PUBLIKATIONEN INFOMATERIAL
Druckversion
GENTECHNIK

Gentechnik: eine Wissenschaft im ethischen Vakuum

Kaum eine Disziplin hat die biomedizinsche Forschung der letzten Jahrzehnte mehr beeinflusst als die moderne Molekularbiologie im Allgemeinen und die Gentechnik im Besonderen. Prinzipiell versteht mensch unter dem Begriff Gentechnik die absichtliche, künstliche Veränderung des Erbgutes (Gene) eines Lebewesens. Die Gene bzw. der Genotyp, der bei der Zeugung eines Lebewesens festgelegt wird, bestimmt im Wesentlichen alles was den Phänotyp eines Tieres ausmacht. Er bestimmt die Veranlagung unserer äußeren Erscheinung und nicht zuletzt auch unser Verhaltensrepertoire in seinen Grundzügen. Unter natürlichen Bedingungen entsteht die Zusammensetzung des Erbgutes durch die rein zufällige Vermischung der Gene der beiden Elternteile und ist damit verantwortlich für die unendlich große Variabilität des Lebens.

Mittels Genmanipulation ist es dem Menschen gelungen in dieses Spiel des Lebens einzugreifen. Der bis vor kurzem noch faszinierenden Zufallsvariabilität soll ein Riegel vorgeschoben werden. Welche Lebewesen auf die Welt kommen, soll „dank“ der zukunftsweisenden Wissenschaft Gentechnik in zunehmendem Maß vorhersagbar und steuerbar werden. Massenvervielfältigungsprogramme und Baukastensysteme mit End“produkt“ maßgeschneidertes Lebewesen sind Schlagworte der Zukunft. Im Mittelpunkt dieses Horrorszenarios stehen die Tiere. Als Messinstrumente, Ersatzteillager und Wegwerfobjekte sind die sogenannten transgenen Tiermodelle menschlicher Empfindungslosigkeit hilflos ausgeliefert.

Während die Versuchstierzahlen in vielen europäischen Staaten in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken sind, ist der Anteil transgener Labortiere im selben Zeitraum explosionsartig angestiegen.

IN WELCHEN BEREICHEN WIRD AN TRANSGENEN TIEREN GEFORSCHT:

Hauptziele sind Tiere als Krankheitsmodelle für den Menschen zu züchten, weiters Tiere zu Pharmaproduzenten und noch effektiveren Fleisch- Milch- oder Eierlieferanten zu machen.

1. Grundlagenforschung:

Hierbei geht es in erster Linie darum, Erkenntnisse über die Funktion und Wirkungsweise einzelner Gene zu erlangen. Dazu werden häufig Knockout Tiere verwendet. Man schaltet einzelne Gene aus, verhindert damit die Produktion bestimmter Proteine und beobachtet anschließend die Konsequenzen. Hier gibt es einen sehr starken Zusammenhang zur medizinischen Forschung. Über den Weg der Grundlagenforschung wurden beispielsweise Tiere produziert, die eine extrem niedrige Schmerzschwelle, also sehr starkes Schmerzempfinden, haben. An diesen Tieren wurden dann Schmerzmittel getestet. Auch unter die Kategorie Grundlagenforschung fällt es zum Beispiel Affen das Gen einer Qualle einzusetzen, das die Produktion eines unter UV – Licht grün fluoreszierenden Eiweißes bewirken sollte. Ziel dieser Art von Forschung war es auszutesten, ob man Affen grundsätzlich genmanipulieren kann.
Bei diesem Versuch wurden von insgesamt 224 manipulierten Eizellen 40 in weibliche Affen verpflanzt. 3 lebende Affen kamen zur Welt – und ein einziger trug das entsprechende gewünschte Gen. Aber auch bei ihm - ANDi (rückwärts: inserted DNA) – funktioniert das Gen nicht, da die Information nicht in das Protein übersetzt wird, d.h. das entsprechende Protein nicht produziert wird.

2. Medizinische Forschung

Die tierexperimentelle medizinische Forschung versucht über den Weg der Genmanipulation bei Tieren (menschliche) Krankheiten hervorzurufen, die sie normalerweise gar nicht bekämen. Ziel ist es, die Prozesse dieser Krankheiten auf genetischer Ebene analysieren und Therapien zu entwickeln zu können. Bei solchen Tieren, die menschliche Krankheitsbilder aufweisen, spricht man dann von Tier- oder Krankheitsmodellen. Nach Schätzungen wurden inzwischen über 10.000 transgene Tiere entwickelt, unter anderem Alzheimer-, Krebs-, Diabetes-, Aids- und Parkinsonmäuse, Rheumaratten oder Kaninchen als Modelle für Arterienverkalkung. Hauptopfer sind Mäuse, aber auch Ratten und Kaninchen werden zu derartigen Versuchen herangezogen. Die Tiere werden in großen Mengen von gewerblichen Zuchtfirmen gezüchtet und auf Bestellung an Forschungsinstitute verkauft. Bekannt hierfür sind vor allem die unternehmen Taconic Farms oder Charles River Laboratories.

