Ferkelspenden! vgt.at Verein gegen Tierfabriken Menü

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (30.06.2010)

Wien, am 30.06.2010

Walfangkonferenz bewahrt Fangverbote in letzter Sekunde

Fang von Großwalen bleibt vorerst international verboten

Der Fang von Großwalen bleibt international vorerst weitgehend verboten. Die internationale Walfangkonferenz in Agadir, Marokko, hat den lange debattierten Textentwurf zur Zukunft des Walfangs schließlich doch verworfen, nachdem in der letzten Verhandlungsphase akut im Raum gestanden war, dass der Walfang wieder zugelassen werden könnte.

Der Plan, den kommerziellen Fang von Großwalen für die nächsten zehn Jahre wieder freizugeben, ist letzten Mittwoch, den 23.Juni, bei der Sitzung der Walfangkommission dann letztlich doch gescheitert. Und das trotz massivem Druck der Walfangnationen Japan, Norwegen und Island, die schon bisher als notorische Brecher des Verbots in Erscheinung getreten sind. Wenn auch die ursprünglich geplanten 1400 jährlich zur Jagd freigegebenen Tiere vom Tisch sind, bleibt ein Wermutsrtopfen, dass Grönland für sich das zweifelhafte Sonderrecht ausbedungen hat, 9 Buckelwale pro Jahr jagen zu dürfen. WalschützerInnen hatten den Antrag Grönlands vehement abgelehnt. Sie werfen Grönland vor, sein Sonderrecht für einen streng limitierten Walfang nach wie vor zu kommerziellen Zwecken und nicht wie behauptet für die Existenzsicherung seiner UreinwohnerInnen zu nutzen, mit der die Ausnahme begründet wird.

Die Konferenz hatte am 16.Juni mit einem Skandal begonnen. Journalisten der englischen Sunday Times war es gelungen nachzuweisen, dass Japan Stimmen für eine Aufhebung des Walfangverbotes gekauft hatte

Als Speerspitze des Walschutzes machte sich vor allem die Europäische Union, die über 25 der 88 stimmen in der Internationalen Walfangkommission (IWC) verfügt, für ein Fangverbot stark. Vor allem Ländern wie Deutschland (das den Walfang im Bundestag geschlossen und parteiübergreifend ablehnte), England und Frankreich ist es zu verdanken, dass die Walfangkommision die Jagd nicht legitimieren wird. Auf intensives Betreiben der drei Länder verlangte die EU - die längere Zeit in sich auch uneinig war und damit ihr Gewicht als Gegenstimme gegen das Walschlachten zu verspielen drohte - entscheidende Änderungen im Kompromisspaket, die ein kippen des Verbotes verhindern sollten.

Zwei Jahre lang wurde in geheimen Verhandlungen um einen umstrittenen Kompromiss gefeilscht

Darin war vorgesehen, erstmals seit 1986 offizielle Quoten für den kommerziellen Walfang freizugeben und damit das seit 24 Jahren in Kraft befindliche Walfang-Moratorium aufzuweichen. Und das ausgerechnet im Interesse jener drei Staaten, die das Walfangverbot bereits seit Jahren unter fadenscheinigen Ausreden ignorierten.
Der Kompromiss hätte damit genau jene Länder belohnt, die sich seit Jahren über das Fangverbot und damit über internationale völkerrechtliche Verträge hinwegsetzten.

Das jetzt verworfene Kompromisspapier sah vor, den Walfang befristet und in einem geregelten Umfang zu legalisieren. Die Fangquoten sollten allerdings unter den bisherigen realen Fangzahlen der „Walfangverbotssünder“ Japan, Island und Norwegen liegen – es stand aber zu befürchten, dass diese Walfangländer die Freigabe wieder großzügiger ausgelegt hätten, als es im Sinne der Erfinder gewesen wäre und damit letzlich noch mehr Wale getötet worden wären als in den letzten Jahren.

Bis zu 1400 der seltenen Meeressäuger, darunter auch eine Anzahl der stark bedrohten Finn-, Sei- und Buckelwale, sollten, wenn es nach den Wahlkampfbefürwortern in der IWC gegangen wäre, wieder offiziell zum Abschuss freigegeben werden. Auch die Öffnung eines bestehenden Walschutzgebiets im Südpolarmeer sah der Vorschlag, den federführend der chilenische IWC-Chef Cristian Maquieira ausgearbeitet hat, vor.

Walschutz vertretende Länder hatten den Kompromiss vor allem deshalb kritisiert, weil er die Jagd auf diese bedrohten Walarten vorgesehen hatte und Walfang in Schutzgebieten erlaubt hätte.

Seit Beginn des Moratoriums 1986 haben Walfänger mindestens rund 33.000 Großwale erlegt. Japan hing der Jagd dabei stets das Deckmäntelchen des „wissenschaftlichen“ Walfangs „zu Forschungszwecken“ um, ohne jemals den von der Walfangkommission eigentlich vorgesehenen und geforderten Nachweis über neue Erkenntnisse zu bringen. Dass die angeblich zum Zwecke wissenschaftlicher Untersuchungen gefangenen Wale dann in erster Linie auf den Walfleischmarkt gebracht und verspeist wurden statt wissenschaftliche Erkenntnisse oder Studien zu generieren, führte die (pseudo)wissenschaftliche Motivation des japanischen Walfangs regelmäßig ad absurdum.

