Verbesserungsvorschläge
und Lösungen
Grundsätzlich
sind tierschutzrelevante Mängel sowohl bei der Haltung als auch im Betrieb festzustellen. Einge der Mängel sind behebbar andere aber untrennbar mit der Verwendung von Pferden in der
Stadt verbunden. Der VGT fordert daher die sofortige Behebung der gröbsten Mängel - auf lange Sicht aber die Reduktion bis zur vollkommenen Beendigung des
Betriebs von Fiakerfuhrwerken in der Stadt.
| Verbesserungsvorschläge
Fiakerhaltung in Wien Der Verein Gegen Tierfabriken
(VGT) hat unter Berücksichtigung der Gesetzeslage,
wissenschaftlicher Fakten und der festgestellten
tierschutzrelevanten Mängel folgende Verbesserungsvorschläge
zusammengestellt.
1. Effektive Kontrollen
Die
bestehenden Kontrollen durch die MA 60 bzw.
MA 65 sind
derzeit aufgrund der zahlreichen
Mängel die von Tierschutzseite festgestellt
wurden, eindeutig nicht ausreichend. Der
Verein Gegen Tierfabriken (VGT) schlägt
daher verstärkte,
regelmäßige und unangemeldete Kontrollen
der Stallungen, des Gesundheitszustandes
der Pferde
und der Einsatzfähigkeit der Pferde in
der Stadt Wien, der Ausrüstung und des Fahrbetriebs
vor. Nur durch verstärkte Kontrollen können
zahlreiche Missstände abgeschafft werden. 2. Effektive
Sanktionen Gesetzliche
Übertretungen müssen verschärft sanktioniert
werden. (hohe Geldstrafen
bzw. im Wiederholungsfall Verlust
der Konzession) Die derzeitige Praxis der Bestrafung
verhindert
eine Übertretung der gesetzlichen
Bestimmungen
nicht ausreichend.
3. Pferdeschutzbestimmungen
Um den
Pferden ein möglichst artgerechtes
Leben zu ermöglichen, schlägt der Verein
Gegen Tierfabriken (VGT) folgende, auf detaillierte
Probleme eingehende Bestimmungen vor:
- Beschränkung
der Arbeitszeit auf 6 Stunden pro Tag
- Mindestens
zwei arbeitsfreie Tage pro Woche
- Pferde
in Boxenhaltung müssen täglich FREIEN Auslauf haben
- Pferde
dürfen nicht im Dunkeln gehalten werden
- Zwischen
den Ausfahrten muss den Pferden Wasser angeboten
werden
- Vorkehrungen
für Hitze- und Kälteschutz
- Verbot
von Maulkörben
- Dämpfung
bei Hufbeschlägen
- Auslagerung
des Fiakerbetriebs in Parkanlagen (z.B. Schönbrunn oder Prater)
4. Fragekatalog
Es wurde ein ausführlicher Fragenkatalog erstellt und an den Bürgermeister, die
Tierschutzstadträtin, an alle TierschutzsprecherInnen
der verschiedenen Parteien in Wien und
an die Bezirksvorsteherin des 1. Bezirks
geschickt. Auch die zuständigen Magistrate
und die Tierschutzombudsstelle Wien haben
dieses Schreiben erhalten. Wir wünschen
uns mit diesen Personen in Kontakt zu treten,
um über das Fiakerproblem diskutieren zu
können, um reale und tierschutzkonforme
Lösungen zu finden.
Die Fragen
a.
Sind Sie für ein generelles Verbot
der Fiakerindustrie?
b.
Sind Sie für ein Auslaufverfahren der
Fiakerindustrie in den nächsten
Jahren
was mit einem Ende der Konzessionsvergabe
einhergeht?
c.
Was halten sie von einer Auslagerung
der Standplätze in Parkanlagen
(z.B.: Schönbrunn oder Prater)?
d.
Sind Sie für eine Reform des Fiakergesetztes,
bei der auch
tierschutzrelevante Aspekte
aufgenommen werden?
e.
Sind Sie für eine eigene Regelung der
Haltung von Fiakerpferden
im Fiakergesetz?
i.
Sind Sie für eine Boxenhaltung mit
täglich freiem Auslauf?
ii.
