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Stierkampf: Fakten


Die Geschichte und die heutige Regelung innerhalb der EU

Die ersten Aufzeichnungen über den Stierkampf dürften aus dem frühen 11. Jahrhundert vorliegen. Tradition hatte dieser in den Ländern Ägypten, Mesopotamien und durch die Mauren in Südspanien. König Philipp V verbot diesen, leider erlaubte ihn sein Nachfolger Ferdinand VI wieder. Die erste Stierkampfschule wurde 1830 in Sevilla gegründet.

Einerseits formulieren die EU-Abgeordneten zur Zeit einen Verfassungsentwurf zur Festlegung europäischer Werte, in dem dezidiert auf das "Wohlergehen der Tiere als fühlende Wesen" hingewiesen wird, andererseits finanziert die EU Beihilfen zur Züchtung von Kampfstieren. Immerhin werden jährlich 40.000 steuerfinanzierte Tiere zur Unterhaltung brutalst getötet.

Bis heute hat sich die Stierkampflobby recht sicher gefühlt, da der Amsterdamer Vertrag nur mit Zustimmung aller EU-Regierungen geändert werden kann. Der Amsterdamer Vertrag verpflichtet zwar die Gemeinschaft dazu dem Wohlergehen der Tiere in vollem Umfang Rechnung zu tragen, nimmt aber gleichzeitig kulturelle Traditionen von dieser Vorschrift aus. Allgemein wird das so gesehen, dass die EU nichts gegen den Stierkampf als "kulturelle Tradition" unternehmen kann. Dies gilt für die Länder Spanien, Portugal und Frankreich.

Pro Veranstaltung werden 5 bis 6 Stiere getötet, ein Kampf dauert ca. 20 Minuten. Aber auch unzählige Pferde, die für diese Spektakel missbraucht werden, erliegen danach ihren schweren Verletzungen. Dem gegenüber stehen 10 Matadore die in den letzten 50 Jahren bei Kämpfen gestorben sind.

 


Der Ablauf des Stierkampfs

Der Kampf besteht aus drei Teilen, die durch Hornsignale getrennt werden.

Das Martyrium für den Stier beginnt allerdings schon davor. Die Stiere werden in eine Kopfhalte eingespannt, um die Hörner abzusägen, um sie dann in eine natürlich aussehende Spitzform zuzufeilen. Dies hat zwei Gründe: erstens, um das Tier durch den langanhaltenden, unerträglichen Schmerz zu schwächen - im Innern der Hörner liegen so empfindliche Nerven, wie in einem Zahn - und zweitens verlieren die Stiere durch die Kürzung den Sinn für die Entfernung und stoßen daher immer ins Leere.
Auch werden den Stieren gezielte Schläge mit Sandsäcken in die Nieren versetzt, um sie schon vor den Kampf zu schwächen.

Die Hauptbeteiligten des Stierkampfs sind neben dem Stier, die Picadores (Hauer, Stecher), die Banderilleros (Männer mit geschmückten Stechlanzen) sowie der Matador (span.: der Stiertöter), diese lernen ihr blutiges Handwerk als Novilleros (Neuling) indem sie an Jungstieren üben.

Im ersten Teil verwendet der Matador ein großes, meist purpurrotes und gelbes Tuch, damit wird der Stier gereizt und ermüdet. Der Stier würde sich in seinem normalen Umfeld nie diesem Kampf aussetzen. So hat er keine Chance zu entkommen und muss sich zwangsläufig diesem Martyrium stellen. Der Matador versucht in dieser Phase des die individuellen Verhaltensweise des Stieres in Bezug auf Angriffs- und Bewegungsablauf zu studieren und dementsprechend sein eigenes Vorgehen für den dritten Teil des Kampfes festzulegen.

