Fakten
Missstände
bei den Fiakern
Selbstverständlich trifft nicht jeder der
hier aufgezählten Missstände auf jedes
Fiakerunternehmen zu.
In den Stallungen:
- Anbindehaltung
- Boxentrennwände
ohne direkten Sichtkontakt zu Artgenossen
- zu
wenig Einstreu
- Haltung der Pferde in Dunkelheit
- keine Tränkevorrichtungen
Im Betrieb:
- Geschirre sind nicht ordnungsgemäß
ans Pferd angepasst
- Fellabschürfungen
- Wunden
- Lahmheiten
- Schlechter Beschlag
- Abgemagerte Pferde sind im Einsatz
- Kaum bis gar keine Futtergabe
- fehlende Wassergabe
- Stehen in Hitze und Kälte
- Keine Möglichkeiten einen freien Schritt
zu setzen
- ständiges Gehen auf Asphalt
- Maulkörbe
- respektloser Umgang mit den Pferden
- gestresste Pferde sind im Einsatz
- Betriebszeiten werden nicht eingehalten
- sogenannte "Konzessionspferde" werden
nie im Betrieb in der Stadt verwendet
Kontrollen:
- Zu geringe und oberflächliche Kontrollen
Sanktionen:
- Zu geringe bis gar keine Strafen
- Fiaker behalten trotz Strafen gesetzeswidriges
Verhalten bei
Tierschutzrelevante
Probleme
a. Während des Fahrbetriebs
- Bewegungseinschränkung:
Die Pferde müssen jederzeit abfahrbereit
sein, das heißt, dass sie immer angeschirrt
auf den nächsten Fahrgast warten müssen.
Angeschirrt sein bedeutet, dass sie während
dieser Zeit (erlaubt von 9.00 Uhr bis 23.00 Uhr)
niemals einen freien oder unkontrollierten Schritt
machen können.
- Langes Stehen ist ungesund:
Pferde sind Fluchttiere. Ihr ganzer Körper
ist auf viel Bewegung angepasst. Bewegung ist
auch notwendig, damit die Gelenke und Sehnen gut
durchblutet werden. Ewiges Stehen kann dadurch
zu Problemen mit dem Fortbewegungsapparat der
Pferde führen.
- Gelenksprobleme durch Gehen auf Asphalt:
Wenn sie sich endlich bewegen dürfen (Ausfahrt)
müssen die Pferde durchwegs auf Asphalt gehen.
Dies hat natürlich auch gesundheitsschädigende
Auswirkungen auf die Beine und Gelenke (Wie beim
Menschen wenn er lange Zeit auf Asphalt geht).
Noch schlimmer wird dieses Problem, wenn die Fiaker
mit ihren Pferden durch die Stadt traben oder
vielleicht sogar galoppieren, was auch immer wieder
vorkommt.
- Fellabschürfungen: Viele
Pferde haben auch Fellabschürfungen. Das
ist ein Zeichen dafür, dass das Geschirr
nicht passt, oder dass es unsachgemäß
angeschirrt wurde oder dass die Pferde es zu lange
Zeit tragen mussten.
- Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze:
Wenn die Pferde im Sommer auf den Standplätzen
auf den nächsten Fahrgast warten, stehen
sie oft in der prallen Sonne. Pferde ziehen sich
normalerweise bei großer Hitze in den Schatten
zurück und ruhen. Dies ist auf den Wiener
Standplätzen nicht möglich, denn wenn
der nächste Kunde kommt, müssen sie
sich körperlich anstrengen und eine Kutsche
ziehen, egal wie heiß es ist.
- Lärm und Straßenverkehr:
Das Pferd ist ein Fluchttier, es verwendet
seine Sinne, um Gefahren zu orten. Um den Fluchtreflex
der Pferde zu minimieren, werden für die
Ohren Ohrenstöpsel verwendet. Damit das Gesichtsfeld
der Pferde eingeschränkt wird, verwenden
die Fiaker Scheuklappen. Natürlich ist es
für die Fiakerpferde im Straßenverkehr
und im Straßenlärm besser diese Vorsorge
zu treffen, aber man erkennt deutlich welche Vorkehrungen
(Einschränkungen) getroffen werden müssen
um einen Fiakerbetrieb in Wien überhaupt
zu ermöglichen. Sie werden wirklich nur als
reine Antriebsmaschinen verwendet.
