Wirtschaftliche Argumente
Der SPÖ-Tierschutzminister Alois Stöger wollte die Besatzdichte
der Masthühner von 30 kg/m² auf 38 kg/m² erhöhen, weil sich
dadurch eine billigere Produktion von Hühnerfleisch erzielen
ließe.
Im Report der EU-Kommission (http://ec.europa.eu/food/fs/sc/scah/out39_en.pdf)
vom März 2000 zur Frage der Mastgeflügelhaltung wurde errechnet,
dass eine Erhöhung der Besatzdichte von 30 kg/m² auf 38
kg/m² lediglich eine Kostenersparnis von 4-5 % (je nach
gewählter Zuchtrasse der Hühner) bedeutet.
Graphik: Die Auswirkungen der Besatzdichte auf
die Produktionskosten
Diese Verringerung der Produktionskosten kommt hauptsächlich
dadurch zustande, dass sich die Hühner in der größeren Enge
weniger bewegen können, und daher weniger Nahrung für den
gleichen Massezuwachs des Körpers benötigt wird. Mangels
Bewegung gibt es eben – vom Standpunkt des Produzenten –
keine „Verluste“ durch Bewegungsenergie der Hühner.
Mortalitätsrate
Dieser geringen Kostenersparnis steht eine enorm gesteigerte
Mortalitätsrate gegenüber. Bei der jetzigen Besatzdichte
von 30 kg/m² liegt die vorzeitige Sterberate der Hühner
bereits bei 4,13 % in den wenigen Wochen vom Einstallen
bis zur Schlachtung. Setzt man diese Besatzdichte nun auf
38 kg/m² hinauf, steigt die Mortalitätsrate noch einmal
um 44 %, wie in demselben Report der EU-Kommission angegeben:

Da in Österreich jährlich etwa 62 Millionen Hühner
gemästet werden, würden hier 4-5 % Kostenersparnis 1,1 Millionen
zusätzlich an den verschlechterten Haltungsbedingungen verstorbene
Hühner gegenüberstehen!
Rechnet man die durch den höheren Besatz gesteigerte Produktion
mit ein, ergibt sich, dass, wenn es nach dem Willen Verordnungsentwurf
geht, insgesamt zusätzliche 2,1 Millionen Hühner allein
durch die Verschlechterung der Masthuhnverordnung an den
brutaleren Haltungsbedingungen noch vor ihrer Schlachtung
im Alter von etwa 5 Wochen sterben würden.
Die SPÖ wollte also 4-5% Produktionskostenersparnis auf
dem Rücken von 2,1 Millionen zusätzlich vor der Schlachtung
an den Haltungsbedingungen sterbende Hühner pro Jahr erkaufen!
Masthühnerproduktion in Österreich
Aus den Daten der Statistik Austria lässt sich die Entwicklung
der Hühnerfleischproduktion in Österreich in den letzten
Jahrzehnten ablesen. Der Masthuhnbestand ist in Österreich
nach dem EU-Beitritt 1995 auf etwa 80% Selbstversorgungsgrad
gesunken, die Entstehung des Bundestierschutzgesetzes hatte
allerdings auf den Bestand keinerlei Auswirkungen, was auch
sehr einleuchtend ist, da hier ja schon die schlechteste
Länderverordnung zur Masthuhnbesatzdichte zum Bundesniveau
erhoben wurde. Der Bestand ist seit dem Jahr 2000 etwa gleich
bleibend. In den letzten Jahren gab es sogar wieder einen
Anstieg, wurden im Jahr 2005 an einem Stichtag noch 2840
Betriebe mit 5,6 Millionen Masthühnern gezählt, waren es
2007 sogar 6,85 Millionen Masthühner in 1367 Betrieben.

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