Transgene Nutztiere
Als es 1980 gelang, das Erbgut eines Säugers – einer
Maus – gentechnisch zu verändern, begannen TierzüchterInnen
die Gentechnik an Nutztieren zu erproben. Innerhalb weniger
Jahre nach besagter Maus folgten die ersten Berichte über
transgene Schafe, Schweine, Kühe, Hühner und Ziegen.
Die Rede war von gesteigerten Leistungen, besserem Fleisch,
weniger Krankheiten, billigeren Medikamenten und in größerer
Menge verfügbarer Organe. Seitdem mensch begonnen hat,
auch bei den sogenannten „Nutztieren“ in „gentechnischen“
Größen zu denken, ist viel passiert. Wenn auch noch
längst nicht an der Erfüllung der Erwartungen angelangt,
die Ziele sind dieselben geblieben. Hier ein kurzer Überblick
über den Forschungsbereich „TRANSGENE NUTZTIERE“.
| Verwendete Tiere |
Einsatz |
| Kühe |
Gene Pharming, Fleischproduktion, Milchproduktion, Krankheitsresistenz |
| Schafe |
Gene Pharming, Fleischproduktion, Wollproduktion, Krankheitsresistenz |
| Schweine |
Wachstum, Fleischproduktion, Xenotransplantation, Milchproduktion,
Krankheitsresistenz |
| Ziegen |
Gene Pharming |
| Kaninchen |
Gene Pharming |
| Hühner |
Gene Pharming, Krankheitsresistenz, Fleischproduktion |
WOZU TRANSGENE NUTZTIERE?
- um die Vielfalt der Zuchtprodukte (betrifft v.a. die Milch
der Tiere) zu erhöhen
- um deren Qualität (betrifft v.a. Milchprodukte und
Fleisch) zu steigern
- den Zuchtaufwand zu minimieren (betrifft so gut wie alle
Zuchtprodukte)
Insgesamt ist das Ziel der transgenen Nutztierforschung, die
Erträge, die mensch aus der Nutztierhaltung gewinnen kann,
zu maximieren. Sie geht dabei eigentlich in dieselbe Richtung
wie schon die konventionelle Tierhaltung, versucht dabei durch
diese entstandene Probleme zu verringern (die erhöhte Krankheitsanfälligkeit
der Tiere durch Überzüchtung mittels Genmanipulation
wieder auszugleichen) bzw. best. Bereiche (wie Wachstumsgeschwindigkeit)
noch weiter voranzutreiben.
WELCHE EIGENSCHAFTEN DER TIERE VERSUCHT DER MENSCH ZU VERÄNDERN?
1. Wachstumsgeschwindigkeit: damit ist weniger
die „Produktion“ von Tieren gemeint, die in Turbogeschwindigkeit
wachsen sollen, angestrebt werden viel mehr Tiere, die ihre
Nahrung effizienter nutzen und noch dazu fettärmeres Fleisch
produzieren (Pursel, 1998). Das Ergebnis sollte ein geringerer
Zuchtaufwand und gleichzeitig eine höhere Fleischqualität
(weniger Fett) sein.
Nebeneffekt: das biologische System der Tiere wird vollkommen
aus dem Gleichgewicht gebracht. Während im Lauf der Zuchtjahre
die Muskulatur zu, der Fettanteil abnimmt, bleiben Herz, Leber,
Nieren und das Gefäßsystem gleich. Die Organe passen
nicht mehr zum künstlich veränderten Körper.
Schon die konventionelle Tierhaltung hat es soweit gebracht,
dass Tiere häufig notgeschlachtet werden müssen. Die
Gentechnik ist im Begriff diesen Trend weiterführen.
2. Krankheitsresistenz: „Leistung ist
Ausdruck von Gesundheit“.
