Dressurgeräte
für Hunde
Andrea Stanzel, Hundetrainerin
Der Hund tut, was wir wollen, also belohnen wir ihn. Tut er etwas, was wir nicht
wollen, so wird er aktiv bestraft. Leider ist dies nicht
nur die Meinung vieler Hundehalter sondern auch zahlreicher
Hundetrainer. Wieso ist diese Ansicht veraltet und unrichtig?
Aktives Strafen funktioniert
dann, wenn es das Verhalten des Hundes im Ansatz stoppt.
Erfolgt das Eingreifen zu spät, wird es wirkungslos. Damit
die Strafe
das Verhalten des Hundes wirklich stoppt, muss sie stark genug sein. Je nach
Motivation des Hundes, kann dies dazu führen, dass dem Hund starke Angst /
Schmerzen zugefügt werden müssten, um ihn von einem hochmotivierenden
Verhalten abzuhalten.
Die Strafe muss außerdem jedes Mal erfolgen. Selbst, wenn all diese Parameter
eingehalten werden, wirkt Strafe
in der Regel weniger nachhaltig als Belohnung. Dass Halsbänder mit Luftstoß
nicht zur Bestrafung des Hundes verwendet werden und keine Angst verursachen
sondern
bloß als Umorientierungsreiz dienen, ist unglaubwürdig. Denn dieser Effekt
könnte ebenso gut durch ein interessantes, jedoch für den Hund angenehmes Geräusch
oder
ähnliches erwirkt werden.
Werden Anti-Bell-Halsbänder sowie
Halsbändern, die mittels Fernbedienung einen unangenehmen
Ton, ein Duftspray oder einen Luftstoß aussenden als Strafreiz
eingesetzt, können folgende, gravierende Probleme beim Einsatz von, auftreten:
- Die Strafe ist wirkungslos,
weil das unerwünschte Verhalten stärker motiviert, als
der Strafreiz abschreckend wirkt. Hierbei wird die Strafe
meist solange verstärkt, bis sie den Hund letztlich in
starke Angst / Schmerzen versetzt.
- Die Strafe ist so stark,
dass sie den Hund bereits beim ersten Mal traumatisiert.
- Der Hund verknüpft die
aktive Strafe nicht mit seinem Verhalten sondern
- mit
einer bestimmten Umgebung (z.B.
Anti-Bell-Halsband im Auto
führt zu Angst vor dem Autofahren
anstatt dem Unterbleiben des
Bellens).
- mit
einem externen Reiz z.B. einem
vorbeilaufenden Kind. Dies
kann dazu führen, dass der
Hund in Zukunft Kinder fürchtet,
meidet oder gar aggressiv auf
sie reagiert.
- mit
seiner Bezugsperson. Dies kann
zu den gleichen Folgen führen,
wie gegenüber dem erwähnten
Kind im obigen Punkt.
- ausschließlich
mit dem Tragen des Halsbandes.
In diesem Fall, sieht der Hund
nicht einmal eine Möglichkeit
die Strafreize zu umgehen.
Er wird in andauernde Angst
versetzt und leidet unter chronischem
Stress.
Hunde können durch den Einsatz
derartiger Hilfsmittel nur schlecht Lernen, da sie unter
Stress stehen. Unter Stress ist der Körper in einem Alarmzustand
der das Lernen blockiert. Chronischer Stress führt zu zahlreichen
Folgeerkrankungen wie schuppiges Fell, Herzprobleme, Verdauungsstörungen,
Schwächung des Immunsystems, etc. Durch die Angst und das
Unbehagen kann der Hund nachhaltig traumatisiert werden,
in jedem Fall wird er nervöser / unsicherer werden. Dies
kann angefangen von Passivität bis hin zu Nervosität und
aktiver Verteidigung gehen. Der Hund wird damit unzuverlässig, der gewünschte Trainingserfolg hat
also, selbst wenn er eintritt (was oft wegen schlechtem
Timing oder Fehlverknüpfungen nicht der Fall ist), einen
hohen Preis: nämlich die Verunsicherung des Hundes und
damit eine Verschlechterung seines Befindens und seines
Verhaltens gegenüber seinen SozialpartnerInnen und Neuem.
