TIERSCHUTZ-THEMEN FIAKER FORDERUNGEN
Druckversion: mit Bildern | nur Text

Allgemein

Forderungen

Recherche 2006

Recherche 2007

Übersicht Fiaker-Recherche 2007 Fiaker in Salzburg Fiaker in Innsbruck

Verbesserungsvorschläge und Lösungen

Grundsätzlich sind tierschutzrelevante Mängel sowohl bei der Haltung als auch im Betrieb festzustellen. Einge der Mängel sind behebbar andere aber untrennbar mit der Verwendung von Pferden in der Stadt verbunden. Der VGT fordert daher die sofortige Behebung der gröbsten Mängel - auf lange Sicht aber die Reduktion bis zur vollkommenen Beendigung des Betriebs von Fiakerfuhrwerken in der Stadt.

Verbesserungsvorschläge Fiakerhaltung in Wien Der Verein Gegen Tierfabriken (VGT) hat unter Berücksichtigung der Gesetzeslage, wissenschaftlicher Fakten und der festgestellten tierschutzrelevanten Mängel folgende Verbesserungsvorschläge zusammengestellt.

1. Effektive Kontrollen

Die bestehenden Kontrollen durch die MA 60 bzw. MA 65 sind derzeit aufgrund der zahlreichen Mängel die von Tierschutzseite festgestellt wurden, eindeutig nicht ausreichend. Der Verein Gegen Tierfabriken (VGT) schlägt daher verstärkte, regelmäßige und unangemeldete Kontrollen der Stallungen, des Gesundheitszustandes der Pferde und der Einsatzfähigkeit der Pferde in der Stadt Wien, der Ausrüstung und des Fahrbetriebs vor. Nur durch verstärkte Kontrollen können zahlreiche Missstände abgeschafft werden.

2. Effektive Sanktionen Gesetzliche Übertretungen müssen verschärft sanktioniert werden. (hohe Geldstrafen bzw. im Wiederholungsfall Verlust der Konzession) Die derzeitige Praxis der Bestrafung verhindert eine Übertretung der gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichend.

3. Pferdeschutzbestimmungen

Um den Pferden ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen, schlägt der Verein Gegen Tierfabriken (VGT) folgende, auf detaillierte Probleme eingehende Bestimmungen vor:

  • Beschränkung der Arbeitszeit auf 6 Stunden pro Tag
  • Mindestens zwei arbeitsfreie Tage pro Woche
  • Pferde in Boxenhaltung müssen täglich FREIEN Auslauf haben
  • Pferde dürfen nicht im Dunkeln gehalten werden
  • Zwischen den Ausfahrten muss den Pferden Wasser angeboten werden
  • Vorkehrungen für Hitze- und Kälteschutz
  • Verbot von Maulkörben
  • Dämpfung bei Hufbeschlägen
  • Auslagerung des Fiakerbetriebs in Parkanlagen (z.B. Schönbrunn oder Prater)

4. Fragekatalog

Es wurde ein ausführlicher Fragenkatalog erstellt und an den Bürgermeister, die Tierschutzstadträtin, an alle TierschutzsprecherInnen der verschiedenen Parteien in Wien und an die Bezirksvorsteherin des 1. Bezirks geschickt. Auch die zuständigen Magistrate und die Tierschutzombudsstelle Wien haben dieses Schreiben erhalten. Wir wünschen uns mit diesen Personen in Kontakt zu treten, um über das Fiakerproblem diskutieren zu können, um reale und tierschutzkonforme Lösungen zu finden.

Die Fragen

a. Sind Sie für ein generelles Verbot der Fiakerindustrie?

b. Sind Sie für ein Auslaufverfahren der Fiakerindustrie in den nächsten Jahren was mit einem Ende der Konzessionsvergabe einhergeht?

c. Was halten sie von einer Auslagerung der Standplätze in Parkanlagen (z.B.: Schönbrunn oder Prater)?

d. Sind Sie für eine Reform des Fiakergesetztes, bei der auch tierschutzrelevante Aspekte aufgenommen werden?

e. Sind Sie für eine eigene Regelung der Haltung von Fiakerpferden im Fiakergesetz?

