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Hintergrundwissen Tierzirkus

Zahlen und Fakten

Seit mehr als 100 Jahren werden Wildtiere als exotische Freaks in Zirkussen zur Belustigung der zahlenden BesucherInnen gehalten. Diese offensichtlich anachronistische Ansicht von Wildtieren als „Aufreger“ im Zirkus führt zwangsläufig dazu, dass die Tiere extrem leiden.

Ein Zirkus hat niemals genug Platz, um einem großen Wildtier genügend interessanten Lebensraum zu bieten. Dazu kommt, dass der Zirkus laufend von einem Ort zum anderen wechselt und die Tiere somit einem lebenslangen Tiertransport unterliegen.

Viele der Wildtiere im Zirkus sind Wildfänge. Der freien Wildbahn entrissen, dienen sie jetzt armselig als Belustigung der Öffentlichkeit.

Große Wildtiere werden mit Gewalt dressiert. Sie müssen auf Abruf oder auf ein maschinelles Signal hin ein gewisses Kunststück zeigen. Die Folge ist, dass die Zirkustiere bei Gelegenheit ihre Peiniger – oder auch unbedarfte ZirkusbesucherInnen – angreifen und töten.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Seit 1. Jänner 2005 sind in Österreich alle Wildtiere im Zirkus verboten. Österreich nahm damit innerhalb der Europäischen Union eine Vorreiterrolle ein. Seither sind viele Länder nachgezogen: Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Kroatien, Malta, Niederlande, Norwegen, Schottland, Serbien, Slowenien und Zypern. In vielen weiteren EU-Ländern gibt es zumindest Einschränkungen und Verbote bestimmter Tierarten.

Für Haustiere oder Heimtiere, die in Zirkussen mitgeführt werden, gelten in Österreich seit 1. Jänner 2006 dieselben Haltungsbedingungen wie in anderen Bereichen, d.h. für Nutztiere die Landwirtschaft und für Heimtiere die Privathaltung zu Hause. Zusätzlich wurde die Anwendung von Ausbildungs- und Dressurmitteln, die dem Tier Schmerzen oder Schäden zufügen, oder es in Angst versetzen, verboten.

Geschichte des Tierzirkus

Der Zirkus hat seinen Ursprung in den Jahrmärkten des 17. Jahrhunderts, in denen Gaukler, Seiltänzer, Feuerspucker und Jongleure zu sehen waren, aber auch Abnormitätenkabinette mit sogenannten „Sonderlingen der Natur“. Das waren in Wirklichkeit körperlich missgebildete Menschen und exotische Tiere. Ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die reinen Zur-Schau-Stellungen der „Sonderlinge“ zu langweilig, und der Mensch stieg als „Bezwinger der ungebändigten Natur“ zu den Tieren in den Käfig. Dabei wurden die Tiere absichtlich durch Lärm und Peitschenknallen provoziert, damit sie möglichst wild und gefährlich wirkten. Im Rahmen der Vorführung wurden die „wilden Tiere“ dann unterworfen: sie mussten dem Meister die Schuhe lecken oder sich vor ihm niederducken.

Ab dem 20. Jahrhundert konnte der künstlich dargestellte Kampf zwischen Mensch und Wildtier im Zirkus niemanden mehr beeindrucken. So ging man dazu über, das Wildtier als domestiziert und vermenschlicht zu präsentieren. Die Wildtiere werden als Menschen verkleidet, verniedlicht, müssen tanzen und singen, Musikinstrumente spielen oder Wasserschi fahren, und werden generell zur Lachnummer. Das vormals respekteinflößende Wildtier wird zum Clown degradiert. Niemand fürchtet sich mehr, alle lachen.

Bis heute ist das die Darstellungsform von Wildtieren im Zirkus. Aber seitdem sich der Tierschutzgedanke ausbreitet, der Respekt vor dem Tier fordert, und der das Tier in seinem natürlichen Lebensraum erhalten will, und nicht in fahrenden Wanderzirkussen als Sonderlinge der Natur oder lächerliche Clowns, nehmen Zirkusse zunehmend Abstand von der Wildtierhaltung. Die Vorreiterrolle übernahm der ehemalige Österreichische Nationalzirkus Elfi Althoff-Jacobi im Jahr 1996 und erhielt dafür die „Umweltlorbeer“ verliehen. Die meisten Zirkusse zogen nach. Nur wenige Ausnahmen, wie der Österreichische Nationalzirkus Louis Knie sowie der Zirkus Belly-Wien, bestanden bis zuletzt auf der Ausstellung exotischer Wildtiere und reagierten äußerst aggressiv und gewalttätig auf die Kampagne des VGT.

Herkunft und Dressur der Wildtiere im Zirkus

Die Herkunft der meisten Wildtiere im Zirkus ist schwer nachzuvollziehen. Bevor strenge Artenschutzbestimmungen erlassen wurden, gab es einen regen, unkontrollierten Tierhandel. Viele der Opfer dieses Handels sind noch immer in Zirkussen im Umlauf. Oft sind es Großwildjäger, die die Tierkinder, deren Eltern bei der Großwildjagd getötet worden sind, am Markt anbieten. Manche Zirkustiere stammen aus Zoos, die gerne Tierkinder produzieren, um Zuschauer anzulocken, diese Kinder aber als Jugendliche möglichst rasch loswerden wollen, um für die nächsten Kinder Platz zu machen. Heute müssen allerdings Zirkus- und Zootiere in ihren CITES Papieren verschiedene Deklarationen haben und können daher nicht einfach „umgewidmet“ werden.

