Fragen und Antworten
"Bedeutet ein Ende der Tierversuche
nicht auch ein Ende des wissenschaftlichen /medizinischen
Fortschritts?"
Die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung ist unbestritten,
das heißt aber noch lange nicht, dass dafür
Tierversuche notwendig wären. Dass ein Voranschreiten
der Wissenschaft keinesfalls mit Tierversuchen gekoppelt
ist, zeigt ganz deutlich die Vergangenheit.
Zum Beispiel hat der Begründer der klassischen
Medizin (Hippokrates, 460 – 375 v. Chr.) nie Tierversuche
durchgeführt. Und gerade er war es, der die ärztliche
Kunst auf eine auch für heutige Verhältnisse
unvergleichlich hohe Basis erhob. Er erlangte beträchtliche
Kenntnisse über medizinische Probleme wie Epidemien,
Fieber, Epilepsie, Knochenbrüche, Tumoren und viele
andere Bereiche – ohne jemals ein Experiment an
einem Tier durchgeführt zu haben. Auch der ungeheure
Aufschwung der Chirurgie in der 2. Hälfte des 19.
Jhd. hatte mit Tierversuchen nichts zu tun, sondern beruhte
v.a. auf verstärkter Hygiene und dem Einsatz von
Lachgas, Morphium, Äther und Chloroform als Betäubungsmittel.
Ein weiteres wichtiges Dokument gegen die Notwendigkeit
von Tierversuche ist zweifellos der Anstieg der Lebenserwartung
in den letzten hundert Jahren. Dafür waren nämlich
in erster Linie verbesserte Hygiene und Ernährungsbedingungen
ausschlaggebend. U. a. epidemiologische Erkenntnisse trieben
diese Veränderungen voran, Tierversuche spielten
auch hier keine Rolle.
Auch heute existieren eine Vielzahl von Forschungsmethoden,
für die kein Lebewesen zu Schaden kommt. Neben dem
Forschungszweig der Epidemiologie stehen dem /der WissenschafterIn
heute eine Vielzahl an alternativen Forschungsmethoden
(Forschung an schmerzfreier Materie) zur Verfügung.
Und man kann mit Sicherheit behaupten, dass die Möglichkeiten
der Alternativforschung noch längst nicht ausgeschöpft
sind.
"Für manche Bereiche gibt
es eben keine Alternativmethoden"
Sofern wirklich Zeit und Geld investiert worden ist,
eine Alternativmethode zu einem Tierversuch zu finden,
ist die Wissenschaft bislang so gut wie immer fündig
geworden. Dass es (noch) keine Alternativmethoden für
bestimmte Bereiche gibt, liegt in den meisten Fällen
nicht daran, dass es keine gibt, sondern, dass nicht nach
ihnen gesucht wurde oder wird.
Beispielsweise wurde vor einigen Jahren von Wissenschaftsseite
noch versichert, dass der berühmt berüchtigte
LD-50 Test schlicht und einfach nicht zu ersetzen sei.
Heute ist dieser Test, weil längst nicht mehr notwendig
und voll ersetzt, bereits verboten.
Eine weitere Schwierigkeit für den Einzug von Alternativmethoden
in die Wissenschaft, ist der Prozess der Validierung (erst
damit ist eine Methode wissenschaftlich anerkannt und
gesetzlich vorgeschrieben). Denn jede Ersatzmethode muss
direkt mit dem Tierversuch verglichen werden. Dabei muss
die „neue“ Methode nicht nur genauso gut sein,
sie muss besser sein. Obwohl das in vielen Fällen
ohnehin gegeben wäre, ist das nur sehr schwer nachweisbar.
Denn der Tierversuch als experimentelle Methode ist ganz
entgegen den Anforderungen der naturwissenschaftlichen
Forschung nur sehr schlecht reproduzierbar, und damit
nur sehr schwer vergleichbar.
Aber: Im Endeffekt ist alles nur eine Frage der Motivation.
Will man eine schmerzfreie Methode etablieren, wird das
auch gelingen. In vielen Wissenschaftskreisen wird jedoch
(noch) nicht genügend Anlass dafür gesehen,
die Quälerei an den Tieren zu beenden.
"Der Test am Gesamtorganismus
ist letztlich eben doch notwendig und kann nun einmal
nicht durch einen in vitro Test ersetz werden!"
Nun – vielleicht nicht durch einen einzigen in
vitro Test. Aber es ist möglich verschiedene in vitro
Tests miteinander zu kombinieren! Weiters lassen sich
die Ergebnisse mittels Computerprogrammen auf den Gesamtorganismus
hochrechnen. Das hat sogar einen weitaus entscheidenden
Vorteil, nämlich die Zusatzkomponenten, die bei einem
Gesamtorganismus immer, aber eben immer anders, vorhanden
sind (wie psychische Verfassung, Alter, Ernährungszustand
etc. und deren verschiedensten Wechselwirkungen untereinander)
auszuschalten.
Natürlich gibt es eben all diese Zusatzkomponenten
auch beim kranken Menschen, der ja dann von den Versuchen
profitieren soll, allerdings sind diese weder mit einem
anderen Menschen noch mit dem Tier einer anderen Art zu
vergleichen (hier finden wir uns bei einem Hauptkritikpunkt
an Tierversuchen).
So ist es auf jeden Fall besser sämtliche unkontrollierbaren
Einflussfaktoren auszuschalten (in vitro möglich,
im Tierversuch niemals) als noch weitere zusätzlich
mit einzubauen (im Tierversuch immer der Fall)
"Mir ist schon lieber wenn ein
Medikament zuerst an einem Tier ausprobiert hat bevor
es meinE krankeR Schwester/Mutter/Bruder/Vater etc. einnimmt"
Dass wir uns zwischen einem nahe stehenden Menschen
und einem völlig anonymen Tier entscheiden müssten,
wird uns von der Tierversuchsindustrie (die viel Geld
mit Tierversuchen verdienen) vorgegaukelt. Doch um diese
Frag geht es eigentlich überhaupt nicht. Denn dann
müssten wir uns auch entscheiden, zwischen Lebewesen
(Familie, Hunde, Katzen etc…) die uns sehr nahe
stehen und zu denen wir eine persönliche Beziehung
haben und völlig fremden Menschen. Es kann hier eben
nicht um persönliche Emotionen gehen, sondern um
allgemein gültige ethische Richtlinien.
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