Fakten und Zahlen zur Kastenstandhaltung von Schweinen
Jedes Jahr werden in Österreich etwa 5,5 Millionen Schweine
geschlachtet. Momentan werden knapp mehr als 3 Millionen
Schweine gehalten. Insgesamt werden so 545.818 Tonnen Schweinefleisch
jährlich produziert. Dafür müssen allein 600.000 Tonnen
an gentechnisch verändertem Sojaschrot als Futter importiert
werden. Insgesamt werden den Schweinen pro Jahr 2,5 Millionen
Tonnen Nahrungsmittel verfüttert, die auch von Menschen
gegessen werden könnten. Mit dem Umweg in der Nahrungskette
durch die Verfütterung von genießbaren Nahrungsmitteln an
Schweine, ist ein enormer zusätzlicher Ressourcenaufwand
nötig, der sich in einer entsprechend größeren Umweltbelastung
niederschlägt.
Inhalt
Schweinebauernsterben

Die Schweinehaltung in Österreich orientiert sich an den
EU-Mindestrichtlinien, sie ist also in der EU die schlechtest
mögliche. Jedes Jahr müssen etliche Schweinebetriebe zusperren.
Dieser Trend ist seit 1960 ungebrochen. Allein im letzten
Jahr (2010) gaben 19% der Schweinebauern auf. Mit
um nicht zu sagen wegen der Kastenstandhaltung
geht die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe dramatisch
zurück:
- von 1960 (390.420 Betriebe) bis 2010 (30.805 Betriebe)
um 92,2%
- von 1995 (112.080 Betriebe) bis 2010 (30.805 Betriebe)
um 73%
- allein im letzten Jahr (2009: 38.002 Betriebe) um
19%
In der Schweinehaltung mit ihren schlechtesten Tierschutzbestimmungen
ist das Bauernsterben am größten!
Käfigverbot bei Legehennen bewirkt Zuwachs an Betrieben
Im Bereich der Eierproduktion zeigt sich nach dem Verbot
der Käfighaltung (2004 beschlossen und 2009 in Kraft getreten)
ein genau gegenteiliges Bild. Hier ist die Anzahl der Betriebe
seit 2005 um 17% gestiegen (2005: 1500 Betriebe; 2010: 1757
Betriebe).
Der gegenüber der EU-Mindestrichtlinie höhere Tierschutzstandard
führte also zu Betriebsgründungen.
Ebenso ist die Anzahl der Legehühner gestiegen (2005: 4,5
Millionen Hühner; 2010: 5,7 Millionen Hühner).
Die Betriebsgrößen nehmen dramatisch zu
Die ursprünglich noch kleinstrukturierte Landwirtschaft
sirbt.

Parallel zum Schweinebauernsterben explodieren die Betriebsgrößen.
Wie sich zeigt, steigt die durchschnittliche Anzahl von
Schweinen pro Betrieb exponentiell an. Allein von 2005 auf
2010 verdoppelte sich die durchschnittliche Betriebsgröße
fast und stieg von 58 auf 102 Schweine pro Betrieb an. Zu
bedenken ist, dass dieser Durchschnittswert auch stark nach
unten gedrückt, also verfälscht wird, da hier auch alle
Bauern inbegriffen sind, die ein oder zwei Schweine zum
Eigenbedarf halten. Die durchschnittliche Größe kommerzieller
Schweinehaltungsbetriebe ist daher viel höher als es hier
den eindruck macht.
Selbstversorgungsgrad mit Ferkeln nur 88%
Jährlich werden etwa 830.000 Ferkel hauptsächlich aus Deutschland
zur Mast nach Österreich importiert. Gleichzeitig gibt es
auch eine jährliche Ausfuhr von ca. 30.000 lebenden Ferkeln.
Der Selbstversorgungsgrad mit Ferkeln für die Schweineproduktion
in Österreich beträgt daher nur etwa 88%.
Regelung der Kastenstandhaltung von Mutterschweinen in
Österreich
Ein Kastenstand ist ein 65 cm breites und 1,9 m langes
Gitter, also körpergroß für ein Mutterschwein.
Die Zeit im DECKSTALL: 16 Wochen pro Zyklus oder 277 Tage
pro Jahr
Diese setzt sich zusammen aus der Leerzeit (1-2 Wochen)
und der Schwangerschaft (3 Monate+3Wochen+3Tage)
Gesetzliche Regelung
- Heute: durchgehend Kastenstand erlaubt (72% der Mutterschweine),
d.h. 16 Wochen Kastenstand pro Zyklus
- EU-Mindestrichtlinie ab 2013: Kastenstand ab 4 Wochen
nach dem Decken bis 1 Woche vor der Geburt verboten, d.h.
5 Wochen Kastenstand pro Zyklus
- Verordnungsentwurf: Kastenstand ab 10 Tage nach dem
Decken bis 1 Woche vor der Geburt verboten, d.h. 2 ½ Wochen
Kastenstand pro Zyklus

