TIERSCHUTZ-THEMEN RINDER FAKTEN
Druckversion: mit Bildern | nur Text

Fakten

Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Studien über das Verhalten von Rindern. So beweisen sie ihre Intelligenz durch besondere Neugier. Sie bilden individuelle Freundschaften, sodass man auf jeder Weide beobachten kann, dass zwei bestimmte Tiere immer nebeneinander grasen oder nahe beieinander liegen. Befreundete Tiere betreiben auch gegenseitige Körperpflege.

Der Verhaltensforscher Hans Hinrich Sambraus von der Technischen Universität München räumt den Kühen die gleiche Intelligenz wie Pferden ein. Bei der Geburt zeigen die älteren Tiere den jüngeren wie es geht. Erfahrene Mütter stellen sich schon früh auf die nahe Geburt ein und so wird oft schon vor der Geburt der Lockruf geübt. Kommt das Kleine dann zur Welt wird es sofort trocken geleckt. Dadurch wird die sogenannte Prägung hergestellt und dieses Verhalten dient auch gleichzeitig zur Vorbeugung vor Krankheiten. So erkennt die Mutter schon nach einem Tag ihr Kind am Geruch – und wehe es traut sich ein anderes Tier an ihr Euter, das wird mit dezenten Tritten verscheucht. Nach gut einer Woche kann die Mutter ihr Kleines auch an der Stimme aus einer Gruppe von Kälbern heraushören und nach zwei Wochen erkennt sie es auch am Aussehen.

Doch was von all dem können die Kühe in Österreichs Ställen ausleben?

1. Kühe missbraucht für die Milchwirtschaft

Teilweise durch Fütterung mit Kunstnahrung (konzentrierte Getreide-Protein-Pellets), teilweise durch Selektionszucht, wurde die jährliche Milchleistung einer Milchkuh von durchschnittlich 1.500 l (1959) auf über 6.000 l forciert. Das ist mehr als fünfmal so viel wie ein Kalb benötigt, das von seiner Mutter gestillt wird.

Um diesen enormen Milchfluss aufrecht zu erhalten ist die Kuh gezwungen jedes Jahr ein Kalb zur Welt zu bringen. So muss sie jährlich die Tortur der künstlichen Besamung über sich ergehen lassen (teilweise mit vorhergehender Hormonbehandlung, damit das teure Sperma auch sicher befruchtet). Die Schwangerschaft dauert ähnlich wie bei den Menschen neun Monate. Auch während dieser Zeit wird bis zum 7. Monat gemolken, in den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft ist die Milchproduktion unterbrochen, dies wird auch als „Trockenstehzeit“ bezeichnet.

In den schlimmsten Fällen wird der Mutter ihr Kind schon ein paar Stunden nach der Geburt weggenommen. Die Milch ist für die Menschen reserviert, das Kalb muss sich mit einem sogenannten Milchaustauscher begnügen.

Der Verlust ihres Kindes ist für die Mutterkuh ein völlig traumatisierendes Erlebnis. Tagelang ruft sie nach ihrem Kleinen. Das erschütternde Klagen der Kühe ist ein vertrauter Klang auf dem Land. Das Kalb wird der Mutter so früh (jedenfalls vor dem vierten Lebenstag) abgenommen, damit sie noch keine zu enge Bindung aufgebaut hat. Ansonsten würde sich ihre Verzweiflung noch viel länger hinziehen. Wie das Kalb ohne seine Mutter zurechtkommt, steht auf einem anderen Blatt.

Die Mutterkuh wird zweimal täglich an die Melkmaschine angeschlossen um den Milchfluss noch weiter anzuregen und aufrechtzuerhalten. Ein Kalb würde natürlich wesentlich öfter saugen. Und so wird eine der empfindlichsten Stellen der Kuh Tag für Tag auf äußerst unsensible Weise berührt und missbraucht. Den Milchfluss anzuregen, obwohl der Nachwuchs teilweise schon tot ist, erscheint aufs tiefste abstoßend und es fügt der physischen Verletzung die seelische Qual hinzu.