i. Sind Sie für eine Boxenhaltung mit täglich freiem Auslauf?
ii. Sind Sie für ein Verbot von Kellerstallungen?

f. Zur Zeit dürfen die Fiakerpferde täglich 14 Stunden im Einsatz sein. Sind Sie für eine Verkürzung der Arbeitszeiten? Wenn ja, wie sollte eine Verkürzung aussehen?

g. Laut Fiakergesetz dürfen die Fiaker ihre Pferde 365 Tage im Jahr vor die Kutsche spannen, es gibt keine Urlaubstage. Was halten Sie von einer Einführung von Urlaubstagen?

h. Sind Sie für eine wetterbedingte Einschränkung der Betriebszeiten?

i. Schon seit Jahren fordert der Tierschutz Schattenplätze für die Pferde, sind Sie für eine Umsetzung dieses Vorhabens? Wenn ja, welche konkreten Schritte würden Sie setzen, um dieses Versprechen schnellstmöglich zu realisieren?

j. Einige Fiakerpferde beginnen aus Langeweile und/oder Überforderung das Geschirr anzuknabbern oder die Pferdekollegen zu beißen oder auch auf vorbeigehende Menschen zu schnappen, ein deutliches Zeichen der Verzweiflung. Anstatt solche Pferde aus dem Fiakerbetrieb zu nehmen, werden ihnen Maulkörbe angelegt, was eine zusätzliche Einschränkung darstellt. Sind Sie für ein Verbot von Maulkörben? Sind Sie dafür, dass Pferde, die ein solches Verhalten zeigen aus dem Betrieb genommen werden müssen?

k. Das Gehen auf Asphalt stellt eine Belastung für die Beine (Sehne, Gelenke, Hufe) der Pferde dar. Was halten Sie von einer verpflichtenden Dämpfung bei Hufbeschlägen bei Fiakerpferden?

 

 

 

Haltung

Insbesondere bei der Haltung wären die meisten Mängel sofort abzustellen. Konzessionen dürften nur mehr vergeben werden, wenn eine tiergerechte Haltung (wie es das Wiener Fiakergesetz ja bereits fordert) tatsächlich gewährleistet ist. Dazu gehören insbesondere:

Bauliche Voraussetzungen:

  • Helle, trockene Stallungen mit guter Belüftung, Stallungen im Keller sind sofort aufzulösen
  • Automatische Tränksysteme, die eine dauernde Versorgung mit Wasser gewährleisten
  • Boxenhaltung der Pferde, Anbindehaltungen sind sofort aufzulösen
  • Es müssen Koppeln vorhanden sein, die den Pferden Freilauf auf weichem Untergrund ermöglichen

Betreuung:

  • Ausreichend Einstreu und frisches Heu
  • täglicher Zugang der Pferde zu den Koppeln

Wenn Fiakerunternehmen bereits über Konzessionen verfügen, aber die oben erwähnten Voraussetzungen nicht erfüllen, müssten die Konzessionen wieder entzogen werden.

Die derzeit im Tierschutzgesetz vorgesehene Übergangsfrist der Anbindehaltung bis 2010 ist zu lange. Es ist für die Pferde unzumutbar noch vier weitere Jahre unter diesen Bedingungen leben zu müssen. Aber auch die dauernde Boxenhaltung ist nicht tiergerecht. Auch im Falle einer Boxenhaltung muss ein täglicher Freilauf auf Koppeln mit weichem Untergund möglich sein.

Fahrbetrieb

Die meisten der im Rahmen des Fahrbetriebs auftretenden tierschutzrelevanten Probleme sind nicht behebbar, könnten aber entscheidend gemildert werden. Letztendlich wäre aber ein kompletter Ausstieg aus dem Betrieb von Fiakerfuhrwerken in der Stadt die tierfreundlichste Lösung.

Tierärztin Dr. Patricia Wanas meint dazu, dass es für die Fiakerpferde eine annehmbare Lösung wäre, dass sie höchstens einen halben Tag im Betrieb gehen. Den restlichen Tag sollten sie sich auf einer Koppel (mindestens zwei bis drei Stunden) frei bewegen können und in einem Laufstall oder in entsprechend großen Boxen (4x4m) untergebracht werden, um sich zu regenerieren. Zusätzlich sollte für Fiakerpferde alle sechs Monate ein Monat Urlaub verpflichtend sein. Es ist auch notwendig für Pferde, dass sie in den Stallungen ständigen Zugang zu Heu und Wasser haben.