Dieser Grundsatz hat mit der konventionellen Tierhaltung absolut
nichts mehr zu tun. Kühe, Schweine und Hühner leben
ständig an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit, symptomfrei
bleiben sie oft nur dank Medikamenten und Impfstoffen. Aufgrund
der Zuchtmethoden der konventionellen Tierhaltung wurden folgende
Ziele, mehr Milch, mehr Fleisch, mehr Eier erreicht, gestresste
und anfällige Tier sind die Folge. 10 bis 20% der Produktionskosten
werden nach Pursel durch kranke Tiere verursacht (Pursel, 1998).
Wenn nun also die Widerstandsfähigkeit der Tiere mittels
gentechnischen Veränderungen, verbessert werden soll, geht
es dabei weniger um das Wohl der Tiere, denn um ein lukrativeres
Geschäft. (weniger Medikamentenkosten, höheres KonsumentInnenvertrauen).
Gesundheit meint in diesem Fall Anpassung an Hochleistung und
künstliche Haltungsbedingungen.
3. Milchqualität: Aufgrund der konventionellen
Tierzucht ist die Milchleistung der Kühe stark gestiegen.
Das Angebot an Milch ist sogar schneller gewachsen als die Nachfrage.
Um hier nun nicht trotzdem einen wirtschaftlichen Verlust zu
erleiden, müssen Maßnahmen getroffen werden, die
die Nachfrage wieder steigern. Und zwar durch ein breiteres
Spektrum von Milchvarianten. Milch für Leute, die keine
Laktose vertragen, fettärmere Milch, Milch mit mehr ungesättigteren
Fettsäuren, Milch die bei der Käseherstellung schneller
gerinnt, vermenschlichte Milch für Säuglinge, Milch,
die Salmonellen und Listerien selber abtötet.
Gerade die Produktion von laktosefreier Milch sollte eigentlich
zu denken geben. Es stellt sich unweigerlich die Frage, warum
so viele Menschen (In Mitteleuropa und Nordamerika sind 5-15%,
in Asien und unter der schwarzen Bevölkerung Afrikas und
Amerikas sind es sogar 70-100%) keine Kuhmilch vertragen. Die
Antwort liegt eigentlich auf der Hand – Kuhmilch ist für
Kälber bestimmt, menschliche Muttermilch für menschliche
Säuglinge. Es entspricht an und für sich überhaupt
nicht der Natur irgendeines Säugetiers im Erwachsenenalter
Milch zu trinken, schon gar nicht die einer anderen Spezies.
Aus diesem Grund ist es völlig natürlich, dass die
Aktivität des Enzyms Laktase, notwendig zum Aufspalten
von Milchzucker, nach dem Kleinkindalter stark abnimmt. Dass
trotzdem viele Menschen, ohne dabei große Probleme mit
ihrem Magen-Darmtrakt zu bekommen, ihr ganzes Leben hindurch
Milch trinken, entspringt viel mehr einer Anpassung an unnatürliche
Gegebenheiten, als einer Notwendigkeit, wie sie uns, gerade
was den Konsum von Milchprodukten betrifft, immer wieder vorgegaukelt
wird.
WEITERE ZIELE, DIE TIERZÜCHTERiNNEN IM VISIER HABEN:
- …kürzere Schwänze bei Schweinen, Lämmern
etc., damit den LandwirtInnen das Kupieren der Schwänze
erspart bleibt.
- …ein Gen, dass den Schweinekot nicht mehr stinken
lässt, damit Nachbarn von Schweinefabriken nicht zu stark
belästigt werden.
- …Gene, die den genauen Östruszeitpunkt von Schweinen
anzeigen, damit die künstliche Besamung noch effektiver
funktioniert.
- …und natürlich Schafe, die noch schneller noch
mehr Wolle produzieren.
Die Entwicklung transgener Nutztiere
soll maximale Tierausbeutung möglich machen.