Meines Erachtens ist somit beim
Einsatz dieser Hilfsmittel das in § 5 Tierschutzgesetz
festgelegte Verbot der Tierquälerei erfüllt, indem es heißt:
§ 5. (1) Es ist verboten,
einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden
zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.
(2) Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere, wer [...]
3. a) Stachelhalsbänder, Korallenhalsbänder oder elektrisierende oder chemische
Dressurgeräte verwendet oder
b) technische Geräte, Hilfsmittel oder Vorrichtungen verwendet, die darauf
abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu
beeinflussen; [...].
Warum diese Hilfsmitteln zu Leiden,
Schäden und schwerer Angst führen können, wurde oben dargelegt.
Weshalb sie ungerechtfertigt sind, möchte ich nun erläutern:
Hunde sind hochsoziale Tiere mit einer differenzierten Form der Kommunikation.
Neben dem bloßen Verknüpfungslernen (Leine = Gassi gehen; Sichtzeichen erhobener
Finger = Sitz = Belohnung), lernen Hunde durch Erfolg und Irrtum sowie durch
Stimmungsübertragung und Nachahmung. Nachdem Hunde eine sehr starke Bindung
zu ihren Bezugspersonen aufbauen, ist es für ihr Wohlbefinden unabdingbar Bestätigung
und Zuwendung zu erfahren. Ein Mensch, dem der Hund vertraut, kann diesen zu
Höchstleistungen und Verzichten motivieren. Hunde, die in einer freundlichen
Atmosphäre und entspannt Lernen durften, sind zuverlässige Partner.
Zeigt ein Hund für den Menschen
unerwünschtes Verhalten ist zu hinterfragen, aus welchem
Grund er dies tut. Ursachen, wie unzureichende Auslastung
oder Überlastung, physische Probleme, Stress, usw. müssen
beseitigt werden. Werden diese Probleme nämlich nicht behoben
sondern nur ihre Auswirkungen abtrainiert, so wird der
Hund sich ein anderes Ventil suchen. Insbesondere bei Verhaltensauffälligkeiten
ist es unabdingbar zuerst durch eine(n) Tierärztin/-arzt
abzuklären, ob (auch) physische Ursachen zugrunde liegen
und danach zusammen mit Fachleuten ein gezieltes Training
anzufangen, dass Nachhaltig die Ursachen beseitigt und
zu einem Vertrauensaufbau zwischen Hund und Bezugsperson
führt. Zeigt der Hund Normalverhalten (z.B. Jagdverhalten),
so ist die effizienteste Methode ein Alternativverhalten zu trainieren, das dem Hund genauso motiviert
(z.B. gezieltes Fährtegehen, usw.), während durch Managementmaßnahmen
verhindert wird, dass der Hund durch das unerwünschte Verhalten
zum Erfolg kommt (z.B. durch eine Schleppleine im Wald
während der Trainingsphase). Strafreize im Sinn einer Zufügung
von angsteinflößenden und / oder schmerzhaften Reizen sind
somit veraltet und unnötig.
Wäre nur die Hälfte der Einfälle,
Gedanken und Ideen statt der Suche nach möglichst effizienten
Strafen der Suche nach möglichst effizienten Belohnungen
gewidmet worden, gäbe es mit Sicherheit zufriedenere und
ausgeglichenere Hund-Mensch-Teams. Doch die Zukunft steuert
dank neueren ethologischen Erkenntnissen und einem Umdenken
der Menschen in diese Richtung. In diesem Sinne, hoffe
ich auf ein baldiges Verschwinden alter Trainingsgeräte
wie ferngesteuerter Strafhalsbänder.
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Anti-Bell
Halsband, der Strafreiz (z.B. Citronella
Duft) wird automatisch beim Bellen des Hundes
verabreicht
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