Überall in Österreich sind
organisierte Tierkämpfe, wie Hunde- , Hahnen- oder Stierkämpfe,
verboten - sollte man meinen. Nur im Tiroler Zillertal
gibt es noch einige Ortschaften, die Widderkämpfe als
Teil ihres Brauchtums durchführen.
Und selbst das neue
Tiroler Tierschutzgesetz, eines der besten Landestierschutzgesetze
Österreichs, erlaubt die Fortführung dieser Praxis
explizit weiterhin, mit der Konzession, daß ein Tierarzt
anwesend
sein muß. Und so beschlossen wir vom VgT in diesem
Jahr einmal mit dabei zu sein, und dieses sogenannte
Widderstoßen
selbst zu sehen und dagegen zu demonstrieren.
In Zell am Ziller ist das Widderstoßen Teil eines Volksfestes, dem Gaudafest.
Zu diesem Fest kommen tausende Menschen, von denen die
meisten sicher zivilisiert genug sind, organisierte Tierkämpfe
zu verabscheuen. Die Gruppe Tierschutz Aktiv Tirol hatte
dieses Jahr deshalb eine Versammlung beim Gaudafest außerhalb
der Tierkampfarena angekündigt. Diese wurde auch friedlich
unter Polizeischutz abgehalten, und die Öffentlichkeit
über die Barbarei des Widderstoßens aufgeklärt.
Die Aktivisten vom VgT allerdings
wagten sich in die „Höhle des Löwen“, direkt zur Tierkampfarena,
um im gegebenen Zeitpunkt hinaus zu stürmen und das Tierleid
vor laufender TV Kamera vor denen anzuprangern, die es
verschulden bzw. bezahlen.
So mußten wir einige Zeit
lang das Treiben in der Arena mit eigenen Augen mitansehen.
Und das war wirklich sehr viel verlangt. Das Widderstoßen
ist ein Wettkampf, bei dem ein Widder gegen einen anderen
kämpfen muß, wobei jeweils der Gewinner nach einem K.O.
System aufsteigt, bis es nur noch einen Tagessieger gibt.
Die meisten Widder in der Arena waren nicht willig zu
kämpfen, und wurden von ihren Besitzern derb gegeneinander
gestossen und in Kampfposition gebracht, um Aggression
hervorzurufen. Der Platzsprecher versicherte unterdessen,
daß das alles keine Tierquälerei sei, weil die Widder,
wenn sie nicht kämpfen dürfen, angeblich ihre Ställe
zertrümmern und dergleichen mehr. Zur gleichen Zeit allerdings
in der Arena die gegeneinander mit allen Mitteln aufgehetzten
Widder sich friedlich beschnuppern zu sehen, entbehrte
nicht einer gewissen Komik. Schockierend war es dagegen
das Murren in den Zuschauerreihen zu hören, wenn die
Widder nicht und nicht gegeneinander kämpfen wollten.
Doch immer wieder gab es doch
aggressivere Widder, und der eine oder andere konnte
auch von den Besitzern letztendlich zum Kampf getrieben
werden. Und wenn die Widder dann mit gesenktem Kopf einander
gegenüberstanden, ging ein Raunen durch die Menge. Und
wenn sie dann mit ungeheurer Wucht aneinander krachten,
schrie und johlte die Zuschauermeute vor Begeisterung.
Wir kamen uns ins Mittelalter zurückversetzt vor, in
dem öffentliche Hinrichtungen und Tierkämpfe an der Tagesordnung
waren. Die Szenen, die wir da mitansehen mußten, paßten
wohl besser in spanische Stierkampfarenen oder zu Tierqualfiestas,
als ins friedliche Ambiente unserer heimatlichen Berge.
Ein Widder schwer verletzt
Und dann kam es wie es kommen
mußte: ein Widder, nach einigen Zusammenstößen schwer
verletzt und wacklig auf den Beinen, versucht seinem
Gegner zu entkommen, was durch die Absperrungen der Arena
nicht gelingt, und stirbt beim nächsten Angriff seines
Kontrahenten. Und unter dem Johlen der Menge schweigt
der Platzsprecher plötzlich, der vorher noch erklärt
hatte, wie lustig das alles für die Widder ist. Und unglaublich
schnell stürmen zwei Männer herein, offensichtlich in
Erwartung eines solchen Vorfalls, und schleifen den toten
Widder hinaus und verladen ihn und fahren sofort davon.
Das Kamerateam vom Help TV wird brutal abgedrängt und
angespuckt, um sie ja vom Filmen abzuhalten. Zunächst
kehrt ein bißchen Ruhe ein - und dann beginnt das grausame
Spiel von neuem, mit neuen Widdern.
Wir können unseren Augen kaum
trauen, mit was für einer Gleichgültigkeit, und fast
sadistischer Freude, das furchtbare Ende dieses stolzen
Tieres begleitet wird. Und immer wieder, vor und nach
diesem Unglück, werden kampfesunwillige oder fliehende
Widder eingefangen und erneut ihren Kontrahenten entgegengestellt.
Es scheint fast, daß der Tod eines Widders im Kampf gegen
einen überlegenen Gegner ein bewußt herbeigeführter Höhepunkt
dieses Spektakels ist. Und tatsächlich ist auch letztes
Jahr, wie Tierschützer diesen Widderkampf beobachtet
haben, ein Widder auf ähnliche Weise gestorben.
Während des Finales dann ist
es so weit: plötzlich stürmen 20 VgT Aktivisten von drei
verschiedenen Seiten zugleich auf die Arena und entrollen
ihre Transparente gegen diese Tierqual, mitten während
zwei Widder gerade zum Kampf gereizt werden sollen. Und
dann geschieht etwas, das wir wirklich nicht erwartet
hatten: trotz einigem Pfeifens und Buhens von ein paar
Leuten, bleibt doch ein guter Teil der Zuschauer ruhig
und scheint einige Sympathien für unsere Aktion zu haben.
Drei betrunkene Männer stürmen auf das Feld und versuchen
uns unsere Transparente zu entreißen, ein weiterer exponiert
seine Genitalien anscheinend um uns seine Verachtung
zu demonstrieren, aber der erwartete Volksaufstand bleibt
aus. Sehr bald erscheinen einige Polizisten, die zusammen
mit den Schiedsrichtern der Widderkämpfe und den Ordnungskräften
der Veranstaltung die Situation beruhigen und uns bitten
zu gehen. Und so packen wir 5 Minuten nach unserem Erscheinen
einfach ruhig unsere Transparente wieder ein und verlassen
freiwillig den Platz. Niemand wird angezeigt und alles endet friedlich - außer für die Widder,
die nichtsdestotrotz ihre „Finalkämpfe“ auf Leben und
Tod fortsetzen müssen.
Wir müssen wirklich alles
daran setzen, daß diese anachronistische Tierquälerei
sobald wie möglich der Vergangenheit angehört. Man könnte
doch z.B. die Widderkämpfe durch das Vorführen geschmückter
Widder ersetzen, und vielleicht auch eine Wahl des schönsten
Widders durchführen. Immerhin sind bei diesen Widderkämpfen
auch viele Kinder um die 10 Jahre und jünger anwesend.
Sollen diese Kinder wirklich von uns lernen, daß das
Hetzen zweier Tiere zu tödlichem Kampf eine legitime
Belustigung darstellt, bei der man - um erwachsen zu
sein - jegliches Mitgefühl ausschalten muß? Sowohl zum
Schutz der Widder, als auch um unser aller Willen, muß
dieses Widderstoßen ein Ende haben!
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