Nach etwa drei Schwangerschaften mit einem Alter von ca. 5 Jahren (das entspricht einem menschlichen Alter von ca. 20 Jahren) ist die Kuh ausgelaugt und krank. Sie weiter als Milchmaschine zu nutzen rentiert sich nicht mehr und das letzte Geld, das aus ihr geschlagen werden kann, ist das Blutgeld vom Schlachter. Oft sind Teile der Organe durch den ständigen Medikamentenmissbrauch vergiftet und nicht mehr verwertbar. Der Rest der Kuh wird zu Wurstwaren und anderen minderwertigen Fleischprodukten verarbeitet.

Rund 90 % der Milchkuhbetriebe haben in Österreich darüber hinaus die ständige Anbindehaltung. Das bedeutet die Kuh ist am Kopf mit einer Kette oder zwischen zwei Metallstäben fixiert. So bleibt das Aufstehen und Niederlegen die einzige Bewegung, die noch möglich ist. Nicht einmal Einstreu ist vom Gesetz verpflichtend vorgeschrieben und so liegen sie dann auf dem harten Betonboden.

Teilweise sorgt ein Kuhtrainer (das ist ein Elektrobügel, der knapp über dem Widerrist der Kühe angebracht ist) dafür, dass die Kühe beim Koten einen Schritt nach hinten machen und die Exkremente gleich in die Kotgrube fallen.

Leider ist es auch bei kontrollierten Biobauernbetrieben gängige Praxis die Kälber von ihren Müttern zu trennen. Mutter-Kind-Haltung gibt es hier nur bei Rindern, die zur Fleischgewinnung gehalten werden.

Was hat das neue Bundestierschutzgesetz gebracht?

Der Einsatz von Kuhtrainern ist in allen Betrieben weiterhin erlaubt, die bis zum 1. Jänner 2005 bereits einen Kuhtrainer hatten. Allerdings dürfen diese auch dann nur höchstens einen Tag pro Woche eingeschaltet sein. Es ist verboten Kuhtrainer neu zu installieren.

Auch die ständige Anbindehaltung ist laut dem neuen Gesetz nicht mehr erlaubt. Milchkühe müssen an mindestens 90 Tagen im Jahr Auslauf haben, außer „zwingende technische oder rechtliche Gründe“ sprechen dagegen. Es gibt aber sowohl konkrete Ausnahmen für kleine und mittlere Betriebe, als auch unerträglich lange Übergangsfristen für entsprechende bauliche Veränderungen bei bestehenden Betrieben.
So ist zu befürchten, dass mehr Betriebe Ausnahmen bekommen werden, als sich an das Verbot halten müssen. Da es bei uns hauptsächlich eher kleine Betriebe gibt, werden sehr viele Ausnahmen beantragen. Warum allerdings eine Kuh, die zu viert angekettet ist, weniger dringend Auslauf brauchen soll, als eine Kuh in einem Stall mit 100 Leidensgenossinnen, ist nicht zu verstehen.

Folgende Eingriffe sind nach dem Tierschutzgesetz weiterhin erlaubt:

  1. Die Enthornung oder das Zerstören der Hornanlage, wenn
    a. der Eingriff bei bis zu zwei Wochen alten Tieren durch Ausbrennen mit einem Brennstab erfolgt
    b. der Eingriff durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung durchgeführt wird
  2. Das Kupieren des Schwanzes von Kälbern im Ausmaß von höchstens 5cm, wenn der Eingriff durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung durchgeführt wird und eine betriebliche Notwendigkeit zur Minderung der Verletzungsgefahr für die Tiere gegeben ist.
  3. Das Kastrieren männlicher Rinder; dieser Eingriff muss vom Tierarzt nach Betäubung durchgeführt werden.