Die Jungtiere kommen in sogenannte Dressurfarmen. Zunächst wird den Wildtieren der eigene Wille durch ständige Schläge und extrem enges Anketten gebrochen. Wenn sie dann die uneingeschränkte Macht der Menschen über sich anerkannt haben, beginnt die Dressur. Den Tieren werden mit verschiedenen Gewaltmitteln „Kunststücke“ aufgezwungen. Die Dressur muss möglichst rasch gehen und von einem dem Tier unbekannten Menschen wieder abrufbar sein. Deshalb ist das Mittel zur Dressur immer Gewalt: Schläge, Elektroschocks, Aufziehen am Kran, Niederfesseln… Bären werden auf heiße Platten gestellt, um ihnen das Tanzen beizubringen. Elefanten werden geschlagen bis sie sich wie gewünscht bewegen oder an den Beinen an Kränen hochgezogen, um ihnen Kopfstand, Handstand oder „Männchen machen“ einzubläuen. Die Firma Nuova Electronica berichtet von speziellen Elektroschock-Geräten, die sie für die Zirkustierdressur entwickelt hat. Peitsche und Elefantenstock fehlen in keiner Dressurnummer. Zur Dressur von Elefanten gibt es auch Ohrenschlingen, die sich unter Zug zusammenziehen und eine Metallspitze in das Fleisch hinter den Ohren bohren.

Der Zirkus kauft das Tier samt „Kunststücken“ von der Dressurfarm. Manchmal werden die Zirkustiere auch zusammen mit dem Dompteur für eine Saison von Zirkussen angemietet. Die sogenannten Trainingseinheiten, die manche Zirkusse als Beweis ihrer „sanften Dressur“ vorzeigen, sind nichts als Wiederholungen.

Haltung der Tiere

„Wildtiere können im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden“ ist die Schlussfolgerung einer wissenschaftlichen Studie im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft aus dem Jahr 1996. Das beruht in erster Linie auf dem Umstand, dass Wanderzirkusse unter Platzmangel leiden. Eine Studie ergab, dass Löwen durchschnittlich 90% ihres Lebens im Transportwagen verbringen und Elefanten an 300 Tagen im Jahr ganztägig angekettet sind und keinen Auslauf haben. Die hochintelligenten Tiere werden durch den Mangel an intellektueller Stimulation, Sozialkontakt und Bewegungsmöglichkeit geistig schwer gestört. Alle Zirkustiere zeigen monotones Kopfwackeln oder ähnliche Stereotypen. Beim lebenslangen Tiertransport von Aufführungsort zu Aufführungsort verbringen die Wildtiere die meiste Zeit in engen Transportfahrzeugen bzw. -behältern oder leiden bei der Verladung unter Stress. Die Zirkuswelt ist hektisch, dauernd in Bewegung. Am meisten leiden die Tiere darunter.

Auch die Kunststücke selbst sind Tierquälerei. Es ist ein unzumutbarer Stress für Hyänen, mit ihren Fressfeinden, den Löwen, gleichzeitig in der Manege auftreten zu müssen. Wenn Tiger durch brennende Reifen springen, dann machen sie das nur, weil sie noch viel größere Angst vor ihrer Bestrafung durch Peitschenhiebe und Elektroschocks haben. Das Gewicht von Elefanten ist so groß, dass es nicht allein von den Vorder- oder Hinterbeinen getragen werden kann. Trotzdem werden Elefanten zu Kopf- und Handständen gezwungen und zerstören sich dadurch ihre Gelenke und Füße.

Dazu kommt, dass Elefanten es nicht gewohnt sind, unterdrückt zu werden. Die intelligenten Tiere leben in einem starken Sozialgefüge und sind zu komplexer Kommunikation fähig. Sie leben in lose zusammenhängenden Gruppen, die von einer Matriarchin organisiert werden. Diese regiert die Gruppe nicht, sondern führt sie vor allem in Notsituationen wie Naturkatastrophen, Dürreperioden oder bei Geburten. Daher ist das Leben unter einem sie dauernd dominierenden Individuum, wie im Zirkus dem Dompteur, völlig fremd und unerträglich.

Tiere, die eine Abneigung haben, in die Manege zu gehen, sich nicht daran gewöhnen können oder keinen Beifall bekommen, werden laut Verhaltensforscherin Kiley-Worthington einfach getötet.

Unfälle mit Zirkustieren

Wenn große, starke und potentiell gefährliche Wildtiere nicht schlecht gehalten und misshandelt werden, passieren regelmäßig Unfälle. Seit 1998 wurden in Österreich vier Menschen von Zirkustieren verletzt. Einmal trampelte ein Kamel auf einen kleinen Buben, zweimal biss ein Affe Kinder und einmal hob ein Elefant einen Besucher über die Absperrung und zerdrückte ihm den Brustkorb. Der Mann wurde dabei lebensgefährlich verletzt.

Aus der Zeit zwischen 1970 und 1997 sind insgesamt 32 Fälle bekannt, bei denen in Österreich Menschen durch Zirkustiere verletzt wurden. Beim schwersten Fall wurde im Juni 1984 in Bad Gastein der Wärter eines Elefanten des Zirkus Knie während einer Probeaufführung getötet.

Weltweit wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 50 Unfälle mit Elefanten und 32 Unfälle mit Großkatzen bekannt, die zusammen in 18 Fällen mit dem Tod eines Menschen geendet haben. Zumeist waren die Angegriffenen die Trainer der Tiere.