Eurobarometer "Gesellschaftliche Werte,
Wissenschaft und Technologie"
Im Juni 2005 veröffentlichte die EU-Kommission eine europaweite
Umfrage zum Thema "Gesellschaftliche Werte, Wissenschaft
und Technologie" (siehe http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_225_report_en.pdf)
. Die Befragung wurde in 32 europäischen Ländern von Jänner
bis Februar 2005 durchgeführt.
Unter den Fragen zur Einschätzung der Menschen zu Ethik,
Wissenschaft und Zukunftstechnologien waren auch Fragen, die direkt Bezug auf Tierschutz und Tierrechte nahmen.
Gesellschaftlicher Wert von Tierrechtsgruppen
"Glauben Sie, dass Tierrechtsgruppen, die wegen
der Behandlung von Tieren Kampagnen führen, einen positiven
oder einen negativen Effekt auf die Gesellschaft haben?"
Antworten aus Österreich:

Eine überwiegende Mehrheit von 80% der ÖsterreicherInnen
schreibt den Aktivitäten von Tierrechtsgruppen einen
positiven Effekt auf die Gesellschaft zu. Nur 8% sehen
einen negativen
Effekt auf die Gesellschaft. Im Vergleich liegt damit
das positive Image von Tierrechtsgruppen in Österreich
über dem europäischen Durchschnitt.

Die BürgerInnen aus Malta und Griechenland weisen den
höchsten Anteil an Personen auf, die den Aktivitäten von
Tierrechtsgruppen einen positiven Effekt auf die Gesellschaft
zuschreiben. Irland und Großbritannien stehen den Tierrechtsgruppen
am kritischsten gegenüber. Aber selbst in diesen Ländern
ist eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung der Meinung,
dass sich die Aktivitäten von Tierrechtsgruppen positiv
auf die Gesellschaft aufwirkt.

Interessant ist auch die Bewertung der Tätigkeit von
Tierrechtsgruppen aufgesplittet in einzelne Bevölkerungsgruppen:
So sehen Frauen den Effekt von Tierrechtsgruppen positiver
als Männer, außerdem ist eine deutliche Staffelung nach dem
Alter festzustellen. Unter den 15-24 Jährigen
schreiben mehr Personen Tierrechtsgruppen einen positiven
Effekt zu. Mit steigendem Alter wird der Anteil immer
geringer und den geringsten Anteil weisen die über 55-jährigen
auf.
Mit steigendem Ausbildungsgrad steigt der Anteil
an Personen die den Effekt von Tierrechtsgruppen positiv
bewerten.
Die Meinung, dass Tierrechtsgruppen einen positiven Effekt
auf die Gesellschaft entwickeln würden, ist unter politisch
links gerichteten Personen verbreiteter als unter Personen
mit einer rechten politischen Einstellung. Unter Leuten,
die über den Sinn des Lebens nachdenken, die in großen
Städten wohnen, nicht streng erzogen worden sind und die
ihre Entscheidungen zu neuen Technologien oder wissenschaftlicher
Forschung eher aus ethischen Überlegungen als aufgrund
einer Risiko-Nutzen Abschätzung treffen, ist die Meinung
dass Tierrechtsgruppen einen positiven Effekt auf die
Gesellschaft haben, verbreiteter.
Wie wichtig sind Tierrechte?
Eine Frage zur Wichtigkeit von Tierrechten war folgende:
In welchem Ausmaß stimmen Sie folgender Aussage zu bzw.
widersprechen dieser:
"Wir haben die Pflicht die Rechte von Tieren um jeden
Preis zu schützen."
Antworten aus Österreich:

86% der ÖsterreicherInnen sind der Meinung, dass wir
die Pflicht haben, die Rechte von Tieren um jeden Preis
zu schützen. Angesichts der derzeitigen Behandlung von
Tieren etwa in der Nutztierhaltung, drängt sich die Frage
auf, was die ÖsterreicherInnen unter "Rechte von
Tieren" verstehen. Tatsächlich dürfte die Ansicht,
was "Rechte von Tieren" sind bzw. sein sollten,
stark auseinander gehen. Tatsächlich gibt es ja bisher
nirgendwo auf der Welt ein Land das auch nur einem einzigen
Tieren
ein einziges Recht zugestehen würde. So gesehen zeigen
diese Antworten nur, dass Tierschutz der österreichischen
Bevölkerung ein sehr großes Anliegen ist, und dass Tierrecht
im Umgangssprachlichen Sinn in Österreich offenbar mit Tierschutz gleichgesetzt wird.
Im Folgenden die Ergebnisse aus 32 europäischen
Ländern:

Auch hier wieder zeigt Griechenland die stärkste Affinität
zu Tierrechten. Am anderen Ende der Skala der EU 25
liegt Großbritannien. Wahrscheinlich sind die Antworten allerdings unterschiedlich zu bewerten. Immerhin ist die Diskussion über Tierrechte
in Großbritannien sehr viel weiter fortgeschritten
als in Griechenland. So gesehen, muss davon ausgegangen
werden, dass die Bevölkerung in den beiden Ländern gänzlich
verschiedene Begriffe davon hat, was die Etablierung von
Tierrechten in der Realität tatsächlich für Auswirkungen
haben würde. Trotzdem sind fast 70% der BritInnen der
Meinung, dass es unsere Pflicht sei, die Rechte der Tiere
zu schützen, egal was es kosten würde. Insgesamt jedenfalls so oder so ein
beeindruckendes europäisches Bekenntnis zur Wichtigkeit
von Tierschutz!