Sind Sie für ein Verbot von Kellerstallungen?
f.
Zur Zeit dürfen die Fiakerpferde täglich
14
Stunden im Einsatz
sein. Sind Sie
für eine Verkürzung der
Arbeitszeiten? Wenn
ja, wie sollte eine Verkürzung
aussehen?
g.
Laut Fiakergesetz dürfen die Fiaker ihre
Pferde
365 Tage im
Jahr vor die
Kutsche spannen, es
gibt
keine Urlaubstage.
Was halten Sie von einer
Einführung von Urlaubstagen?
h.
Sind Sie für eine wetterbedingte Einschränkung
der Betriebszeiten?
i.
Schon seit Jahren fordert der Tierschutz
Schattenplätze
für die
Pferde, sind Sie
für eine Umsetzung
dieses Vorhabens?
Wenn ja, welche
konkreten Schritte
würden Sie
setzen, um dieses
Versprechen schnellstmöglich
zu
realisieren?
j.
Einige Fiakerpferde beginnen aus Langeweile
und/oder Überforderung
das Geschirr
anzuknabbern
oder die Pferdekollegen
zu beißen oder
auch auf vorbeigehende
Menschen
zu schnappen,
ein deutliches
Zeichen
der Verzweiflung.
Anstatt solche
Pferde aus dem
Fiakerbetrieb
zu nehmen, werden
ihnen Maulkörbe
angelegt, was
eine zusätzliche Einschränkung
darstellt.
Sind Sie für
ein Verbot von Maulkörben?
Sind
Sie dafür,
dass Pferde,
die ein solches
Verhalten
zeigen aus
dem Betrieb
genommen
werden müssen?
k.
Das Gehen auf Asphalt stellt
eine Belastung
für die Beine
(Sehne, Gelenke,
Hufe) der
Pferde dar.
Was halten Sie von
einer verpflichtenden
Dämpfung bei
Hufbeschlägen
bei Fiakerpferden?
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Haltung
Insbesondere bei der
Haltung wären die meisten Mängel sofort abzustellen. Konzessionen dürften nur mehr vergeben werden, wenn eine tiergerechte Haltung (wie es das Wiener
Fiakergesetz ja bereits fordert) tatsächlich gewährleistet ist. Dazu gehören insbesondere:
Bauliche Voraussetzungen:
- Helle, trockene
Stallungen mit guter Belüftung, Stallungen im Keller sind sofort aufzulösen
- Automatische
Tränksysteme, die eine dauernde Versorgung mit Wasser gewährleisten
- Boxenhaltung
der Pferde, Anbindehaltungen sind sofort aufzulösen
- Es müssen
Koppeln vorhanden sein, die den Pferden Freilauf
auf weichem Untergrund ermöglichen
Betreuung:
- Ausreichend
Einstreu und frisches Heu
- täglicher
Zugang der Pferde zu den Koppeln
Wenn Fiakerunternehmen
bereits über Konzessionen verfügen, aber die oben erwähnten Voraussetzungen nicht erfüllen, müssten die Konzessionen wieder entzogen werden.
Die derzeit im Tierschutzgesetz
vorgesehene Übergangsfrist der Anbindehaltung bis 2010 ist zu lange. Es ist für die Pferde unzumutbar noch vier weitere Jahre unter diesen Bedingungen leben
zu müssen. Aber auch die dauernde Boxenhaltung ist nicht tiergerecht. Auch im Falle
einer Boxenhaltung muss ein täglicher Freilauf auf Koppeln mit weichem Untergund möglich sein.
Fahrbetrieb
Die meisten der im
Rahmen des Fahrbetriebs auftretenden tierschutzrelevanten
Probleme sind nicht behebbar, könnten aber entscheidend gemildert werden. Letztendlich wäre aber ein kompletter Ausstieg aus dem Betrieb von Fiakerfuhrwerken in der Stadt
die tierfreundlichste Lösung.