Die Zeit im ABFERKELSTALL: 5 Wochen pro Zyklus oder 88
Tage pro Jahr
Diese setzt sich zu sammen aus der Zeit unmittlbar vor
der Geburt (1 Woche) und der Säugezeit (4 Wochen)
- Heute: durchgehend Kastenstand erlaubt
(98% der Mutterschweine), Kastenstand in Abferkelbucht
(4 m²), d.h. 5 Wochen Kastenstand pro Zyklus
- EU-Mindestrichtlinie ab 2013: durchgehend
Kastenstand erlaubt, d.h. 5 Wochen Kastenstand pro Zyklus
- Verordnungsentwurf: Haltung in der
Abferkelbucht (5,5 m²), Kastenstand bei Aggression im
Einzelfall von 1 Tag vor der Geburt bis 3 Tage danach,
d.h. 4 Tage Kastenstand pro Zyklus

Insgesamt:
- Heute: 12 Monate Kastenstand pro Jahr
erlaubt
- EU-Mindestrichtlinie ab 2013: 6 Monate
Kastenstand pro Jahr erlaubt
- Verordnungsentwurf: 1 ¾ Monate Kastenstand
pro Jahr erlaubt
Die schwedischen Abferkelsysteme
Das schwedische Tierschutzgesetz sieht folgendes vor:
- In den ersten Tagen nach der Geburt darf die Bewegungsfreiheit
des Mutterschweins durch ein Gitter eingeschränkt werden,
wenn sie Aggression oder abnormes Verhalten zeigt und
dadurch ihre Ferkel bedroht. Das tritt in 2-5% aller Fälle
auf.
- Wenn das Mutterschwein behandeln werden muss, kann
es für diese Zeit auch durch Gitter eingeschränkt werden,
sofern sein Verhalten eine Gefahr für die BetreuerInnen
darstellt.
- Weibliche Zuchtschweine, die in Gruppen gehalten werden,
können während der Fütterung oder wenn sie behandelt werden
müssen ebenfalls mit Gittern eingeschränkt werden.
Zwei Buchtensysteme:
Schwedische Abferkelbucht mit beweglichem Gitter


Auf dem linken Bild ist die Bucht mit offenem Gitter zu
sehen, auf dem rechten mit geschlossenem.
Schwedische Abferkelbucht ohne Gitter


Keine höheren Ferkelverluste ohne Kastenstand
Solange die freie Bucht entsprechend strukturiert ist und
eine Mindestgröße von 5 m² überschreitet, sind die Ferkelverluste
ohne Kastenstand nicht höher als mit. Das ergeben zahlreiche
wissenschaftliche Studien.
Schweden mit freien Abferkelbuchten seit 1988 weist keine
höheren Ferkelverluste auf, als andere Länder:

C................Kanada
DK.............Dänemark
Fi...............Finnland
Fr...............Frankreich
N................Norwegen
S................Schweden
USA..........Vereinigte Staaten von Amerika
Die unterschiedlichen durchschnittlichen Wurfgrößen hängen
damit zusammen, dass in den einzelnen Ländern Schweine unterschiedlicher
Zuchtlinien verwendet werden. Dänemark weist mit durchschnittlich
16 Ferkel pro Wurf, die in diesem Ländervergleich bei weitem
höchste Wurfgröße auf. Schweden liegt mit einer durchschnittlichen
Wurfgröße von etwas mehr als 13 Ferkeln im Mittelfeld.
Für die Höhe der Ferkelverluste ist hauptsächlich die
Wurfgröße entscheidend