Fahrzeiten

Im Wiener Landesgesetz über den Betrieb von Fiakerunternehmen steht darüber folgendes:

§ 3 (4) Der Betrieb von Fiakerunternehmen und mit Pferden betriebenen Mietwagenunternehmen – darunter sind die Tätigkeiten Anschirren, Anfahrt zum Standplatz, Rundfahrten, Heimfahrt vom Standplatz und Abschirren zu verstehen – ist nur in der Zeit von 9:00 bis 23:00 Uhr gestattet.

Man möchte meinen, dass dieser Gesetzestext eindeutig aussagt, dass man mit dem Anschirren der Pferde erst um 9:00 Uhr beginnen darf. Wir haben mit den verschiedensten Ämtern darüber gesprochen, keiner fühlt sich zuständig dieses Gesetz zum Wohle der Tiere und nach der eindeutigen Aussage zu exekutieren. Hier wird sehr gerne das Argument gebracht, dass das ja dann ein Ungleichgewicht der Wettbewerbsfähigkeit darstellen würde, weil man die Betriebe, die ihre Stellplätze in den Außenbezirken haben, benachteiligen würde.

Am Anfang unserer Fiakerkampagne mussten wir feststellen, dass selbst die enorm langen vom Gesetz zugelassenen Standzeiten (9:00 bis 23:00 Uhr) überschritten wurden.

Gerade in der Früh wenn es um den besten Standplatz ging hat sich ein regelrechtes Wettrennen entwickelt und so war es leider nur allzu üblich, dass bereits ab 8:00 Uhr die Kutschen auf die Standplätze auffuhren.

Wir haben dies immer wieder zur Anzeige gebracht mit teilweisem Erfolg: Auf den Fiakerstellplätzen herrscht ein Parkverbot mit Ausnahme der Kutschen in der erwähnten Zeit. Aufgrund unseres Urgierens wurde die Polizei von der Bezirksvorsteherin selbst angehalten, Kutschen die zu früh auffahren wegen Verletzung der Parkraumordnung anzuzeigen. Dies geschah auch regelmäßig.

Die Atempause währte nicht lange. Vor kurzem begannen unsere regelmäßigen, morgendlichen Kontrollen wieder und wir trauten unseren Augen kaum. Ab halb neun standen die Fiaker wieder auf dem Wiener Stephansplatz. Das Spiel begann von vorne. Das Fiakerschutzpaket der Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger und unsere Fülle von anzeigen haben dazu geführt, dass im Frühjahr 2010 erstmal die Fiaker erst nach 9 Uhr auf den Standplätzen aufgefahren sind. Ein kleiner Erfolg!

Ausstiegsszenario: Neue Gewinnsituation für alle

Warum nicht Pferdefuhrwerke durch Hightech-Kutschen ersetzen? So könnte den Pferden Stress, Lärm, Hitze, Asphalt und das beengte Leben in der Stadt ohne Auslauf erspart werden und eine Automobil-Firma bekäme im Gegenzug die Gelegenheit neueste Technik als TouristInnenattraktion zu präsentieren.

Die neuen Hightech-Kutschen könnten mit alternativen und umweltfreundlichen Antriebsformen ausgestattet sein. So könnte neueste zukunftsorientierte Technik in Einsatz gebracht werden, die uns langfristig Lösungen für so dringliche Probleme wie Feinstaubbelastung, Klimawandel und Erderwärmung, CO2-Reduktion, etc. näher bringt. Weg vom Erdöl hin zu erneuerbaren Energieträgern.

Die Fiaker Ihrerseits könnten die Betreuung derartiger Mobile übernehmen und so weiterhin TouristInnen durch die Stadt kutschieren.

 

 

 

© 1996-2012 Verein Gegen Tierfabriken - Impressum - Haftungsausschluss - log in

Druckversion: mit Bildern | nur Text  Seitenanfang