3. Xenotransplantation

Der Bedarf an transplantierbaren Organen ist sehr hoch, das Angebot dagegen extrem gering. Um diesen Bedarf an Ersatzorganen zu decken, sollen Organe von Tieren verwendet werden. Da es sich hierbei also um die Transplantation artfremder Organe handelt, spricht man von Xenotransplantation (Xeno=Fremd). Logischerweise besteht bei artfremden Organen eine noch wesentlich höhere Gefahr der Abstoßung, wie sie ohnehin schon von Mensch zu mensch besteht. Um diese noch höhere Gefahr nun also zu minimieren, versucht man Schweine mit menschlichen Genen auszustatten.

4. Gene Pharming

Darunter versteht man Verfahren, mit denen menschliche oder andere wirtschaftlich interessante Eiweiße im tierischen Organismus produziert werden. Z.B. sollen Kühe, Schafe, Ziegen und sogar Kaninchen in ihrer Milchdrüse therapeutisch oder industriell nutzbare Eiweiße erzeugen und mit der Milch ausscheiden. Noch ist kein derartiges Medikament auf dem Markt, immerhin aber schon in klinischer Erprobung, D.h. die Substanz ist bereits entwickelt und wird bereits am Menschen getestet. Ob von Substanzen, die von Gene Pharming ausgehen, Gefahren für den Menschen ausgehen, ist bislang noch nicht geklärt.

5. Landwirtschaft

Hier stehen vor allem 3 Ziele im Vordergrund:

5.1 Steigerung der Leistung

Hier geht es kurz gesagt darum Nutztiere zu produzieren, die schneller und/oder stärker wachsen und damit noch effizienter Milch oder Fleisch produzieren. Die Versuche solche Tiere zu erzeugen, verliefen bislang wenig erfolgreich. Die Tiere wurden zwar größer, in erster Linie aber wesentlich kränker als ihre zumindest noch etwas ursprünglicheren ArtgenossInnen. Sie litten z.B. an Gelenksentzündungen, Haut-, Herz-, oder Nierenerkrankungen. Die Wachstumsgene hatten also massive Störungen im gesamten Stoffwechsel zur Folge.

5.2 Resistenz gegen Krankheiten

Um den wirtschaftlichen Nachteil der eventuellen Krankheitsanfälligkeit (durch Überzüchtung) von Nutztieren entgegenzuwirken, wird versucht die betroffenen Tiere mittels Genmanipulation resistenter gegen häufig vorkommende Krankheiten zu machen. Häufig vorkommende Krankheiten von Nutztieren sind in den meisten Fällen haltungsbedingt, d.h. die Tiere sollen an Haltungsformen der Intensivlandwirtschaft angepasst werden. Maximale Tierausbeutung soll möglich gemacht werden. Bisher ist dies noch nicht gelungen.

5.3 Änderungen der Produkteigenschaften

Milchproduktion soll noch effektiver werden, indem die Milch z.B. mehr Eiweiß enthält (ergibt eine höhere Käseausbeute) oder weniger Milchzucker. Ein geringerer Milchzuckergehalt bedeutet, dass die Milch auch von denjenigen Menschen vertragen wird, die an Laktoseintoleranz leiden. Dies wird versucht über eine Änderung des Erbgutes der Milchkühe zu erreichen. Oder es soll „vermenschlichte“ Milch produziert werden, um damit die Bedürfnisse menschlicher Kinder, die keine menschliche Muttermilch bekommen, stillen zu können. Die Milchproduktpalette soll auch aus dem Grund erhöht werden, da die konventionelle Tierhaltung es bereits geschafft hat, Milch in einem Ausmaß zu produzieren, das den Bedarf bei weitem übersteigt. Gibt es also Milch in Zukunft auch für Personengruppen, die bisher keine Kuhmilch konsumierten (Säuglinge, Menschen mit Laktoseunverträglichkeit) wird auch insgesamt wesentlich mehr verkauft.

 

WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE BETROFFENEN TIERE?