 

2. Häufige Krankheiten der Milchkühe, ausgelöst durch die hohe Milchleistung und den maschinellen Milchentzug

(von Cristeta Brause, Tierärztin und Vorstandsmitglied bei Menschen für Tierrechte – Tierversuchsgegner Hessen e.V., Deutschland)

Betroffen sind hier vor allem der Stoffwechsel, die Euter- und Klauenkrankheiten, sowie der Verdauungstrakt.

2.1 Euterkrankheiten und Schäden

Das Euter als das Organ der Milchproduktion ist durch Selektion auf Hochleistung, sowie durch den maschinellen Milchentzug, vielfältigen Schädigungen ausgesetzt, sodass jede Milchkuh als euterkrank zu bezeichnen ist.
Die verschiedenen natürlichen Formen und Größen von Euter und Zitzen sind „unerwünscht“, weil sie melktechnische Probleme mit sich bringen. Deshalb wird bei Milchkühen züchterisch das sogenannte „Melkmaschinen-Euter“ angestrebt.

Eutergröße

Schon die Eutergröße hat bei Milchkühen folgende Probleme zur Folge:

  • Behinderungen der Kuh beim Gehen, sich hinlegen und aufstehen.
  • Intertrigo (Flexuriales Ekzem) an den Innenseiten der Oberschenkel durch ständiges Aneinanderreiben von Euter- und Oberschenkelhaut. Es können Nekrosen (Gewebstod), sowie Infektionsausbreitung in tieferen Muskelschichten des Beines als mögliche Komplikationen auftreten.
  • Erhöhte Verletzungsgefahr für das Euter (durch Tritte von Nachbarkühen bei engen Liegeflächen im Stall z.B.).
  • Reduktion von örtlichen bindegewebsassoziierten Abwehrzellen durch Selektion auf mehr Drüsengewebe zu Ungunsten des Bindegewebes.

Maschineller Milchentzug

Auch bei ordnungsgemäß funktionierenden Melkmaschinen führt der maschinelle Milchentzug zu einer erheblichen mechanischen Belastung aller anatomischen Zitzenanteile. Dies ist in den noch ungelösten technischen Problemen auch bei den heute gebräuchlichen Melkmaschinen begründet. Hierzu gehört u.a. die Entstehung von Vakuumschwankungen durch nicht exakt verschließbare Zitzengummis in den Melkbechern. So findet beispielweise beim Pulszyklus, der aus einer Saug- und einer Entlastungsphase (Auf- und Abbau des Betriebsvakuums) besteht, in der sog. „Entlastungsphase“ tatsächlich gar kein Vakuumabfall sondern der Aufbau eines Zitzenvakuums durch im Schlauchsystem hin- und herpendelnde Milchpfropfen statt! Es liegt in diesem zu unrecht als „Entlastungsphase“ bezeichneten Abschnitt des Pulszyklus die Vakuumhöhe sogar über dem Wert des Betriebsvakuums und belastet die Zitze noch mehr als der eigentliche Saugakt!

Zu diesen an sich schon nicht hinnehmbaren Belastungen für die Zitzen der Kuh gesellen sich leider noch die vielen vermeidbaren technischen Fehlfunktionen von Melkmaschinen, wie sei bei Überprüfungen von Melkanlagen immer wieder vorgefunden werden.

So entstehen an den Zitzen allein durch den maschinellen Milchentzug:

  • Störungen der Blutzirkulation
  • Entzündungen der Zitzenschleimhaut oder der gesamten Zitze
  • Entzündungen der Milchgänge
  • Blutmelken
  • Hyperkeratosen
  • Ausstülpung der Zitzenschleimhaut aus dem Strichkanal
  • Zirkulärwunden an der Zitzenbasis
  • Strichkanalverletzungen
  • Nekrosen (Gewebstod) an der Zitzenspitze

Der Landwirt versucht nicht selten selber die sogenannte „Hartmelkigkeit“ durch Manipulation mit diversen Gegenständen wie Federkielen, Haarnadeln etc. in der Zitze zu „therapieren“, was oft erst recht zu weiteren Schäden an den Zitzen führt. Erweist sich eine Zitze durch oben beschriebene Schäden als melktechnisch untauglich, so wird das Tier meist geschlachtet.