Neben dem Matador sind auch zwei Lanzenreiter, die Picadores, in der Arena. Die Picadores sind mit Lanzen, deren Enden aus extrem scharfen Eisendreiecken bestehen, bewaffnet. Diese Lanzen werden dem Stier bis zu 20 cm tief in den Nackenbereich gestoßen. Die verwundete Nacken- und Schultermuskulatur zwingt den Stier zum Absenken des Kopfes, was die spätere Tötung durch den Matador mit dem Degen erst ermöglicht. Der Stier versucht sich verzweifelt zur Wehr zu setzen, verwundet aber immer nur das Pferd der Lanzenreiter. Seit 1928 sind die Pferde durch eine Polsterung geschützt, diese machen aber höchstens die schweren Verletzungen, tiefe Fleischwunden und Rippenbrüche, unsichtbar. Leider ist es nicht unüblich, dass die Pferde so schwer verletzt werden, dass sie anschließend getötet werden müssen. Allerdings geschieht das außerhalb der Arena. Pferde sind Fluchttiere und würden sich niemals freiwillig einem Kampf mit Stieren stellen. Um sie überhaupt für solche Kämpfe verwenden zu können werden sie sediert, zusätzlich werden diesen Pferden sehr oft die Augen verbunden und die Ohren zugestopft. Teilweise werden noch die Stimmbänder durchtrennt, keiner will die Angstschreie der Pferde hören.

Im zweiten Teil treten die so genannten Banderilleros auf, deren Aufgabe es ist, dem Stier lange, mit bunten Bändern versehene Spieße mit Widerhaken aus Stahl so in den Rücken zu stechen, dass sie hängen bleiben. Drei Paar von diesen Folterinstrumenten muss der Stier normalerweise erdulden. Damit soll der Stier "munter" gemacht werden. Ziel ist es, den Muskelstrang zwischen den Schulterblättern des Stieres zu treffen, zu schwächen und zu markieren, ohne jedoch den Zugang für den finalen tödlichen Stoß des Matadors zu versperren.

Der schon völlig geschwächte und stark blutende Stier bekommt nun durch die Banderilleros die Widerhaken in seinen Nacken gestoßen. Die Banderilleros ziehen sich danach blitzschnell hinter die hölzerne Barriere der Arena zurück, um den letzten verzweifelten Abwehrattacken des Stieres zu entkommen. Dies wiederholt sich dreimal. Selten und nur in bestimmten Plazas werden, wenn der Stier den Kampf verweigert, die Banderillas negras oder Banderillas de castigo (schwarze Banderillas oder Straf-Banderillas) eingesetzt. Diese Banderillas haben, mit acht Zentimeter, extrem lange Widerhaken.

Im dritten Teil des Stierkampfes sind nur noch der Matador, ausgerüstet mit einem kleineren dunkelroten Tuch und einem Degen und der schon schwer verwundete Stier in der Arena. Der Matador versucht die Angriffe des Stieres zu parieren, seine Bewegungen vorauszuahnen und die eigenen Bewegungen mit jenen des Stieres abzugleichen, um so tradierte Figuren und Bewegungsabläufe auszuführen. Von Anhängern des Stierkampfes wird dieser Teil des Kampfes mit einem Tanz verglichen, wozu auch die in dieser Phase gespielte Musik, der Paso Doble, beiträgt.

Zuletzt sticht der Matador dem Stier mit seinem Degen tief in den Nacken, in den Spalt zwischen den Schulterblättern. Hierbei versucht er den Stierkopf in eine tiefe Position und die Vorderhufe in parallele Stellung zu bringen. Erst in dieser Position kann der Matador mit seinem Degen von oben herab, zwischen die Schulterblätter hindurch, das Herz des Stieres erreichen. Der Degen wird nach erfolgtem Stoß steckengelassen.

Dieser Stich ist immer noch nicht tödlich. Die Tortur geht weiter. Helfende Stierkämpfer reizen den Stier zu schwankenden Kopfbewegungen und einen letzten kurzen Lauf, bis er vollkommen erschöpft und stark blutend niedersinkt. Erst dann wird er durch einen Helfer gezielt, mittels eines Dolchstoßes in den Kopf, getötet. Sollte er dies nicht zuwege bringen, wird dies als Schande betrachtet, da der Stier seiner Würde beraubt wird. Sehr selten werden Stiere, die vom Publikum als außergewöhnlich mutig und stark angesehen werden, begnadigt. Dies war beispielsweise im legendären Stierkampf vom 5. Oktober 1879 in der Arena von Cordoba der Fall, das Publikum verlangte nach 24 Schwertstößen dessen Begnadigung. Nach dem Kampf wurde dieser Stier an einen Züchter verschenkt, der mit diesem Stier eine neue Zuchtlinie begründete, deren Nachkommen noch heute in spanischen Kampfarenen anzutreffen sind.