- Fiakerpferde und ihr Hufbeschlag:
Prinzipiell ist der Beschlag der Fiakerpferde
nicht schlecht, trotzdem sind Mängel festzustellen:
Nur ein paar Fiakerpferde haben Dämpfungen zwischen
Huf und Eisen, was beim Gehen auf hartem Asphalt
eine Schonung der Hufe und der Gelenke mit sich
bringt. Leider ist diese Dämpfung noch nicht für
alle Fiakerpferde vorgeschrieben. Viele Fiakerpferde
haben zu lange Zehen, die BesitzerInnen versuchen
die Beschlagsperioden möglichst lang hinauszuzögern.
Gehen mit zu langen Zehen ist für Pferde so unangenehm
als würden wir Menschen mit Schwimmflossen in
Wien spazieren gehen.
Weiters werden nicht wie bei allen „normalen“
Reitpferden die Eisen mit 6, sondern mit 8 Nägeln
an den Huf genagelt, somit verlieren die Pferde
nicht so leicht ihre Eisen, was bei starker Beanspruchung
im Betrieb leicht passieren könnte. Der Griff,
ein Eisensteg am Hufeisen, soll dazu dienen, dass
die Fiakerpferde weniger rutschen. Doch durch
den Griff und die Stollen steht das Pferd eigentlich
nur auf 3 Punkten, wodurch sie einen schlechteren
Halt haben.
Durch Eisen mit hohen Stollen und dem ewigen Gehen
auf Asphalt wird der Huf in seiner Hufmechanik
stark eingeschränkt, und es kann so leicht zu
einem Trachtenzwang kommen, der bei vielen Pferden
zu erkennen ist.
Fehlstellungen:
Oft werden billige Pferde aus östlichen Ländern
für den Fiakerbetrieb gekauft, die dann noch solange
eingesetzt werden, bis sie körperlich komplett
"verbraucht" sind. Hier findet man auch
immer wieder Pferde mit starken Fußfehlstellungen.
Für diese Tiere ist das ständige Gehen auf Asphalt
eine zusätzliche Belastung für Hufe und Gelenke.
b. In der „Freizeit“
- Anbindehaltung: Trotz Verbot der Anbindehaltung, gibt es noch
immer Stallungen in denen die Pferde noch immer
mit einem Strick angebunden stehen müssen. Sie
können daher im Stall keinen einzigen freien
Schritt machen, geschweige denn sich ihrer Natur
gemäß bewegen. (siehe: http://www.vgt.at/presse/news/2010/news20100608m.php)
- Kein freier Auslauf auf Koppeln:
Da es bei den meisten Betrieben keine Möglichkeit
eines freien Auslaufes gibt, können die Pferde
auch nie Sozialkontakte pflegen oder sich endlich
auf weichem Untergrund frei bewegen. Tiere, die
in der freien Wildbahn in großen Herden
zusammenleben, können sich in dieser Haltungsform
nie ihrer Art und Natur entsprechend verhalten.
- Zuwenig Licht: Zusätzlich
befinden sich einige Ställe in Kellern mitten
in der Stadt oder sind auch aus anderen Gründen
dunkel (z.B. verstellte oder enorm verdreckte
Fenster). Die Pferde leben dann - vor allem im
Winter - in absoluter Dunkelheit. Wie auch beim
Menschen gibt es bei Pferden eine sogenannte Winterdepression,
die sie bekommen, wenn sie zu wenig Sonnenlicht
sehen. Aufgrund dieser Dunkelhaltung können
die Fiakerpferde in Wien auch im Herbst und im
Frühjahr diese Depression bekommen.
- Fehlende Tränksysteme:
Eine Reihe von Betrieben hat keine Tränkanlage
für die Versorgung der Pferde mit Wasser.
Daraus ergibt sich, dass den Pferden nicht laufend
Wasser zur Verfügung steht.
- Fehlende oder zu spärliche Einstreu:
Immer wieder konnte beobachetet werden, dass den
Pferden in ihren Ständen oder Boxen kein
oder zuwenig Einstreu als Liegefläche zur
Verfügung gestellt wurde. Das Liegen auf
hartem Untergrund ist unangenehm und schadet der
Gesundheit der Pferde.