Mastitis (Entzündung der Milchdrüse)

Bei den Mastitiden der Milchkuh handelt es sich um Entzündungen der Milchdrüsen und Milchgänge. Als Erreger werden hier Bakterien, Pilze und Algen angetroffen. Die Erregerinvasion in das Euter erfolgt in den meisten Fällen galaktogen (durch den Strichkanal in die Zitze und von da aufwärts).

Es ist davon auszugehen, dass jede Milchkuh eine Mastitis hat!

In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um die subklinische Form, die durch das Fehlen klinischer Symptome bei gleichzeitig vermehrtem Auftreten von Keimen und/oder somatischen Zellen in der Milch gekennzeichnet ist und jederzeit in die klinische Form übergehen kann.

Die klinischen Formen unterscheiden sich je nach Erreger- und Entzündungsart und reichen von relativ harmlos erscheinender örtlicher Entzündung über hoch schmerzhafte Entzündungen bis hin zur lebensbedrohlichen, fieberhaften Allgemeininfektion bzw. Intoxikation.

Die Infektion der Milchdrüse wird eindeutig durch die hohe Milchleistung selbst, sowie durch den maschinellen Milchentzug, begünstigt.

2.2 Klauenerkrankungen

Für die Produktion von 1 Liter Milch müssen 400 Liter Blut durch das Euter fließen!

Die Blutumverteilung in das Hochleistungsorgan Euter bewirkt natürlich in anderen Körperregionen ein entsprechendes Durchblutungs-Defizit, da das Gesamtblutvolumen der Kuh ja konstant bleibt.

Zu diesen anderen minder durchbluteten Regionen des Körpers gehören maßgeblich die Klauen der Kuh. Und schon alleine dieser Umstand begünstigt natürlich Folgeschäden an den Klauen.

Klauenrehe (Entzündung der Klauenlederhaut)

Für die Entstehung dieser Erkrankung werden Ursachen verantwortlich gemacht, die wiederum erst oft durch die Nutzungsart der Milchkuh entstehen: Schädigung des Organismus durch Toxine bei Pansenübersäuerung, Gebärmutterentzündung, Nachgeburtsverhalten und Mastitis, sowie durch Fütterungsfehler und mechanische Fehlbelastung der Klauen.

Das klinische Bild dieser hoch schmerzhaften Erkrankung entspricht dem der Hufrehe beim Pferd. Es besteht auch hier die Gefahr einer vollständigen Ablösung des Hornschuhs durch auf Gefäßschäden beruhender Ödembildung in der Klauenlederhaut.

Rusterholz’sches Sohlengeschwür

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um ein umschriebenes Geschwür am Übergang zwischen Trachten- und Sohlenhorn der Klaue. Dieses Geschwür kann sich in die Tiefe der Zehen fortsetzen und Gelenke, Sehnen etc. mit zerstören. Es tritt am häufigsten bei Milchkühen an den Außenklauen der Hinterbeine auf, und es ist nachgewiesen, dass seine Entstehung durch den schwankenden Gang der Kühe mit großem Euter begünstigt wird. Bei dieser Gangart „um das Euter herum“ wird nämlich die hintere Außenklaue übermäßig stark belastet, was zu einer druckbedingten Minderdurchblutung der Klauenlederhaut führt. Dies wiederum bewirkt das Wachstum von minderwertigem Horn, in welches Bakterien leichter eindringen können.