Für die hohen Ferkelverluste in der Schweineindustrie ist
hauptsächlich die Zucht zu immer höheren Wurfgrößen verantwortlich.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass mit der Wurfgröße
die Anzahl der toten Ferkel pro Wurf exponentiell ansteigt.
Auch eine Studie der dänischen Aarhus-Universität zeigt,
dass die heute sehr hohen Ferkelverluste mit Kastenstand
aufgrund der einseitigen Züchtung der weiblichen Schweine
zu möglichst vielen Ferkeln pro Wurf auftreten
Gab es 1992 noch 11 Ferkel pro Wurf, so sind es heute 16.
Mit diesem Anstieg der Ferkel pro Wurf ging gleichzeitig
ein Anstieg von 17% auf 25% der Anzahl von Ferkeln einher,
die bis zum Absetzen sterben. Die höheren Ferkelverluste
sind hauptsächlich eine Folge der vermehrt auftretenden
Totgeburten.

Ferkelerdrückungen passieren hauptsächlich in den ersten
drei Tagen
Eine Studie des dänischen Schweinezüchterverbands bestätigte
wissenschaftlich, dass die vermehrten Erdrückungsverluste
der Ferkel nur in den ersten 3 Tagen auftreten
Bereits bekannt ist, dass Muttertiere ohne Kastenstände
mehr Milch geben und damit stärkere Ferkel produzieren.
Durch die Kombination von einer Kastenstandhaltung nur in
den ersten 3 Tagen, wie es der Verordnungsentwurf des SPÖ-Gesundheitsministeriums
vorsieht, könnte damit das Erdrücken der Ferkel minimiert
und gleichzeitig die Überlebensrate maximal gesteigert werden.
Bei der Studie schnitten diese „Kombisysteme“ am besten
ab.

Die Studie umfasst vier experimentelle Gruppen:
- BB7: Kastenstand vor und während dem
Abferkeln und Kastenstand bis zum 7. Tag nach dem Abferkeln
(Kontrolle)
- LB7: Lose vor und während dem Abferkeln
und Kastenstand bis zum 7. Tag nach dem Abferkeln
- LB4: Lose vor und während dem Abferkeln
und Kastenstand bis zum 4 Tage nach dem Abferkeln
- LL: Lose vor und während dem Abferkeln
und lose nach dem Abferkeln
Die Abbildung zeigt die zeitliche Entwicklung der Ferkelsterberrate.
In den ersten Tagen nach dem Abferkeln starben mehr Ferkel
in der Bucht, in der die Sau lose war (LL), als in den Buchten,
in denen sie im Kastenstand war. Von Tag 3 an sind die Steigungen
der Kurven sehr ähnlich. Ab dann gibt es keine Unterschiede
in der Ferkelsterblichkeit zwischen den vier Gruppen. In
den Gruppen LB7, LB4 und LL gab es keine toten Ferkel währen
der Periode, vom Ende der Kurve bis Tag 10. Das durchschnittliche
Alter der toten Ferkel lag bei 2,8 Tagen in Gruppe LL und
zwischen 3,5 und 4,5 Tagen in Gruppe BB7, LB7 uznd LB4 (P
<0,001).
Basierend auf den Ergebnissen dieser Tests können Kastenstände
nach den ersten kritischen Tagen, in denen die Ferkel einen
besseren Zugang zu den Zitzen finden, von Vorteil sein.
Frühere Studien haben gezeigt, dass das Absetzgewicht erhöht
wird, wenn die Mutterschweine mehr Platz haben. Das Öffnen
des Kastenstands setzt jedoch voraus, dass der Boden geeignet
ist, sodass die Aufrechterhaltung einer guten Hygiene möglich
ist.
Das Leid der Mutterschweine im Kastenstand
Schweine im Kastenstand weisen deutlich häufiger Krankheiten
und sonstige körperliche Probleme auf als Mutterschweine,
die frei in der Abferkelbucht leben.