- Fehlendes Heu: Pferde sollten
ständigen Zugang zu Heu haben.
Fiakerschutzpaket
Im März 2009
hat die Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger
ein Fiakerschutzpaket veröffentlicht.
Es handelt sich hierbei um ein 7- Punkte Paket:
1. Verschärfung
der Fiakerfahrdienstprüfungsverordnung- Prüfungsgebiet
„Umgang mit Pferde“ wird erweitert
2. Tränken und Abkühlen mit Wasser
3. Strenge Schwerpunktkontrollen von Stadt
und Polizei – bei Vergehen Sanktionierungsmaßahmen
4. Verstärkung der Routinekontrollen
5. Null-Toleranz bei Alkoholisierung
6. Sonnendach bei Standplatz Burgtheater
7. Verbot der Anbindehaltung wird rigoros kontrolliert
– bei Verstoß droht Konzessionsentziehung
Kommentar des
VGT:
Neues Schutzpaket
für Fiakerpferde – hätte das nicht schon immer
so sein sollen? Fiakerpferde dürfen laut Fiakergesetz 14 Stunden täglich, 7 Tage die Woche, 365
Tage im Jahr für Kutschfahrten für Touristen „genutzt“
werden.
Man kann hier wirklich von einer Nutzung sprechen,
da auf das Wohlbefinden der Pferde nur wenig Rücksicht
genommen wird. Nicht nur dass ein 14 – Stunden
Arbeitstag für die Pferde erlaubt ist, auch die
Arbeitsbedingungen stellen eine Katastrophe dar.
Pferde, Fluchttiere, werden mit Ohrenstöpseln,
Scheuklappen und Geschirr zum ewigen Gehorsam gezwungen,
keine Möglichkeit das Leben zu genießen. Es darf
auch nicht vergessen werden, dass der harte Asphalt,
der Lärm in der Großstadt, die Hitze zusätzliche
Belastungen darstellen.
Viele Wiener und
Wienerinnen, die bei den Fiakerpferden immer wieder
vorbei gehen, erkennen das Leid der Tiere. Aber
scheinbar hat der Profit, der mit diesen Tieren
geschlagen wird, da sie als Tourismusattraktion
verwendet werden, einen höheren Stellenwert als
das Wohl der Fiakerpferde.
Tierschutzstadträtin
Frauenberger sieht dieses Problem, trotzdem ist
sie der Meinung, dass die Fiakerpferde zu Wien
gehören. Um das Leid der Tiere zu reduzieren, hat
die Stadträtin letzte Woche ein Schutzpaket für
Fiakerpferde präsentiert.
Der Verein Gegen
Tierfabriken begrüßt jegliche Verbesserung im Tierschutz,
und freut sich über das Engagement von Tierschutzstadträtin
Frauenberger. Ob diese Schutzpaket eine Erneuerung
ist oder ob es nicht eigentlich schon immer so
sein hätte sollen ist in Frage zu stellen.
Das Schutzpaket
für Fiakerpferde
Bei dem Schutzpaket
handelt es sich um ein 7- Punkte Programm.
1. Verschärfung
der Fiaker- Fahrdienstprüfungsverordnung – Prüfungsgebiet
„Umgang mit Pferden“ wird erweitert.
Es ist natürlich
zu begrüßen, wenn wirklich nur Menschen Verantwortung
für Pferde übernehmen,
die sich auch mit Pferden beschäftigt haben,
dadurch
das Verhalten, die Körpersprache erkennen
und auch richtig interpretieren können. In letzter
Zeit
wurde der Fiakerberuf oft als Studentenjob
angeboten.
Zu bedenken wäre aber auch eine neuerliche
Prüfung der schon tätigen Fiaker.
2. Tränken und
Abkühlen mit Wasser
Wir hoffen, dass
hier wirklich öfters Kontrollen durchgeführt werden,
aber es ist sehr schwer
nachzuprüfen, ob die Pferde getränkt wurden
oder nicht.
3. Strenge Schwerpunktkontrollen
von Stadt und Polizei – bei Vergehen Sanktionierungsmaßnahmen
Solche Schwerpunktkontrollen
hat es immer schon gegeben, der VGT hofft, dass
es
jetzt zu wirklichen
Kontrollen kommt und nicht zu „Auge
zudrück- Kontrollen“. Auch hier wird in der Überschrift
von Sanktionierungsmaßnahmen
gesprochen, meist sind das aber nur
Ermahnungen
und Anordnungen für Veränderungen,
wer kontrolliert aber ob diese Maßnahmen
wirklich gesetzt
wurden?