2.3 Erkrankungen der Verdauungsorgane

Pansenazidose (Pansenübersäuerung)

Durch die Verabreichung von leichtverdaulichem, kohlenhydratreichem und damit nicht wiederkäuergerechtem „Milchleistungs-Futter“ wird die Kuh der Gefahr ausgesetzt, eine Pansenazidose durch zu hohe Konzentration flüchtiger Fettsäuren im Pansen zu erleiden. Hierbei sterben die nützlichen Pansenbakterien zu Gunsten einer unphysiologischen Bakterienbesiedlung ab. Die Pansenschleimhaut wird durch den Säureangriff schwer geschädigt und kann ihre Schranken-Funktion zwischen Panseninhalt und Blutbahn nicht mehr aufrechterhalten. Es kommt schlimmstenfalls zu einem Übertritt von toxischen Stoffen und Säuren in die Blutbahn, was für die Kuh den sicheren Tod bedeutet.

Labmagenverlagerung

Der Labmagen des Wiederkäuers ist in seiner anatomischen Lage nicht besonders befestigt und kann bei Aufgasung im Tierkörper entlang der Bauchwand nach oben verlagert werden. Diese Labmagenverlagerung geht mit entsprechenden Abschnürungen der Blutgefäße einher. Dauerhaft kann dieses Leiden nur durch eine operative Fixierung des Labmagens in seiner anatomisch korrekten Position therapiert werden.
Die als Ursache diskutierten Faktoren der Labmagenverlagerung, wie die „Leistungs“ – Fütterung gepaart mit einer auf latentem Kalzium-Mangel beruhenden Muskelatonie des Labmagens, weisen deutlich auf den Zusammenhang zwischen Milchleistung und dieser Erkrankung hin. Die Häufigkeit der Labmagenverlagerung pro Patientenaufkommen ist synchron zur Entwicklung der Hochleistungskuh innerhalb der letzten 30 Jahre steil angestiegen.

2.4 Stoffwechselerkrankungen

Da der Organismus einer Kuh weder die Menge der produzierten Milch noch deren Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen ändern (also in Belastungssituationen auch nicht reduzieren) kann, ist die Milchkuh für Stoffwechselentgleisungen prädestiniert. Im wesentlichen bezieht sich dies auf die Entwicklung folgender vier Krankheitsbilder:

i) Die Ketose

Die Kuh als Wiederkäuer hat einen besonderen Energiestoffwechsel, der ihr nicht ermöglicht, einen höheren Energiebedarf über kohlenhydratreicheres Futter zu decken, da Kohlenhydrate bereits im Pansen durch Bakterien abgebaut und als „flüchtige Fettsäuren“ resorbiert werden. Von diesen wiederum kann lediglich nur ein Teil überhaupt zu Glukose umgebaut werden, die dem Tier dann erst in entsprechend geringem Umfang als Energielieferant zur Verfügung steht. Folglich ist auch der Wiederkäuer für das Erbringen von großen physischen Leistungen an sich nicht geschaffen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Milchproduktion der Kuh ganz erhebliche, mit hohem Energieverbrauch einhergehende, Leistungen abverlangt. Unter anderem muss der stets zu 5% in der Milch enthaltene Milchzucker aus dem ohnehin schon wenig vorhandenen Blutzucker des Tieres hergestellt werden.

Für eine hohe Milchleistung beträgt der tägliche Energieverbrauch der Kuh schnell das drei- bis vierfache des Erhaltungsbedarfs!