Nach dem Tod des Stieres wird der Matador vom Publikum bejubelt. Als besondere Trophäe kann der Matador ein Ohr, beide Ohren und den Schwanz des Stieres erhalten. Diese werden dem Stier einfach abgeschnitten. Es gibt Filmberichte wo bei diesem Vorgehen der Stier immer noch mit den Beinen zuckt oder die Augen bewegt, somit ist zu befürchten, dass die Stiere selbst dieses Martyrium noch bewusst erleben müssen.

Wenn der Stier besonders angriffslustig oder außergewöhnlich ausdauernd war, wird er zu guter letzt mit Pferden oder Maultieren in einem großen Bogen durch den Ring geschliffen, was als Ehrenbezeugung angesehen wird.

Früher wurde das Fleisch des toten Tieres verkauft. Den Erlös erhielten karitative Einrichtungen. Heutzutage kann diese Praxis nicht mehr fortgeführt werden, da das Töten des Stieres in der Arena und durch Dolchstöße nicht den EU-Standards für Schlachtungen entspricht (EU-Richtlinie 418/2000). Die Umgebung entspricht nicht den Hygienestandards und durch die Dolchstöße kann möglicherweise BSE-verseuchtes Gewebe das Fleisch verunreinigen, wodurch es nicht mehr zum Verzehr geeignet ist.

 


Kampfstiere, eine eigenständige Rasse

Die Kampfstiere sind eine eigenständige Rasse innerhalb der Rinderfamilie, die ohne den Stierkampf ausgestorben wäre. Dies wird immer wieder von den Stierkampfbefürwortern zitiert, ebenso, dass diese Tiere im Gegensatz zu fast allen Nutztieren ihr ganzes Leben auf großen Korkeichenweiden im Freien verbringen dürfen. Der Stier neigt tendenziell nicht zum Kampf, da das einzelne Rind als Herdentier in der Regel auch keinen Todfeind in der Natur fürchten muss. Der Einschluss in die Arena und die permanenten Reizungen der seitlich verschanzten Picadores blockieren jedoch den natürlichen Fluchttrieb des Tieres und zwingen es permanent, gegen den Torero zu kämpfen.

Bei der genetischen Auswahl bevorzugt man große, imponierende Tiere, die aber wenig kampfbereit sind. Auch die Futtermittel zielen darauf ab, Tiere mit einem massiven Körperbau zu „produzieren“, die damit einhergehende Trägheit ist dabei nur willkommen.

 


Beliebtheit des Stierkampfes

In Spanien finden pro Jahr rund 2.000 Stierkampfveranstaltungen statt. In Spanien ist Kindern der Besuch der Arenen teilweise untersagt, hingegen dürfen in Frankreich Kinder beim Stierkampf zusehen. Bei Kindern bestehe die Gefahr, dass sie entweder von den Szenen psychisch traumatisiert werden oder dass bei ihnen die Schwelle zur Gewaltbereitschaft herabgesetzt werde, was zu Aggressionen und Tierquälerei in ihrem Umfeld führen kann.

In Südfrankreich gibt es ebenfalls Stierkämpfe nach spanischen Regeln. In über 60 südfranzösischen Städten finden Stierkämpfe statt, bei denen die Stiere getötet werden. Stierkämpfe sind in Frankreich sehr umstritten und werden von der Bevölkerung mehrheitlich als Tierquälerei abgelehnt.

Aber auch in Spanien lehnt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung den Stierkampf ab. Eine spanische Gallup Umfrage aus dem Jahr 2002 brachte folgendes Ergebnis: nur 10.4 % interessiert der Stierkampf sehr, 20,6 % interessieren sich nur sehr wenig dafür, 68,8 % lehnen diesen entschieden ab und 0,2 % wollten keine Angaben dazu machen.

Auffällig ist auch, dass vor allem junge Leute kein Interesse mehr am Stierkampf haben.