Bereiche wie die Arbeitszeit, die Fütterung,
das Geschirr, und das Schweifanbinden
sollen genauer
unter die Lupe genommen werden. Wie
schon oben erwähnt, hätte das nicht
schon längst
der Fall
sein können, die Gesetzte gibt es schon
lange, doch nie wurde kontrolliert.
Der VGT hofft,
dass jetzt diese Kontrollen wirklich
ernst genommen
werden.
Eine wichtige Erneuerung wäre jedoch
sich über die Arbeitszeiten Gedanken
zu machen,
14 Stunden
pro Tag sind eindeutig zuviel!!!
Deshalb fordert der VGT schon seit
langem eine Verkürzung der Arbeitszeiten
und
Urlaubstage.
4. Verstärkung
der Routinekontrollen
Während des Sommers
(über 30°) soll es mehr Kontrollen geben. Wie immer
ist
eine Kontrolle
nur eine
Momentaufnahme. Kontrolleure müssten
sich die Zeit nehmen öfters
am Tag und vielleicht auch längere
Zeit zu kontrollieren, um wirklich
einen Überblick
zu bekommen.
5. Null- Toleranz
bei Alkoholisierung
Ist es nicht
bedenklich, dass Kutscher, Menschen die eigentlich
Verantwortung
über andere
Lebewesen tragen – nicht nur
Pferde sondern auch Fahrgäste
– erst jetzt eine Null- Toleranz
gibt. Der VGT hofft, dass auch
hier eine
konsequente Vorgehensweise
zu sehen ist, und wirklich
auch die Kutscherberechtigung entzogen
wird.
Wer darf schon während
der Arbeitszeit Alkohol trinken?
6. Sonnendach
bei Standplatz Burgtheater
Der VGT begrüßt,
dass jetzt ein Schattendach beim Burgtheater
gebaut wird, allerdings
sollten die
anderen Standplätze nicht
vergessen werden. Egal
wo, die Pferde
sollten
immer Schattenmöglichkeiten
haben.
7. Verbot der
Anbindehaltung wird rigoros kontrolliert
– bei Verstoß
droht Konzessionsentzug
Auch hier hofft
der VGT auf effektive Kontrollen
mit
wirklich konsequenter
Durchführung.
Das Problem ist, dass
auch jetzt die Anbindehaltung
nur mit bestimmten
Auflagen
erlaubt ist.
Eine Auflage besagt,
dass
Pferde täglich freien
Auslauf bekommen
müssen. Zu kontrollieren,
ob sich das Pferd heute
für eine
viertel
Stunde
frei bewegen
konnte ist
schwer nachzuvollziehen.
Man ist von der Ehrlichkeit
der
Fiaker abhängig.
Alles in allem
ist es ein nettes Kontroll- Programm, doch eigentlich
sollte das gesamte Programm eine Selbstverständlichkeit
sein. Da aber der VGT immer wieder erkennt, dass
das Vollzugsdefizit ein großes Problem darstellt,
hoffen wir, dass die Tierschutzstadträtin ihr Paket
ernst nimmt und somit wirklich effektive Kontrollen
kommen werden.
Trotzdem darf
man nicht vergessen, dass es sich beim Schutzpaket
hautsächlich um Kontrollen handelt, wirkliche Verbesserungen
im Sinne der Arbeitszeit oder einer etwaigen Auslagerung
in grüne Regionen von Wien wurden leider nicht
angedacht.
Der VGT begrüßt die Verbesserungen, muss aber dennoch
sagen, dass Pferde in einer Großstadt fehl am Platz
sind, und das Deckmäntelchen des Tourismus wird
immer durchsichtiger. Viele Wiener und Wienerinnen
haben das schon durchschaut und erkennen das wahrhaftige
Leid der Pferde, was auch eine neue Umfrage verdeutlicht.
Es ist ein Wandel der Zeit, in vielen Städten wurden
Fiaker aus ethischen Gründen verboten, und auch
in Wien wird das irgendwann der Fall sein!