Ab einer täglichen Milchleistung von 30kg übersteigt die Energieabgabe über die Milch das Energieaufnahmevermögen der Kuh und es entsteht immer eine Ketose als Zeichen dieser Energiemangelsituation mit Abfall des Blutzuckerspiegels bei gleichzeitigem Anstieg von Ketonkörper im Organismus. Die Energielücke versucht der Körper durch Mobilisierung durch Körperfette als Ersatz-Energiequelle zu schließen, was die Bildung einer Fettleber mit den daraus entstehenden Komplikationen nach sich zieht. Im Endstadium findet auch ein Abbau von körpereigenem Eiweiß statt. Die Ketose führt ohne entsprechende Substitutionstherapie über ein Koma zum Tod des Tieres.

ii) Das „Fat-Cow-Syndrome“ und die Leberverfettung

Die Fütterung mit „Leistungsfutter“ in der Trockenstehzeit (d.i. die Phase, in der die Milchproduktion in den letzten zwei Schwangerschaftsmonaten unterbrochen wird) führt einerseits zu einer generellen Verfettung der Tiere mit diversen Folgeproblemen.

iii) Die Hypokalzämie (Hypokalzämische Gebärparese)

Diese Erkrankung tritt meist um den Zeitpunkt des Abkalbens auf und ist in einem massiven Abfall des Blutkalziumspiegels durch Bereitstellung großer Kalziummengen für die in das Euter einschießende Milch begründet. Denn auch der Kalziumgehalt der Milch ist konstant und führt bei größeren Milchmengen dazu, dass die Kuh die erforderliche Menge an Kalzium (bis zum 6-fachen des Erhaltungsbedarfs) nicht so schnell aus natürlichen Speichern des Körpers mobilisieren kann. Folglich wird das im Blutkreislauf befindliche Kalzium in die Milch abgegeben, was eine Reduktion bzw. einen Stillstand aller Kalzium-abhängigen Funktionen des Organismus zur Folge hat. Insbesondere sistiert die Erregungsübertragung an Nerven- und auch Herz-Muskelzellen, sodass das Tier dort entsprechende Lähmungserscheinungen erleidet, die ohne Kalzium – Substitution von außen ebenfalls in ein Koma und schließlich zum Tod führen.

iv) Die Hypomagnesämie (Weidetetanie)

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen Abfall des Blutmagnesium-Spiegels, insbesondere durch die Aufnahme von eiweißreichem und magnesiumarmem Futter (z.B. junges Gras), welches noch die Magnesiumresorption über die Pansenschleimhaut beeinträchtigt. Da gleichzeitig eine Magnesium-Abgabe über die Milch stattfindet, weil auch der Magnesiumgehalt hier nicht steuerbar ist, sind wiederum besonders die Hochleistungstiere unter den Kühen gefährdet, an der Weidetetanie zu erkranken. Durch die antagonistische Wirkung des Magnesiums zu Kalzium dominiert hier das klinische Bild von Krämpfen, die bei Fortschreiten der Krankheit ebenfalls zum Tod des Tieres führen können.

3. Mögliche Auswirkungen des Milchkonsums auf die Gesundheit

Dass Milch wegen ihres hohen Kalziumgehalts besonders gesund sei, oder sich gar positiv auf den Knochenaufbau auswirken könnte, ist eine Annahme, die wissenschaftliche Studien mittlerweile widerlegt haben (z.B. eine Studie der Universität von Kalifornien, 2001).

Tierliche Produkte enthalten neben Kalzium auch viele schwefelhaltige Aminosäuren und sind sehr phosphatreich, was zu einer erhöhten Kalziumausscheidung führt. Bezeichnend ist hier, dass ausgerechnet die klassischen Milchländer wie USA, Großbritannien, Norwegen, Schweden und Finnland die höchsten Osteoporoseraten aufweisen. Hingegen ist bei Bevölkerungsgruppen, die keinerlei Milchprodukte zu sich nehmen (wie z.B. bei den afrikanischen Bantu-Frauen), diese Krankheit nahezu unbekannt.

Eine im August veröffentliche Studie der Harvard Universität hat ergeben, dass bei MilchtrinkerInnen ein um 32% höheres Risiko an Prostatakrebs zu erkranken besteht.

Und WissenschaftlerInnen der Harvard Medical School konnten im Rahmen der Nurses Health Studie bei hohem Milchkonsum eine Zunahme des Risikos für Eierstocktumore um 44 % feststellen. Bei Frauen, die täglich zwei oder mehr Gläser Milch getrunken hatten, lag die Zunahme sogar bei 66 %.