Interessant auch hier die Aufsplittung der Antworten
nach demographischen und anderen Bevölkerungsgruppen. Es sticht
hervor, dass vor allem MangerInnen Tierrechten gegenüber
negativer eingestellt sind als alle anderen Gruppen. Ansonsten
ist zu sehen, dass es eher Frauen und jüngere
Menschen sind, die gegenüber Tierrechten positiv eingestellt
sind. Tendenziell ist die Wichtigkeit von Tierrechten
im linken politischen Spektrum größer. Interessant
ist auch, dass die Wichtigkeit von Tierrechten mehr oder weniger unabhängig
davon für die Menschen starke Bedeutung hat, ob eine Person religiös bzw. spirituell
ist oder an gar nichts gaubt.
Future Food
Eine besonders interessante Frage im Rahmen dieses Eurobarometers
bezog sich auf die Möglichkeit Fleisch in Zellkulturen
wachsen zu lassen, um Tierleid zu vermeiden. Die Frage lautete:
In welchem Ausmaß, wenn überhaupt, stimmen Sie der Nutzung
folgender zukünftiger Technologie zu: "Gewinnung
von Fleisch aus Zellkulturen, sodass das Schlachten von
Nutztieren unnötig wird."
Antworten aus Österreich:

Hier ist zu sehen, dass beachtliche 40% der österreichischen Bevölkerung
Fleisch aus Zellkulturen eine Chance geben würden. Dieses
Ergebnis ist umso beachtlicher, als bisher der Bevölkerung
die massiven Vorteile (tierethischer, klimaschonender,
umweltschützender und gesundheitlicher Natur) noch überhaupt
nicht bekannt gemacht worden sind, die Menschen also
noch nicht sehr viel darüber wissen können.
Hier die Ergebnisse aus den anderen Ländern:

Es zeigen sich sehr starke Unterschiede zwischen den
Ländern. Während Spanien, Italien und die Slovakei gegenüber
dieser neuen Technologie am offensten sind und dort fast
50% der Bevölkerung diese Technologie bejahen, so ist
vor allem Zypern extrem kritisch eingestellt. Hier können
nur 8% dieser Technologie etwas abgewinnen.
Österreich gehört zu jenen Ländern, die in ihrer Akzeptanz
von Fleisch ohne Tierausbeutung deutlich über dem Durchschnitt
der EU 25 liegen.
EU-weit sind nur 54% gegenüber dieser
Technologie negativ eingestellt.

Besonders interessantes und ermutigendes zeigt die Gliederung
der Ergebnisse in Bevölkerungsgruppen:
Männer zeigen eine deutlich höhere Bereitschaft dieses
Fleisch zu konsumieren. Also jene Gruppe die ohnehin mehr
Fleisch isst bzw. gesellschaftlich viel stärker mit Fleisch
assoziiert wird als Frauen.
Besonders ermutigend ist auch der Umstand, dass junge
Menschen eine unvergleichbar größere Tendenz aufweisen,
dieser neuen Technologie positiv gegenüber zu stehen.
Unter den 15-24 Jährigen ist es eine Mehrheit von 50% die der Nutzung zustimmt, während es nur knapp über 40% sind, die die Nutzung ablehnen !
Ferner stehen dieser Technologie Personen positiver gegenüber:
- die im städtischen Bereich wohnen,
- die nicht an Gott glauben,
- die nicht streng erzogen worden sind,
- die ihre Entscheidungen aufgrund einer Risiko-Nutzen
Analyse treffen,
- die eine längere Ausbildung absolviert haben.
Überraschend ist auch das Ergebnis, dass Personen, die
der Aussage "Wir haben die Pflicht die Natur zu schützen,
auch wenn das den menschlichen Fortschritt beschränkt"
zustimmen, zu einem weitaus größeren Anteil Future Food
ablehnen (55%), als Personen, die dieser Aussage widersprechen
(47%). Das weist darauf hin, dass sich diese Personen,
die ja offenbar stark umweltschutzmotiviert sind, sich der
Vorteile nicht bewusst sind, also beispielsweise der besseren Energiebilanz oder den
geringeren Kohlendioxid-Äquivalenten die solcherart produziertes
Fleisch im Vergleich zu herkömmlich gewonnenem Fleisch
aufweist. Hier ist noch viel Informationsarbeit zu leisten.
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