Fiakerpferde
und Sonne – eine heiße Diskussion
Es wird TierschützerInnen immer erklärt,
dass Fiakerpferde kein Problem hätten, am Standplatz
in der prallen Sonne zu stehen. Pferde seien Steppentiere,
Pferde sind Sonnentiere, Pferde lieben die Sonne
und sie können mit ihrem Fell die Körpertemperatur
gut regulieren.
So oberflächlich sollte aber an dieses Thema
nicht herangegangen werden. Richtig: Auch Fiakerpferde
stammen von Steppentieren ab, aber sie leben nicht
mehr in der Steppe, sondern eingespannt im Geschirr
an den Standplätzen mitten in Wien, ohne die
Möglichkeit einen freien Schritt zu setzen
- und das auch bei 30°C!
Jeder der vorbeigeht, ist schockiert und betroffen,
dass die Pferde keinen Schatten haben. Vielen wird
dann vorgeworfen, dass man die Pferde nicht vermenschlichen
dürfe, für die Pferde wäre das „eh
nicht so schlimm“. Aber die Pferde leben nicht
mehr in ihrer natürlichen Umgebung, sie wurden
von den Menschen in die Stadt geholt und ins Geschirr
gespannt ohne auf ihre Bedürfnisse einzugehen.
Und es stimmt, es wäre sehr wichtig den Fiakerpferden
eine Möglichkeit der Abkühlung zu bieten.
Fiakerpferde sind Sonnentiere, aber man darf die
zusätzliche Belastung der Stadt nicht unterschätzen.
Durch den Asphalt und die Häuser wird enorme
Hitze abgestrahlt.
In der Steppe suchen sich Pferde Plätze, wo
es ein bisschen Luftzug gibt, oder sie suchen einen
Schattenplatz auf, doch das können die Wiener
Fiakerpferde nie tun. Sie können sich nicht
einen kühleren oder windigeren Ort suchen,
denn sie müssen dort stehen, wo sie der Kutscher
abstellt, in der prallen Sonne.
Deshalb schlägt der Verein Gegen Tierfabriken Möglichkeiten
zum Schutz vor Hitze für Pferde vor, entweder
Sonnendächer oder Schattenplätze, oder zumindest
das Abspritzen der Hufe zur Kühlung.
Drogen
für Fiakerpferde
Pferde sind Steppentiere und dadurch natürlich
in keinster Weise an ein Leben in einer Großstadt
gewöhnt. Um Pferde überhaupt diesen gewaltigen Sinnesreizen
aussetzen zu können, wäre ein langsames Gewöhnen
notwendig.
Einige Fiakerunternehmen nehmen sich diese Zeit
und so gibt es z.B. ein Erstes Nachtfahrten, um
den Pferden so einen langsamen Einstieg in den Alltag
der Großstadt zu ermöglichen. Es gibt aber immer
wieder Pferde, die trotz aller Bemühungen nie mit
der Situation in der Stadt zurechtkommen.
Von einem großen Fiakerunternehmen wissen wir, dass
sich die Leute hier nicht die notwendige Zeit zum
Einfahren der Pferde nehmen. Hier greifen die BetreiberInnen
zu Sedalin, einem Beruhigungsmittel mit folgender
Wirkung: „…Durch seine zentralpsychomotorische Hemmung
führt es zur verminderten Erregbarkeit und verminderter
Motorik mit Erschlaffung der Muskulatur… Dieser
Zustand der relativen Indifferenz gegenüber der
Umwelt führt zur teilnahmslosen Gleichgültigkeit
mit reduzierter Schmerzempfindung, so dass Manipulationen
an dem und mit dem Tier mühelos möglich sind.“ (Quelle:
Arzneimittelcodex)
Dieses Arzneimittel ist in Österreich nicht mehr
für Pferde zugelassen, trotzdem findet es sich in
zumindest einer Stallapotheke wieder.
Es bedeutet Tierquälerei die Tiere dahingehend
zu beeinflussen, dass sie von ihrer Umgebung kaum
noch etwas mitbekommen. Pferde sind Fluchttiere,
sie verlassen sich auf ihre Ohren und ihre Augen.
Trotz dieser verminderten Wahrnehmungen, durch das
Beruhigungsmittel hervorgerufen, werden sie dann
im vollen Betrieb eingesetzt. Manchmal wird dieses
Medikament auch prophylaktisch bei Fiakerpferden
verwendet, damit sie leichter zu handhaben sind.