Auch für Kinder ist der Milchkonsum nicht ungefährlich. Besonders besorgniserregend ist hier die Zunahme der Diabetes. Für einen Zusammenhang zwischen dem Typ 1-Diabetes und dem Milchkonsum gibt es inzwischen so ernstzunehmende Hinweise, dass die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde eine Warnung formulierte: Die frühe Gabe von Kuhmilch bei Säuglingen sei mitverantwortlich für die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen.

Auch am zunehmenden Auftreten von Allergien ist der Milchkonsum beteiligt. Rund zwei Prozent aller Kinder über zwei Jahre haben eine akute Kuhmilchallergie, was im zunehmenden Alter das Risiko für andere Lebensmittelallergien zusätzlich erhöht. Bei 20 % der Neurodermitiskranken sind Lebensmittelallergien vorhanden, bei denen Kuhmilch die Hauptrolle spielt.

Genau genommen ist Milch ein Drüsensekret. 1 ml Rohmilch enthält durchschnittlich 363.000 weiße Blutkörperchen und 24.400 Bakterien – ähnlich einer verdünnten Eiterflüssigkeit.

4. Das Mastkalb

Etwa mit acht Tagen kommt das Kalb in die Mastanstalt. In den meisten Fällen steht es hier alleine in einem Holzverschlag auf einstreulosem Lattenrost, der sogenannten Kälberbox. Prof. Bernhard Grzimek sagte darüber: “.....die den Maßen der Tiere wie ein Sarg angepasst ist“. Kein Körperkontakt, keine Beschäftigungsmöglichkeit, geschweige denn Bewegungsfreiheit. Aufstehen und Niederlegen sind auch hier das Einzige, das den Tieren zu tun bleibt.

Vorne können sie den Kopf herausstrecken um von einem Eimer mit Saugvorrichtung mehrmals täglich eine warme, fette, weiße Brühe zu trinken. Die Kälber leiden ständig unter Durst. Da sie auch bei der größten Hitze kein Wasser bekommen, müssen sie immer mehr von dem Milch-Austausch-Brei (besteht aus Magermilchpulver, billigen Fettsorten wie Talg und Walfett und Salz und enthält bis zu 32 % Fett, Kuhmilch zum Vergleich hat ca. 4 % Fett) trinken. Bis zu 15 Liter täglich und wenn alles optimal klappt, nehmen sie so die gewünschten 1400 Gramm täglich zu (ein natürlich lebendes Kalb nimmt am Tag ca. 700 Gramm zu).

Auf diese Weise werden sie zu einem Gewicht von ca. 250-280 kg gemästet. Biologisch gesehen sind sie zu diesem Zeitpunkt schon längst junge Rinder. Aber durch das Futter und die Haltung ist es tatsächlich möglich, bei den Tieren bis zu ihrer Tötung im Alter von ca. fünf Monaten, das weiße, verkaufsfördernde Baby-Fleisch zu erhalten.

Ab einem Gewicht von ca. 70 kg bräuchten die Kälber Raufutter, das fördert die Bildung des Pansenmagens, der die Aufschließung der Vitamine ermöglicht. Das ist allerdings unerwünscht, da das Fleisch dadurch einen rosa Schimmer bekommt. So verkümmern bei diesen Mastkälbern die Vormägen, Pansen, Haube und Blättermagen. Der künstliche Säugling wird gar nicht erst zum Wiederkäuer!

Diese Tierkinder werden durch absichtliche Fehlernährung auch künstlich blutarm gemacht. Er bekommt kein Eisen und kein Wasser. Protein und Eisen bilden zusammen Hämoglobin, das den Sauerstoff im Blut von den Lungen zu den Organen und Geweben transportiert, auch dadurch würde rosafarbenes Fleisch entstehen. Die Wände der Kälberboxen enthalten auch keine Metallstäbe, da die Kälber daraus beim Ablecken Eisen erhalten könnten.

