Die ärgste Bedrohung ist vorerst vom Tisch,
der Tierschutzminister hat zugesagt, den Verordnungsentwurf
zurückzuziehen und vor einem neuen Schritt eine breite Diskussion
mit Tierschutzorganisationen zu führen.
Der Verordnungsentwurf hätte folgende Verschlechterungen
gebracht:
Tierquälerei in der Hühnermast
Dramatische Verschlechterung im Tierschutz droht: die Besatzdichte
für Masthühner soll von 30 auf 38kg/m² und die Besatzdichte
von Truthühnern von 40 auf 58kg/m² erhöht werden! Auf Hühner
mit 1,5 kg Gewicht umgelegt bedeutet das eine Erhöhung von
20 auf 26 Tiere pro m²!
Dabei ist die Besatzdichte eine der für den Tierschutz
relevantesten Größen. Die folgenden Bilder von einer Arbeitsgruppe
des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz
und Lebensmittelsicherheit (LAVES) sagen mehr als 1000 Worte:
Hühnerbesatz bei:
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| 18 kg/m² |
25,5 kg/m² |
33 kg/m² |
Wenn die vom Gesetz vorgeschlagenen 38 kg/m² voll ausgenutzt
werden, besetzen allein die Körper der Hühner bereits 92%
der Halle! Die Tiere können sich dann daher überhaupt nicht
mehr bewegen und bekommen schwere gesundheitliche Probleme,
vor allem in den Beinen.
Zusätzlich wird der Boden viel rascher komplett verkotet,
sodass verschiedene Hautkrankheiten auftreten und die Ammoniakbelastung
der Luft die gesundheitsgefährdenden Grenzwerte bei weitem
überschreitet. Und zusätzlich produzieren Hühner, wenn sie
dem Kükenalter entwachsen sind, viel Wärme, die sie in dem
dichten Besatz nicht abkühlen können. Trotz bester Entlüftung
leiden die Tiere dann sehr an Überhitzung und hecheln ununterbrochen.
Masthühner sind von vornherein die ärmsten der Nutztiere,
sind sie doch derartig auf schnelles Wachstum überzüchtet,
dass sie ausnahmslos alle aufgrund des überhöhten Körpergewichts
schwere Gelenksschmerzen bekommen und ihnen sogar spontan
die Knochen brechen. Diese Tiere jetzt auch noch auf so
engem Raum zusammenzupferchen, widerspricht jedem Tierschutzgedanken.
Das alte Gesetz besteht schon seit vielen Jahren und international
hat sich nichts verändert, also ist überhaupt nicht nachvollziehbar,
warum jetzt plötzlich diese drastische Erhöhung vorgenommen
werden soll. Offenbar zählt man darauf, dass der Tierschutz
durch die ungerechtfertigte staatliche Repression danieder
liegt und sich jetzt nicht wehren wird.
In Österreich werden jedes Jahr über 52 Millionen
Masthühner und 5 Millionen Truthühner in Geflügelfabriken
zur Mast eingestallt.
Bei der jetzigen erlaubten Besatzdichte von 30kg Masthuhn
pro m² ist es den Tieren schon nicht mehr möglich sich artgerecht
zu verhalten. Raumgreifende Verhaltensweisen wie schnelles
Laufen mit Flügelschlagen, oder Flügel-Beinstrecken vor
allem zu Mastende sind jetzt schon kaum möglich. Hinzu kommt
ein völlig unnatürlicher Tag-Nachtrhythmus. Das Gesetz sieht
lediglich eine Dunkelphase von 6 Stunden vor. Dies führt
zu einer erheblichen Stressbelastung, da ständig ruhende
Tiere durch bewegungsaktive gestört werden.
Qualzucht Masthuhn:
Alleine die Zucht auf den enorm schnellen Fleischansatz
ist für die Tiere nicht tragbar. Nach den Gesetzen der Qualzucht
müßte die jetzige Rasse der Masthühner verboten sein. Die
Hühner leben nur kurze 35 Tage, in dieser Zeit wachsen sie
zu wahren Monstern von ca. 1,8 kg Gewicht heran. Der gesamte
Organismus ist mit diesem immensem Wachstum überfordert:
Die Knochen und Gelenke können das Gewicht nicht tragen
und brechen oder renken sich aus.Der steigende Brustmuskelanteil
hat den Schwerpunkt der Masthühner nach vorn verlagert.
Die breitere Brust wird nicht mehr vollständig von Federn
bedeckt und geschützt. Das Brustfleisch drückt auf die Lunge,
manche Tiere können in den letzten Tagen kaum mehr atmen.
Ein Leben auf dem eigenen Kot
Sind die Hühner einmal eingestallt ist durch die hohe Besatzdichte
kein Ausmisten mehr möglich. Die Einstreu wird einmal vor
dem Einstallen eingebracht und dann von Tag zu Tag mehr
zugekotet und immer feuchter. Die Luft wird immer ammoniakreicher,
die Atemwege werden angegriffen, Augenreizungen setzen den
Tieren zusätzlich zu. Der Kot ätzt sehr oft die Füße der
Hühner auf, hochgradige Fußballenentzündungen mit tiefgehenden
Geschwüren sind an der Tagesordnung, bei schlechtem Stallmanagement
können mehr als 90 % der Tiere betroffen sein. In Kombination
mit den Fußballentzündungen können schwere Brusthautveränderungen
bis hin zu so genannten Brustblasen auftreten.
Hitzetod
Ein weiteres sehr großes Problem stellt das Überhitzen
dar, durch die dicht zusammengedrängten Körper ist die Luftzirkulation
am Boden praktisch gleich null, die entstandene Wärme staut
sich. Die hohen Temperaturen führen zu Stresssituationen.
In bestimmten Grenzen können Masthühner langsam steigende
Temperaturen durch verminderte Futteraufnahme und erhöhten
Wasserverbrauch sowie Hecheln ausgleichen. Die Anpassungsfähigkeit
der Jungmasthühner ist allerdings bei plötzlich ansteigender
Temperatur in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit überfordert.
Die Tiere zeigen Hyperventilation mit bis zu 250 Atemzügen/min.
Durch die Beeinträchtigung der Wärmeabgabe wird der Kreislauf
so stark belastet, dass es zum Hitzetod kommt.
All diese Faktoren, die dem Leben der Hühner jetzt
schon so schwer zusetzen, würden sich durch eine weitere
Anhebung der Besatzdichte um fast ein Drittel, drastisch
verschärfen.
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