Auch Island und Norwegen fühlten sich nicht an das Fangverbot gebunden, nutzten Schlupflöcher und machten über die Jahre hinweg immer wieder fadenscheinige Sonderrechte geltend

Ralph Chaloupek vom VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN zu dem Ergebnis der Walfangkonferenz in Marokko: „Aus Sicht des Tier-, Natur- und Artenschutzes ist es als wichtiger Erfolg zu werten, dass das Walfangverbot im Großen und Ganzen aufrecht bleibt.

Zumindest bis auf weiteres ist die Gefahr gebannt, dass sich das Moratorium nach seiner zehnjährigen Aussetzung, die jetzt beinahe durchgesetzt werden konnte, nicht mehr wieder installieren lässt und auch andere, neue Länder auf den Geschmack des Walfangs gekommen wären.“

Allerdings ist die jetzige Ablehnung des Kompromisspapiers auch keine Entscheidung für alle Ewigkeit. Nach einer „Abkühlungsphase“ von mindestens einem Jahr solle weiter verhandelt werden, stellten Delegationsmitglieder bereits in Aussicht.

Dazu Ralph Chaloupek: „In der Frage der umkämpften Jagd auf die riesigen und seltenen Meeressäuger ist damit weiterhin größte Wachsamkeit und aktives Engagement von Seiten des Tier- und Umweltschutzes gefordert!

Die „Internationale Walfangkonferenz“ sollte jetzt dringend einer grundlegenden Reform unterzogen werden. Insbesondere sollten jetzt sofort alle Schlupflöcher und Einfallstore für Korruption beseitigt werden. Die Walschutz-Aktivisten von Greenpeace, denen in Japan eine Haftstrafe droht, weil sie einen Korruptions- und Unterschlagungsskandal im japanischen Walfangprogramm aufgedeckt haben, müssen in einer rechtsstaatlich einwandfreie, fairen Weise behandelt werden. Dabei müssen insbesondere auch alle ihre Bürger- und Menschenrechte in einer einem modernen demokratischen Staat würdigen Weise voll respektiert und gewahrt werden.

Doch zurück zur IWC: Was diese betrifft, sollten unbedingt neue wichtige Aspekte der Walschutzproblematik verstärkt Eingang in die Konferenz finden. Der Klimawandel ist längst auch für die Wale zum Problem geworden, und auch die Verschmutzung der Meere, ökologisch unsensible kommerzielle Schifffahrt und industrieller Fischfang bedrohen die seltenen Riesen und ihre Lebensräume.

Auch die Ölpest im Golf von Mexiko etwa wird nicht ohne Auswirkungen auf die Meeressäuger bleiben. Viele Delphine sind bereits elend in den Öl-Giftschwaden zu Grunde, die weitflächig in den das Ölleck am Meeresgrund umgebenden Regionen den Ozean durchziehen und dort jegliches Leben bedrohen und ersticken.

Ein breites Bewusstsein muss geschaffen und geschärft werden, dass es sich bei der IWC nicht um eine unverbindliche Alibi-Plattform oder einen ausschließlich kommerziell motivierten Interessen-Tauschbazar handelt, sondern um eine völkerrechtlich bindende Institution, deren Entscheidungen für den Erhalt einzigartiger Tierarten, das ökologische Gleichgewicht und künftige Generationen gravierende Auswirkungen haben werden.

Bei den richtigen Weichenstellungen könnte aus der IWC sogar die erste tierrechtliche Organisation und Institution auf internationaler Ebene und von international anerkanntem Rang werden. Die IWC könnte damit zum ersten Mal in der Geschichte die Vision von Tierrechten sowohl unter tierrechtsethischen als auch unter artenschutzrechtlichen Prämissen praktisch in die Realität umsetzen - eine wichtige Vorstufe für eine internationale Konvention zum Schutz der Rechte der Tiere. Und eine einzigartige Chance auf einen absoluten Meilenstein in der Geschichte von Tierschutz und Tierrecht, Natur- und Artenschutz.

Wenn es dorthin auch noch weit sein mag – mit der Aufrechterhaltung des Walfangverbots bleibt der Weg in diese Richtung zumindest offen!", beschließt Ralph Chaloupek vom VGT seine Analyse.

 

 

 

Deine Privatsphäre ist uns wichtig!

Wir verwenden Cookies und verwandte Technologien, um unsere Website weiter zu entwickeln, um unsere Bewerbung dieser Website zu optimieren, die Ergebnisse zu messen und zu verstehen, woher unsere Besucher:innen kommen.

Du kannst die Cookies hier auswählen oder ablehnen.

DatenschutzhinweisImpressum
Einstellungen Alle ablehnen Alle erlauben

Cookie Einstellungen

Notwendige Cookies

Die notwendigen Cookies sind zur Funktion der Website unverzichtbar und können daher nicht deaktiviert werden.

Tracking und Performance

Mit diesen Cookies können wir analysieren, wie Besucher:innen unsere Website nutzen.

Wir können beispielsweise nachverfolgen, wie lange du auf der Website bleibst oder welche Seiten du besuchst. Das hilft uns unser Angebot zu optimieren.

Du bleibst aber anonym, denn die Daten werden nur statistisch ausgewertet.

Targeting und Werbung

Diese Targeting Technologien nutzen wir, um den Erfolg unserer Werbemaßnahmen zu messen und um Zielgruppen für diese zu definieren.

Konkret kann das Unternehmen Meta Informationen, die auf unserer Website gesammelt werden, mit anderen Informationen die dem Unternehmen bereits zur Verfügung stehen, kombinieren. Auf diese Weise können wir Menschen in den sozialen Medien Facebook und Instagram möglichst gezielt ansprechen.

Speichern Alle erlauben