Tierärztin
Dr. Patricia Wanas meint dazu, dass es für die Fiakerpferde eine annehmbare Lösung wäre, dass sie höchstens einen halben Tag im Betrieb gehen. Den restlichen Tag sollten sie sich
auf einer Koppel (mindestens zwei bis drei Stunden)
frei bewegen können und in einem Laufstall oder in entsprechend großen Boxen (4x4m) untergebracht werden, um sich zu regenerieren. Zusätzlich sollte für Fiakerpferde alle sechs Monate ein Monat Urlaub verpflichtend sein. Es ist
auch notwendig für Pferde, dass sie in den Stallungen ständigen Zugang zu Heu und Wasser haben.
Fahrzeiten
Im Wiener Landesgesetz über den Betrieb von Fiakerunternehmen steht darüber folgendes:
§ 3 (4) Der Betrieb
von Fiakerunternehmen und mit Pferden betriebenen
Mietwagenunternehmen – darunter
sind die Tätigkeiten Anschirren, Anfahrt zum
Standplatz, Rundfahrten, Heimfahrt vom Standplatz
und Abschirren
zu verstehen – ist nur in der Zeit von 9:00 bis
23:00 Uhr gestattet.
Man möchte meinen,
dass dieser Gesetzestext eindeutig aussagt, dass
man mit dem Anschirren der Pferde
erst um 9:00 Uhr beginnen darf. Wir haben mit
den verschiedensten
Ämtern darüber gesprochen, keiner fühlt sich
zuständig dieses Gesetz zum Wohle der Tiere und nach
der
eindeutigen Aussage zu exekutieren. Hier wird
sehr gerne das
Argument gebracht, dass das ja dann ein Ungleichgewicht
der Wettbewerbsfähigkeit darstellen würde, weil
man die Betriebe, die ihre Stellplätze in den
Außenbezirken
haben, benachteiligen würde.
Am Anfang unserer
Fiakerkampagne mussten wir feststellen, dass selbst
die enorm langen vom
Gesetz zugelassenen
Standzeiten (9:00 bis 23:00 Uhr) überschritten
wurden.
Gerade in der Früh
wenn es um den besten Standplatz ging hat sich ein
regelrechtes Wettrennen entwickelt
und so war es leider nur allzu üblich, dass
bereits ab 8:00 Uhr die Kutschen auf die
Standplätze auffuhren.
Wir haben dies immer
wieder zur Anzeige gebracht mit teilweisem Erfolg:
Auf den Fiakerstellplätzen
herrscht ein Parkverbot mit Ausnahme der
Kutschen in der erwähnten Zeit. Aufgrund
unseres Urgierens
wurde die Polizei von der Bezirksvorsteherin
selbst angehalten, Kutschen die zu früh
auffahren wegen
Verletzung der Parkraumordnung anzuzeigen.
Dies geschah auch regelmäßig.
Die Atempause währte
nicht lange. Vor kurzem begannen unsere regelmäßigen,
morgendlichen
Kontrollen wieder
und wir trauten unseren Augen kaum. Ab
halb neun standen die Fiaker wieder auf
dem Wiener
Stephansplatz.
Das Spiel begann von vorne. Das Fiakerschutzpaket
der Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger
und unsere Fülle von anzeigen haben dazu
geführt, dass
im Frühjahr 2010 erstmal die Fiaker erst
nach 9 Uhr auf den Standplätzen aufgefahren
sind.
Ein
kleiner
Erfolg!
Ausstiegsszenario:
Neue Gewinnsituation für alle
Warum nicht Pferdefuhrwerke
durch Hightech-Kutschen ersetzen? So könnte den Pferden Stress, Lärm, Hitze, Asphalt und das beengte Leben in der Stadt ohne Auslauf erspart werden
und eine Automobil-Firma bekäme im Gegenzug die Gelegenheit neueste Technik als TouristInnenattraktion zu
präsentieren.
Die neuen Hightech-Kutschen
könnten mit alternativen und umweltfreundlichen Antriebsformen ausgestattet sein.
So könnte neueste zukunftsorientierte Technik in Einsatz gebracht werden, die uns
langfristig Lösungen für so dringliche Probleme wie Feinstaubbelastung, Klimawandel und Erderwärmung, CO2-Reduktion, etc. näher bringt. Weg vom Erdöl hin zu erneuerbaren Energieträgern.
Die Fiaker Ihrerseits
könnten die Betreuung derartiger Mobile übernehmen und so weiterhin TouristInnen durch die Stadt kutschieren.
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