhaus. "
Verbrauchsausgaben 04/05 - Statistik Austria 2006
Haushaltsausgaben für Heimtiere
Laut der Konsumerhebung 2004/05 der Statistik Austria weisen etwa 1,246 Mio österreichischer
Haushalte Ausgaben für Heimtiere auf. Im Durchschnitt
werden € 40,70 pro Haushalt pro Monat für Heimtiere ausgegeben, wobei die Tiernahrung mit €
31,50 den größten Teil davon ausmacht. Nicht in diese Ausgaben einbezogen sind Aufwendungen für Dienstleistungen (Tierarztbesuch,
Hundeausbildung, etc.) für Heimtiere.
Hochgerechnet geben die ÖsterreicherInnen (exkl. Dienstleistungen für Heimtiere,
aber inkl. der Anschaffung von Heimtieren) im Jahr etwa
610 Mio Euro für Heimtiere aus.
|