Dieses eindeutige Ergebnis spiegelt auch eine Untersuchung, die vor kurzem in den Oberösterreichischen Nachrichten zu lesen war, wider. 72 % der Befragten erklärten, der Stierkampf interessiere sie nicht im Geringsten. Nicht einmal 8 % bekunden ein großes Interesse. Die Zahl der SpanierInnen, die von diesem Spektakel nichts wissen wollen, steigt seit Jahren kontinuierlich. 1971 waren es 43 und 1993 schon 61 Prozent. Auch hier signifikant, dass besonders Frauen und jüngere Leute so gut wie kein Interesse am Stierkampf haben

 


Der Stierkampf in Portugal

In Portugal wird der Stier nach dem Kampf nicht getötet. Es ist zu befürchten, dass das eine noch größere Qual für den Stier darstellt. Die Lanzen mit den Widerhaken werden ihm aus dem Nacken gezogen, das hinterlässt zusätzliche riesige Wunden. Im schlimmsten Fall muss er schwerst verwundet zwei Tage warten, bis das Schlachthaus wieder öffnet.

 


Volksfeste: Für die Menschen ein Fest, für die Stiere unsagbares Leid

Neben den bekannten Stierkämpfen gibt es in Spanien und Portugal noch eine Reihe weiterer so genannter „Volksfeste“ (popular fiestas). In Wahrheit verbirgt sich dahinter unsagbares Leid für wehrlos gemachte Tiere. An den Quälereien können sich alle DorfbewohnerInnen beteiligen.

"El toro de la Vega" in Tordesillas

Tordesillas ist berühmt durch ein trauriges Ereignis aus dem tiefsten Mittelalter. Es nennt sich "Toro de la Vega" und ist ein traditionelles "Fest" religiösen Ursprungs, abgehalten für die Schutzpatronin der Stadt. Die Bevölkerung ist mit langen Lanzen bewaffnet, mit diesen versuchen sie den Stier zu durchbohren. Erbarmungslos stechen sie auf das wehrlose Tier ein, bis es sich erschöpft ergibt. Schafft es der verletzte Stier über eine Ziellinie, wird er begnadigt. Bisher hat dies jedoch nur ein einziger Stier geschafft. Dem Stier werden schließlich als Trophäe die Hoden abgeschnitten.

Mutige Menschen versuchen seit einigen Jahren dieses Massaker zu unterbinden. Strafanzeigen, Gerichtsprozesse, Protestbriefe, Eingaben an die spanischen Regierungen, blieben bisher ergebnislos. Die regionale Regierung von Kastilien schmettert alle Proteste ab und verteidigt dieses „Fest“ als „kulturelle Tradition“. Letztes Jahr fanden sich zu diesem Ereignis bereits 800 DemonstrantInnen ein.

Proteste bitte an: City Hall of Tordesillas, Email: ayto.tordesillas@dip-valladolid.es

 

“El Toro de Coria” in Coria

Auch hier wird der Stier durch die Straßen gehetzt, während er von vielen EinwohnerInnen mit Pfeilen beschossen wird. Wenn er durch den starken Blutverlust zu erschöpft für weitere Fluchtversuche ist, wird er erschossen und auch ihm werden die Hoden abgeschnitten.

Proteste bitte an: City Hall of Coria Email: informacion@coria.org

 

" Toros de Fuego " (Feuerstiere) in Medinaceli

Diese Tortur ist wohl an Grausamkeit kaum mehr zu übertreffen. Auf beide Hörner werden dem Stier lang brennbare Reifen befestigt. Mit den brennenden Hörnern wird der Stier auf die Straße entlassen. Diese Bälle brennen für Stunden, verbrennen seine Hörner und teilweise auch seinen Körper.

Proteste bitte an: City Hall of Medinaceli, Fax + 34 975326053

 

"Toro Enmaromado" in Benavente

Hier wird einem Stier ein Strick um die Hörner gebunden, das andere Ende ist an einem Fahrzeug befestigt und so wird er quer durch die Ortschaft gehetzt, bis er vor Erschöpfung oder durch einen Schnitt durch die Kehle stirbt.

Proteste bitte an: City Hall of Benavente, Email: prensa@ayto-zamora.org

 

Südfrankreich

Im Küstenstreifen wird die „course camarguaise“ oder „bouvine“ veranstaltet. Auf der Stirn eines Stiers oder einer Kuh werden drei Gegenstände befestigt. Eine rote Kokarde und zwei Bommeln aus weißer Wolle. Diese Gegenstände werden mit Fäden an den Hörnern befestigt. Junge Männer versuchen nun mit einem Vierzackhaken dem Rind seine Attribute zu entreißen. Dieses wehrt sich, indem es alle angreift, die sich ihm nähern. Um dem Tier zu entwischen, müssen die Angreifer sich häufig hinter der Holzbarriere, welche die Arena begrenzt, in Sicherheit bringen. Das Tier prallt dabei, oft durch den Schwung mitgerissen, mehr oder weniger heftig mit den Hörnern gegen die Holzwand, was zu verschieden starken Verletzungen führen kann. Auch kommt es immer wieder zu Verletzungen durch den Vierzackenhaken, so manches Rind hat sein Augenlicht dadurch verloren. Nach einer Viertelstunde wird das Rind, ob es nun seine Attribute verloren hat oder nicht, in den Stall zurückgeführt und das nächste Tier wird herausgelassen.