Dass die Kälber in der Massentierhaltung grundsätzlich krank sind, bestätigen zahlreiche Fachleute. Die eingezwängten, falsch ernährten Tiere leiden an Blutarmut, an Eisenmangel, an Durchfall, Verhaltensstörungen, und Kreislauf- und Atembeschwerden, sie müssen ja ununterbrochen über ihren eigenen Ausscheidungen leben und somit die Luft mit dem hohen Ammoniakgehalt einatmen.

Hinzu kommt die seelische Qual der kompletten Isolation. Rinder sind Herdentiere. Für viele Kälber ist das alles zu viel und sie sterben frühzeitig (etwa 15 %), obwohl versucht wird, dem durch die reichliche Abgabe von Medikamenten entgegenzuwirken. Dazu gehören Antibiotika, Sulfonamide und Medikamente, die gegen Krankheitserreger vieler Arten helfen sollen.

Auch der illegale Einsatz von Hormonen und Masthilfsmitteln hat in den letzten Jahren immer wieder zu Skandalen geführt.

Antibiotika erweisen sich als mastfördernd. Trotz Futtereinsparung von 8-10 % ergibt sich bei Antibiotikabeimischung eine Gewichtszunahme von bis zu 15 %. Nebenwirkungen sind Skelettdeformationen und Stoffwechselerkrankungen. Östrogene sind reine Masthilfen. Bis 1980 wurde meistens Diäthylstilböstrol verwendet. Mittlerweile ist bestätigt, dass dieses Mittel krebserregend ist. Jetzt ist es nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

Was hat das neue Bundestierschutzgesetz für die Mastkälber gebracht?

  • Die Anbindehaltung von Kälbern ist verboten.
  • Für Kälber bis 150 kg muss eine weiche, trockene und verformbare Liegefläche vorhanden sein.
  • Die Einzelbuchten (Kälberboxen) müssen einen direkten Sicht- und Berührungskontakt mit Artgenossen ermöglichen.
  • Über acht Wochen alte Kälber müssen in Gruppen gehalten werden. Es gibt auch hier wieder eine Ausnahme für die kleinen Betriebe. Wenn ein Betrieb weniger als sechs Kälber hat, darf er diese weiter einzeln halten.
  • Ab Beginn der zweiten Lebenswoche muss Raufutter mit ausreichendem Rohfasergehalt in steigender Menge zur Verfügung gestellt werden.
  • Über zwei Wochen alte Kälber müssen über die Milch- und Milchaustauschgetränke hinaus Zugang zu geeignetem Frischwasser oder anderen Flüssigkeiten in ausreichender Menge haben, um ihren Flüssigkeitsbedarf decken zu können.
Eine Milch-Kuh bringt etwa 3 Kälber zur Welt bevor sie nach 5 Jahren ausgelaugt ist und geschlachtet wird. Die Neugeborenen werden nach der Geburt immer von der Mutter getrennt.
Die für die Milchindustrie nutzlosen männlichen Kälber werden abtransportiert und zu Fleisch verarbeitet. Die Milchindustrie ist dadurch eng mit der Fleischindustrie verwoben
Das Enthornen der jungen Tiere ist laut Gesetz erlaubt
Kälberboxen mit den nicht artgerechten Ausmaßen von 50cm x 120cm
Einer Kuh werden etwa 6.000 Liter Milch im Jahr abgenommen. Die unnatürlich vergrößerten Euter haben gesundheitliche Probleme zur Folge
Durch den maschinellen Milchentzug können Entzündungen und Gewebstod hervorgerufen werden
Klauenschäden
Sohlengeschwür
 

© 1996-2012 Verein Gegen Tierfabriken - Impressum - Haftungsausschluss - log in

Druckversion: mit Bildern | nur Text  Seitenanfang