Es werden Tiere eingesetzt, die mit dem Lärm, den
Autos, den anderen Verkehrsmitteln und den vielen
Menschen – dem Alltag aller Fiakerpferde – nicht
zu Rande kommen. Das ist eindeutig Tierquälerei.
Zusätzlich zu der Einschränkung durch Scheuklappen,
und oft auch Ohrenstöpsel, wird dieses Beruhigungsmittel
verwendet.
Der VGT hat ein Fiakerunternehmen wegen regelmäßiger
Verabreichung von Sedalin angezeigt:
Tierschutzgesetz § 5 Verbot der Tierquälerei
(1) Es ist verboten, einem Tier
ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden
zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.
(2) Gegen Absatz 1 verstößt insbesondere,
wer [...]
12. einem Tier durch Anwendung von Zwang
Nahrung und Stoffe einverleibt, sofern dies nicht
aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich
ist; [...]
Sedalin wird als Paste verabreicht. Die Pferde
werden dadurch stark in ihren Wahrnehmungen beeinträchtigt,
so dass sie einem erhöhten Risiko im Straßenverkehr
ausgesetzt sind.
Der von uns angezeigte Fall lag schon einige Monate
zurück und das war ein ausreichender Grund für das
Wiener Veterinäramt, um dieser gut bezeugten schweren
Tierquälerei nicht nachzugehen. Zusätzlich ist es
sehr schwer, meint ein Amtstierarzt, Sedalin im
Blut nachzuweisen, und die Kosten für Blutproben
sind scheinbar zu teuer. Nach Angabe des Wiener
Veterinäramtes wird einer Anzeige erst dann nachgegangen,
wenn sich praktisch jemand selbst anzeigt, der das
Mittel also selbst verabreicht hat, oder wenn man
die FiakerbetreiberInnen „in flagranti“ dabei erwischt.
Anzeichen von einem Pferd, dem Sedalin verabreicht
wurde, sind: starkes Schwitzen, gläserner Blick
und bei Wallachen ausgeschlauchter Penis. Solche
Praktiken sind eindeutige Beweise dafür, dass Pferde
in der Großstadt überfordert sind, und dadurch der
Fiakerbetrieb mit Tierleid gleichzusetzen ist.
Eine andere Methode, Fiakerpferde ruhig zu halten
ist der Wasserentzug. Es ist uns aufgefallen, dass
manche Pferde auf den Standplätzen wenig bis gar
nicht getränkt werden. Wenn Tiere keine Flüssigkeit
aufnehmen können, wird ihr Körper schlaffer und
müder, wodurch sie ruhiger werden. Wasserentzug
ist Tierquälerei, bei Hitze sogar Folter.
Maulkörbe
Leider sieht man nun immer häufiger, dass Fiakerpferde
Maulkörbe umgebunden bekommen.
Einige Pferde sind der völlig unnatürlichen Belastung
nicht gewachsen. Aufgrund dieses teilweise täglichen
psychischen und physischen Stresses werden die Pferde
aggressiv, sie schnappen nach PassantInnen oder
nach ihren Pferdenachbarn. An manchen Tagen gehört
auch stundenlanges Stillstehen zum Tagesablauf,
als einzige Abwechslung bleibt das Beknabbern des
Geschirrs. Diese Tiere sind seelisch krank und bräuchten
zumindest eine Auszeit, um wieder ins Gleichgewicht
zu kommen. Einige Pferde können sich nie an diese
Belastung gewöhnen, diese gehören aus dem Fahrbetrieb
genommen. Doch stattdessen verpasst man ihnen einfach
einen Maulkorb und schon sind sie wieder für den
Fahrbetrieb tauglich.
Es gibt verschiedene Maulkorb-Modelle. Das billigste
schaut wie ein Plastikblumentopf aus, der bei den
Nüstern einfach zwei Löcher hat. Jeder der schon
einmal eine Faschingsmaske anhatte, weiß wie unangenehm
Plastik vor dem Gesicht ist und wie froh man ist,
diese wieder los zu werden, um vernünftig atmen
zu können. Die Pferde müssen es erdulden, auch während
der anstrengenden Fahrten. Ein anderes Modell besteht
aus einem engen Ledernetzwerk, dieses bedeckt die
kompletten Nüstern, zum Atmen muss die Luft die
durch die Ritzen kommt reichen!