Vergessen sollte man auch hier nicht, dass alle Stiere vor ihrem Einsatz ohne Betäubung kastriert werden, die Samenstränge werden mit einer Zange abgeklemmt. Auch müssen diese Tiere die äußerst schmerzhafte Tortur der Brandmarkung über sich ergehen lassen. Mit glühenden Eisen werden ihnen Nummern in die Haut gebrannt.

 


Die römisch-katholische Kirche und der Stierkampf

Die Toreros können heute noch mit dem geistlichen Segen rechnen. In einigen alten Arenen sind auch kleine Kapellen eingebaut.

Viele der spanischen „Fiestas“, bei denen Tiere gequält und geopfert werden, fallen mit Feiertagen der katholischen Kirche zusammen. Die Kirche sieht hier offensichtlich keinen Handlungsbedarf, ganz im Gegenteil, Priester nehmen Trophäen aus dem Stierkampf für die Jungfrau Maria an und erlauben, dass Stierkämpfe zu Ehren von lokalen Heiligen durchgeführt werden.

Papst Pius V. verfasste im Jahr 1567 die päpstliche Bulle „De salutis gregis dominici“ in der er das Verbot dieser „..plumpen und blutigen Spektakel, die mehr vom Teufel als von Menschen erdacht..“ bei den christlichen Völkern forderte. Bestärkt wurde er sicher auch dadurch, dass es sich beim Stierkampf ursprünglich um ein heidnisches Ritual handelte. Papst Pius V. befahl die Exkommunizierung von Kaiser, Könige und Kardinäle, die diese weiterhin erlaubten und der Geistlichen, die einen Stierkampf besuchten. Außerdem verweigerte er Toreros, die in einem Stierkampf getötet wurden, die kirchliche Beerdigung. Diese päpstliche Bulle wurde offiziell nie aufgehoben, allerdings handelte kein weiterer Papst mehr nach dem Vorbild von Pius V. Wenngleich 1920 Kardinal Gasparri schrieb: “..dass die Kirche weiterhin lautstark diese blutigen und schändlichen Spektakel verurteilt.“
Papst Johannes Paul II kam zu dem Ergebnis: „…dass der Mensch, von Gottes Händen gemacht, solidarisch mit allen anderen Lebewesen ist, wie es in den Psalmen 103 und 104 steht, wo nicht zwischen Menschen und Tieren unterschieden wird.“

Leider gibt es aber auch Geistliche mit komplett anderen Wertvorstellungen. Besonders widerwärtig ist hier die Aussage des Bischofs von Angers, Jean Louis Bruges (1996) aufgefallen. In einer Zeitung konnte man folgendes Zitat lesen “Ich glaube an die reinigende Kraft der Corrida, diesem tragischen Tanz mit dem Schicksal, mit dem Licht und dem Tod, der uns von den inneren Schwingungen der Gewalttätigkeit wäscht…“.

Auch der jetzige Papst hat, als er noch Kardinal Ratzinger war, in seinem neu bearbeiteten Katechismus geschrieben, dass man sich die Tiere zur Freizeitgestaltung dienstbar machen kann.

Der spanische Pfarrer von Valverde besitzt gleich eine eigene Zucht von Kampfstieren, diese werden bezeichnender weise durch ein mit einem rot glühendem Eisen eingebranntem Kreuz markiert.
Und Bischof Cadilhac von Nîmes, um noch einen zu nennen, sagte in einem Interview: „Ich habe nichts dagegen einzuwenden, wenn Katholiken zu den Stierkämpfen gehen, ich gehe ja auch gerne hin. Was ich so schön finde an den Corridas, ist, dass der Mensch das Tier dominieren kann, so wie Gott es will – das ist ganz im Sinne der Größe des Menschen“.

 

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