Dort wo die Physiologie und Anatomie der Tiere stopp sagt,
fängt die Gentechnik an. |
TROTZ GRÖSSTEM FORSCHUNGSEINSATZ: DIE TIERE WOLLEN NICHT
SO WIE SIE SOLLEN…
„Die Forschung mit transgenen Nutztieren hat einen einzigartigen
Charakter. Tausende von Personenjahren wurden bisher in die
Forschung gesteckt, ohne dass irgendein Produkt entwickelt worden
ist.“ (Seidel, 1999)
Obwohl schon seit Jahren mit größtem Bemühen
geforscht wird, wurden noch keine wirklich brauchbaren „Produkte“
geliefert. Zwar hat die Methode des Gentransfers schon von der
überaus ineffizienten Methode der Mikroinjektion hin zur
Kerntransfer Methode gewechselt, allerdings hat auch diese noch
zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis geführt.
Die Natur wehrt sich mit allen Mitteln. Aber die Genforscherinnen
und NutztierzüchterInnen geben nicht auf. Es wurden und
werden weiterhin unzählige Tiere verbraucht, viele kommen
krank oder schwerstens verkrüppelt auf die Welt, der Verschleiß
an Tiere ist enorm. Was allerdings anscheinend das „größte“
Problem darstellt ist der finanzielle Aspekt. Die Forschung
an transgenen Nutztieren ist nicht nur ein sehr aufwendiges,
sondern vor allem auch ein sehr teures Unterfangen. Das Leid
der Tiere, das dabei verursacht wird, scheint kein Thema zu
sein. Deswegen kommt mensch auch nicht auf die Idee einfach
die Hände von den Tieren zu lassen, im Gegenteil, die Investitionen
werden viel mehr in einen Bereich verlagert, der bei Erfolg
die höchsten Profite verspricht: das Gene Pharming. Das
Gene Pharming ist aus diesen Gründen auch jener Bereich,
bei dem Forschung und Entwicklung am weitesten fortgeschritten
ist. Marktreife Produkte sind auch hier noch nicht vorhanden,
aber einige mit transgenen Nutztieren hergestellte Medikamente
bereits entwickelt. Sie befinden sich zurzeit in klinischen
Versuchen.
GENE PHARMING
Das
Gene Pharming hat zum Ziel, gentechnisch veränderte Nutztiere
wie z.B. Kühe, Ziegen, Kaninchen oder Schweine, zur Produktion
von Medikamenten für den Menschen zu benutzen. Dazu werden
mittels Gentechnik Gene des Menschen in Embryonen von Nutztieren
eingebracht, wodurch transgene Nutztiere hervorgehen, welche
hochwertige menschliche Eiweiße in der Milch, im Urin
oder im Blut ausscheiden. Im Vordergrund steht die Produktion
von medizinischen Wirkstoffen in der Milchdrüse der Tiere.
Die Substanzen werden aus den Körperflüssigkeiten
der Tiere extrahiert und gereinigt, um sie dann in der Humanmedizin
zur Anwendung zu bringen. Es besteht weiters auch die Absicht,
Produkte aus dem Gene Pharming in Lebensmitteln einzusetzen.
( Baby-, Diät-, Kliniknahrung)
Wirkstoffe, die mittels Gene Pharming produziert werden sollen,
sind heute größtenteils auf der Basis anderer Produktionsmethoden
(klassische Bioreaktortechnik) auf dem Markt. Sie werden entweder
aus menschlichem Blut gewonnen, aus genmanipulierten Mikroorganismen
oder aus Zellkulturen. Folglich wird ein wesentlicher Faktor,
bei der Entscheidung ob die Produkte nun auf den Markt kommen
oder nicht, jene sein, ob die Produkte mittels der Gene Pharming
Gewinnung die kostengünstigere ist.
Literatur:
- SAG – Studienpapiere, 2000.
- Pursel, V.G. (1998). Modification of production traits.
In: Clark, A.J. (Ed.), Animal breeding. Technology for the
21st century. Harwood Academic Publishers, S. 184.
- Seidel, G.E. Jr. (1999). The future of transgenic farm animals.
In: Murray, J.D., Anderson, G.B., Oberbauer, A.M.& McGloughlin,
M.M. (eds.), Transgenic animals in agriculture. CAB International,
S. 269.
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