In diversen Internet-Foren kann man auch lesen,
dass diese Maulkörbe zu aufgescheuerten Lippen bis
hin zur Blasenbildung führen können. Natürlich sind
diese Pferde auch in ihrem Sozialverhalten noch
stärker eingeschränkt.
Der VGT hat verschiedene Fiakerunternehmen, die ihren
Pferden Maulkörbe verpassen, wegen Tierquälerei angezeigt
und ist für ein Ende von Maulkörben!
Fiaker
in Zahlen
In Wien wurden 160 Konzessionen ausgestellt. Das
heißt, es sind 320 Pferde angemeldet. Eine
Konzession gilt immer für einen Fahrer, eine
Kutsche und 2 Zugpferde.
In der inneren Stadt gibt es 6 Standplätze.
Es ist genau geregelt wann welche Fiaker auf die
Standplätze auffahren darf. Die Kutschen müssen
mit sichtbaren Nummerntafeln ausgestattet sein,
zusätzlich gibt es noch Platzkarten.
Gesetzliche
Regelungen
a. Bundestierschutzgesetz
Die Haltung von Pferden in Österreich wird
durch das Bundestierschutzgesetz geregelt.
Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes sind:
- Gebäude und Stalleinrichtung:
Die Böden müssen rutschfest sein. Die
Liegeflächen eingestreut, trocken und so
gestaltet sein, dass alle Tiere gleichzeitig und
ungehindert liegen können.
- Bewegungsfreiheit: Die Anbindehaltung
ist verboten.
- Licht: Steht den Tieren kein
ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung,
müssen Ställe offene oder transparente
Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann,
im Ausmaß von mind. 3% der Stallbodenfläche
aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über
mind. Acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke
von mind. 40 Lux zu gewährleisten.
- Ernährung: Die Fütterungs-
und Tränkevorrichtungen sind so zu gestalten
und anzuordnen, dass die Tiere ungehindert fressen
und trinken können.
- Betreuung: Es ist sicherzustellen,
dass die Anbindevorrichtungen und Ausrüstungsgegenstände,
wie z.B.: Geschirre, Zaumzeuge, Zügel, Gebisse
oder Sattel, die Tiere nicht verletzen können
und ein ungehindertes Fressen und Misten ermöglichen.
Diese Einrichtungen sind regelmäßig
zu überprüfen und den Körpermaßen
der Tiere anzupassen.
b. Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz
Die Fiakerbetriebe in Wien unterliegen dem Wiener
Fiaker- und Pferdmietwagengesetz.
In diesem Gesetz wird genau geregelt wie lange die Betriebszeiten sind, wie die
Konzessionen ausgestellt werden und wie die Überprüfung
funktioniert.
- Der Betrieb von Fiakerunternehmen
und mit Pferden betriebenen Mietwagenunternehmen
– darunter sind die Tätigkeiten Anschirren,
Anfahrt zum Standplatz, Rundfahrten, Heimfahrt
vom Standplatz und Abschirren zu verstehen – ist
nur in der zeit von 9.00 Uhr bis 23.00
Uhr gestattet.
- Vorraussetzung für den Erwerb einer Konzession
ist unter anderem: Nachweis einer nicht bloß
vorübergehenden Verfügungsmöglichkeit
über die entsprechende Anzahl von Zugpferden
sowie Stallungen, die ein artgerechtes Halten
der Zugpferde ermöglichen.
