|
Gesetzesentwurf dokumentiert Wandel
der Einstellung zu den (Haus)Tieren
Chinesen müssen zukünftig möglicherweise auf
eine bislang beliebte Spezialität verzichten:
Katzen- und Hundefleisch. Einem neuen Gesetzesentwurf
gegen Tierquälerei zufolge sollen diese Fleischsorten
von der Speisekarte gestrichen werden, berichtete
die staatliche Presse am Dienstag.
Wer dennoch Katzen- oder Hundefleisch isst,
soll demnach eine Strafe von bis zu 5000 Yuan
(umgerechnet 518 Euro) zahlen oder 15 Tage im
Gefängnis verbringen, berichtete die Zeitung
"Chongqing Evening News". Firmen,
die sich über das Verbot hinwegsetzen und mit
Hundefleisch handeln, könnte eine Strafe von
10.000 bis 500.000 Yuan bevorstehen.
Erst ein Gesetzesentwurf
Dem Bericht zufolge handelt es sich lediglich
um einen Gesetzesentwurf. Es sei unklar, wann
er verabschiedet werden soll.
Bereits im Zuge der Olympischen Spiele 2008
kam es zu einem temporären Verbot von Hundefleisch.
In dem Bemühen, sich westlichen Essgewohnheiten
anzupassen und sensible Gäste nicht vor den
Kopf zu stoßen, verbannten die Pekinger Behörden
Hundefleisch von den Speisekarten während der
internationalen Sportgroßveranstaltungen.
Nach medialen Angaben haben die Behörden damals
den 112 offiziellen Restaurants für die Olympischen
Spiele verboten, Hundefleisch anzubieten. Bei
Verstößen drohten nicht näher spezifizierte
Strafen. Der übrigen Gastronomie wurde der Verzicht
auf die umstrittene Zutat „stark empfohlen“.
Nach Angaben der chinesischen Tageszeitung
„Shanghai Daily“ forderten die Olympia-Organisatoren
die Gaststätten auf zu berücksichtigen, dass
der Verzehr von Hundefleisch in vielen Ländern
der Welt verpönt ist. Zudem nimmt auch die Zahl
der GegnerInnen und SkeptikerInnen des Hundefleischverzehrs
in Asien seit einigen Jahren zu, da immer mehr
Chinesen Hunde als Haustiere halten.
In Anwendungen der traditionellen chinesischen
Medizin (TCM), in der das Hundefleisch eine
Rolle spielt, soll die Verwendung des Fleischs
aber weiter erlaubt sein, muss auf den Verpackungen
aber deutlich vermerkt werden. Nach Auffassung
der TCM hilft Hundefleisch bei verschiedenen
Leiden wie beispielsweise Bluthochdruck.
In China, Korea und Vietnam werden schon seit
Jahrhunderten Hunde gegessen. Und diese Tatsache
wird auch von zumindest einem Teil der Bevölkerung
als normal empfunden. Allerdings gilt Hundefleisch
in allen drei Ländern als (umstrittene) Spezialität
und ist teuer. Gezielte Züchtungen und „Hundefarmen“
gibt es erst seit kurzem.
Schriftliche Zeugnisse, die die Zubereitung
von Hundefleisch als kulinarische Tradition
belegen, sind schon aus dem chinesischen Altertum
– Jahrhunderte vor dem Beginn der christlichen
Zeitrechnung - bekannt. Die Bewertung war allerdings
von Provinz zu Provinz verschieden: Die Mandschu
im Norden verachteten die Menschen im Süden
dafür. Sun Yat-Sen, ein revolutionärer Führer
gegen die Dynastie der Mandschuren, begann historischen
Überlieferungen zufolge seine Rebellentreffen
mit einem Hundemahl, um seine widerständige
Einstellung zu den nördlichen Herrschern zu
demonstrieren.
Obwohl der Verzehr von Hundefleisch in unseren
Breiten heute im Allgemeinen als Tabu gilt,
gibt es auch in Europa durchaus eine – wenn
auch sehr eingeschränkte – Geschichte des Hundefleischkonsums.
Speziell in Notzeiten wurde immer wieder auf
Hundefleisch als eiserne Reserve und Notration
zurückgegriffen.
Aus kulturellen Gründen und der weit verbreiteten
emotionalen Bindung, die sich aus dem alltäglichen
Zusammenleben mit Hunden in unserer Gesellschaft
herausgebildet hat, beschränken sich Produktion
und Konsum von Hundefleisch in der Westlichen
Welt auf Rand- und Ausnahmeerscheinungen, etwa
die vereinzelte Bernhardinerfleischproduktion
in der Schweiz. In Österreich und Deutschland
hingegen ist das Schlachten von Hunden zur Fleischproduktion
ausnahmslos verboten.
Bleibt zu hoffen, dass das Hundefleischverbot
in China nicht bloß zu einer Verlagerung des
Tierleids führt, in dem dann die Hunde etwa
durch Schweine, welche auch in China zunehmend
in tierverachtend-industrialisierter Intensivtierhaltung
gezüchtet werden, ersetzt werden.
Und beim Echauffieren über andere Ess- und
Nahrungssitten sollte man sich auch immer bewusst
halten, im jeweils eigenen Kulturkreis genug
eigene Tierschutzmissstände zu haben, für deren
Reform und Behebung es sich zu engagieren gilt.
Wenn beispielsweise in Österreich nach wie vor
Schweine in Kastenständen und industrialisierter
Tierhaltung fast flächendeckend fürchterlichen
Misshandlungen ausgesetzt sind, ist offensichtlich,
wo KonsumentInnen, Tierschutzvereine, Behörden
und Politik besonders gefordert sind.
|