Tierversuche im Bereich der Gentechnik sind mit unglaublichem Tierleid verbunden. Der Eingriff in das Erbgut der Tiere bedeutet durch die dadurch entstehenden abnormen Körperveränderungen meist extreme Schmerzen, Leiden und Schäden für die betroffenen Individuen. Oft sind schrecklich verkrüppelte Tiere, wie übergroße Embryos, Tiere mit Gehirn-, Augen oder Ohrenschäden, fehlenden Gliedmaßen oder missgebildeten inneren Organen das Resultat. Auf welche Weise sich die Genmanipulation bei den jeweils betroffenen Tieren auswirkt ist in den meisten Fällen überhaupt nicht vorhersehbar. Im Grossteil der Fälle entspricht das Resultat jedenfalls nicht den Wunschvorstellungen des Wissenschafters oder der Wissenschafterin. Die Erfolgsrate beträgt gerade einmal zwischen 1 und 10%. Die anderen 90-99% der Tiere weisen andere zum Teil folgenschwerste Veränderungen auf, enden entweder als Fehl- oder Missgeburten, oft mit völlig entstellten Körpern und werden - sofern sie den Geburtstermin überhaupt erleben - als Abfall entsorgt. Bei der Xenotransplantation kommen die massiven Abstoßungsreaktionen nach einer chirurgischen Übertragung von Organen dazu, an denen Tiere qualvoll sterben.

Immens hoher Tierverbrauch

Nicht nur Föten und Embryos, auch Elterntiere, Ammentiere, Tiere, die sich nicht wunschgemäß produzieren ließen, zählen zu den unzähligen Opfern dieser Wissenschaft. Die Anzahl von „Waste Animals“, die nicht brauchbaren Neben“produkte“ der Gentechnik, ist irrsinnig hoch.

Bsp: Für die Erstellung EINER EINZIGEN transgenen Maus werden durchschnittlich 10-30 Eizellenspenderinnen, 10-30 Ammen und 2-10 vasektomierte Männchen benötigt. Die Erfolgsrate bei der Erstellung transgener Tiere ist äußerst gering. Sie liegt im Durchschnitt für Mäuse bei 2%, bei landwirtschaftlichen Nutztieren bei weniger als 1%. DIE Tiere, die dann die „gewünschten“ Gene in sich tragen, leiden oft ein Leben lang, wie lang dieses auch sein mag, unter schwersten Erkrankungen (was ja so sein soll – man denke nur an Krebsmäuse, die dazu geboren werden um Tumore zu bekommen).

Lebenslang, sterile Haltung

Transgene Tiere müssen lebenslang streng steril, pathogenfrei gehalten werden einerseits wegen ihres eigenen schlechten Gesundheitszustandes (Immunsystem), andererseits gehen von ihnen Gefahren aus, vor denen andere Tiere, einschließlich der Menschen und die Umwelt geschützt werden sollen.

Spezielle hygienische Maßnahmen nach Transporten

Jedes wissenschaftliche Institut hat seine ganz speziellen Hygienevorschriften. Jeder Transport transgener Tiere von einem Labor in ein anderes erfordert daher strenge hygienische Maßnahmen, sogenannte Sanierungen, die im Endeffekt den Tod der transportierten Tiere bedeuten. In den meisten Fällen werden schwangere Tiere transportiert, die Mütter getötet, die Embryonen entnommen und einem anderen „sauberen“, den Hygienemaßnahmen des betreffenden Labors entsprechenden Weibchen eingesetzt

Schäden bei nachfolgenden Generationen

Auch wenn bei einem transgenen Tiere keine unerwünschten Schäden oder Verkrüppelungen auftreten (es gibt ja durchaus erwünschte dieser Art!) ist damit immer noch bei nachfolgenden Generationen zu rechnen.

Alles in allem ist der Verbrauch an Tieren für die Gentechnik, neben dem was es für das individuelle Tier bedeutet als Krankheitsmodell oder Pharmalieferant geboren zu sein, kaum vorstellbar, wobei einiges wofür Tiere sterben, in diesem Bereich gar nicht erst unter den Begriff Tierversuch fällt, d.h. auch gar nicht in die Tierversuchsstatistik einfließt.
Bsp. Eizellenspenderinnen: Sie bekommen Hormoninjektionen, damit sie übernatürlich viele Eier produzieren. Wenn sie schwanger sind, werden sie getötet um ihnen die Embryonen zu entnehmen. Das gilt NICHT als Tierversuch. Pro transgener Maus handelt es sich um 10-30 solcher Tiere, sie scheinen nirgends auf!
…und das ist nur ein Beispiel!

 

© 1996-2010 Verein Gegen Tierfabriken - Impressum - Haftungsausschluss - log in

Druckversion  Seitenanfang