- Es gibt noch zusätzliche Verordnungen
zu diesem Gesetz, die folgende Punkte regeln:
- Höchsttarife und Routen
- Prüfung der Fiaker
- Betriebsordnung
- Straßenreinigungsaufwand
- Eignungsvoraussetzungen für Fiaker
Unfälle
mit Fiakern
Die regelmäßig auftretenden Unfällen beweisen,
dass die Fiakerpferde dem Stress nicht gewachsen
sind. Kleinste nicht vorhersehbare Zwischenfälle
können diese Fluchttiere in Panik versetzen, so
dass es für die KutscherInnen nicht mehr möglich
ist, diese Tiere unter Kontrolle zu halten:
- 24.05.2010: http://topzeitung.wordpress.com/2010/05/25/5347/
- 17.06.2010: http://www.nachrichten.at/nachrichten/chronik/art58,91062
- 02.06.2010: http://www.meinbezirk.at/1010InnereStadt/bez_114/channel_1-9/chsid_1/uid_16830/id_724437
- 05.04.2010: http://www.wienweb.at/content.aspx?menu=1&cid=170649
- 01.01.2009:
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/1709105/index.do
- 17.10.2008/orf.at http://wien.orf.at/stories/315403/
- 02.10.2007
/ orf.at: Motorradpolizist gegen Fiaker geprallt
- 29.09.2007
/ orf.at: Fiakerpferd verendete während der Fahrt
- Jänner 2007:
Bei einem Fiakergespann gingen Donnerstagabend
in der Salzburger Innenstadt die Pferde durch.
Die Pferde rannten mit dem Gespann vom Domplatz
auf den Residenzplatz. Dort streiften sie den
BMW eines Salzburgers und beschädigten ihn stark
an Motorhaube, Dach und der gesamten linken Seite.
Der Fiaker wurde leicht verletzt.
- Dezember 2006:
Fiakerkollision: Pferd verletzt. Zwei Fiaker wurden
Dienstagnachmittag in einen Unfall bei der Technischen
Universität in Wieden verwickelt. Dabei wurde
laut Zeitungsmeldungen ein Pferd verletzt.
- Juni 2006:
Passiert ist der Unfall auf der Dampfschiffstraße
im Wiener Bezirk Landstraße. Die Tiere stürzten
so unglücklich, dass sie verkeilt auf der Straße
zu liegen kamen und vom Kutscher allein nicht
befreit werden konnten. Die Feuerwehr musste schließlich
die Tiere aus ihrer Zwangslage bergen: Die Lederriemen
der Geschirre wurden durchtrennt und die Kutsche,
die teilweise über den Tieren stand, zurückgeschoben.
Die genaue Unfallursache ist noch nicht klar.
Möglicherweise sind dem Kutscher die Zügel gerissen,
die Pferde gingen mit dem Wagen durch. Eine Kurve
wurde dem Gespann zum unüberwindbaren Hindernis,
die Tiere stürzten.
- Juni 2006:
Dieser Unfall ereignete sich in Salzburg. Die
Tiere, die vermutlich wegen eines Windstoßes gescheut
hatten, prallten gegen eine Lärmschutzwand. Dabei
brach die Deichsel der Kutsche. Die Pferde rannten
weiter, die Fiakerin stürzte kopfüber auf den
Asphalt. Dabei erlitt die Frau schwere Kopfverletzungen.
Sie wurde ins Unfallkrankenhaus gebracht. Feuerwehrleute
der Berufsfeuerwehr konnten die beiden Pferde
wieder einfangen.
- 08.03.2006 / orf.at: Spektakulärer
Fiakerunfall
- 19.05.2003 / wienweb: Fiaker:
Pferde drehten durch
- 05.05.2003 / wienweb: Unfall:
Fiaker rammte Auto
- 02.03.2003 / wienweb: Fiaker:
Horrortrip auf dem Ring
- 14.11.2002 / wienweb: Kutscher
bei Fiaker-Unfall schwer verletzt
- 23.05.2002 / wienweb: Fiakerpferd
verunglückt: Tier musste eingeschläfert
werden
Sonstiges
Natürlich gibt es nicht nur tierschutzrelevante
Probleme mit den Fiakerpferden.
- Verschmutzung durch Kot: Die
Pferde verschmutzen mit ihrem Kot die Stadt. Die
Fiaker müssen zwar ihren Tieren Auffangvorrichtungen
für den Kot montieren, aber es gibt auch
Ausnahmen. Diese müssen dann pro Pferd €
2.775,- jährlich für den Straßenreinigungsaufwand
zahlen.
- Starke Abnutzung der Straßenbelege:
Es wird der Asphalt und die Kopfsteinpflaster
auf den Wiener Straßen durch die Kutschenräder
und die Hufeisen der Pferde zerkratzt.
- Behinderung des KFZ-Verkehrs:
Zusätzlich stellen viele Kutschen im Verkehr
eine eindeutige Fahrbehinderung dar, gerade in
der Stoßzeit kommt es immer wieder zu Problemen.
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