- 1. Spalte: Prozentsatz der Mutterschweine, die den Krankheitskomplex
Mastitis-Metritis-Agalaktie (MMA) entwickeln. Dabei tritt
Gebärmutterentzündung zusammen mit Brustentzündung und
Milchmangel auf.
- 2. Spalte: Prozentsatz der Muttertiere, die länger als
8 Stunden für die Geburt benötigen
- 3. Spalte: Krankheitsrate
- 4. Spalte: Rate jener Schweine, die medizinisch behandelt
werden mussten
Es zeigt sich, dass Mutterschweine im Kastenstand durchwegs
etwa doppelt soviele körperliche Probleme aufweisen als
Mutterschweine, die mit den Ferkeln frei in der Bucht leben.
Durchwegs höhere Stressbelastung von Schweinen im Kastenstand

Diese Grafik zeigt die Stresshormonausschüttung im Vergleich
von Mutterschweinen im Kastenstand (rot) und in freien Buchten
(gelb) um den Geburtstermin. Es zeigt sich dass Schweine
im Kastenstand einer deutlich größere Stressbelastung ausgesetzt
sind.
Meinung der österreichischen Öffentlichkeit
Eine aktuelle Studie (2011) des renommierten Instituts
für empirische Sozialforschung IFES brachte folgende Ergebnisse:
80% für ein Verbot von Kastenständen
Die große Mehrheit von 80% der ÖsterreicherInnen wünscht
ein absolutes Verbot der Kastenstände. Insbesondere Frauen
(86%) und Menschen mit Matura (87%) sprechen sich für diese
Tierschutzmaßnahme aus.
Frage: Und wenn Sie sich eindeutig entscheiden müssten:
Soll Österreich dann die Kastenstandhaltung von Zuchtsauen
absolut verbieten oder nicht?

Nur 8% wollen, dass Kastenstand weiter unverändert erlaubt
bleibt
63% der Menschen in Österreich wollen ein sofortiges Verbot,
13% mit einer längeren Übergangsfrist, 9% würden sich mit
dem Kompromiss des Gesundheitsministeriums abfinden (1 Monat
Kastenstand pro Jahr) und nur 8% sind dafür, dass Kastenstände
weiterhin unverändert erlaubt bleiben.
Frage: In Österreich dürfen in der Schweinezucht erwachsene
Zuchtsauen in sogenannten Kastenständen gehalten werden.
Das sind Metallgitter, die 1,9 m lang und 65 cm breit sind.
In diesen körpergroßen Käfigen können sich die Tiere nicht
umdrehen und kaum bewegen. Sollte Österreich Ihrer Meinung
nach...

Die Menschen sind auch bereit, dafür mehr Geld beim Kauf
von Schweinefleisch auszugeben
- 11% bis zu 10 Cent pro kg
- 25% bis zu 50 Cent pro kg
- 28% bis zu €1 pro kg
- 17% bis zu €2 pro kg
- 13% würden nicht mehr bezahlen
Frage: Wären Sie bereit für Schweinefleisch, Schinken und
Wurst pro Kilo mehr zu bezahlen, wenn dadurch die Kastenstandhaltung
und die Ferkelkastration ohne Betäubung vermieden weden
könnte?

84% wollen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration
Bei der Frage der betäubungslosen Kastration von Ferkeln
ist die Mehrheit noch größer. Momentan dürfen männliche
Ferkel in den ersten 7 Lebenstagen ohne jede Betäubung oder
Schmerzbehandlung von Laien kastriert werden. Aber
- 84% wollen ein Verbot der betäubungslosen Kastration
- 11% wollen kein solches Verbot
Frage: Derzeit dürfen in Österreich männliche Ferkel ohne
Betäubung kastriert werden. Sind Sie dafür, dass Ferkel
nur unter wirksamer Betäubung und nur von Tierärzten oder
Tierärztinnen kastriert werden dürfen?

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